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26.02.2013

13:00 Uhr

Prognose korrigiert

Goldman sagt Ende der Gold-Rally voraus

Die Rohstoffpreise sind nach den Verlusten an den Aktienmärkten unter Druck geraten. Goldman sagt sogar das Ende der steigenden Goldpreise voraus. Doch davon war heute an den Märkten nichts zu spüren.

Die Analysten von Goldman Sachs haben ihre Prognosen für das Edelmetall deutlich zurück genommen. Reuters

Die Analysten von Goldman Sachs haben ihre Prognosen für das Edelmetall deutlich zurück genommen.

Der Trend zum steigenden Goldpreis hat sich möglichweise schon gewendet, nachdem die US-Wirtschaft an Schwung gewonnen hat. Das haben die Analysten von Goldman Sachs in einer aktuellen Studie festgestellt.
„Der Wendepunkt im Goldzyklus ist wahrscheinlich schon da“, schrieben die Analysten, nachdem sie bereits in einer Studie vom 5. Dezember ein Ende der Rally beim Gold vorhergesagt hatten. „Der jüngste Zusammenbruch bei Gold-ETFs steht in scharfem Kontrast zu unserer Annahme, dass ETF-Positionen von einem längerfristigen Anlagehorizont und nicht von kurzfristigem Handeln bestimmt sind“.

Goldnachfrage weltweit (in Tonnen)

2003

Schmuck: 2.484
Barren und Münzen: 304
ETFs: -
Industrie: 386
Zentralbanken: -620
Gesamt: 2.594 Tonnen

2004

Schmuck: 2.616

Barren und Münzen: 355

ETFs: 133

Industrie: 419

Zentralbanken: -479

Gesamt: 3.044

2005

Schmuck: 2.719

Barren und Münzen: 396

ETFs: 208

Industrie: 438

Zentralbanken: -663

Gesamt: 3.098

2006

Schmuck: 2.300

Barren und Münzen: 414

ETFs: 260

Industrie: 468

Zentralbanken: -365

Gesamt: 3.077

2007

Schmuck: 2.423

Barren und Münzen: 435

ETFs: 253

Industrie: 476

Zentralbanken: -484

Gesamt: 3.104

2008

Schmuck: 2.304

Barren und Münzen: 869

ETFs: 321

Industrie: 461

Zentralbanken: -235

Gesamt: 3.720

2009

Schmuck: 1.814

Barren und Münzen: 780

ETFs: 623

Industrie: 410

Zentralbanken: -34

Gesamt: 3.593

2010

Schmuck: 2.017

Barren und Münzen: 1.205

ETFs: 382

Industrie: 466

Zentralbanken: 77

Gesamt: 4.147

2011

Schmuck: 1.972

Barren und Münzen: 1.515

ETFs: 185

Industrie: 453

Zentralbanken: 457

Gesamt: 4.582

2012

Schmuck: 1.908

Barren und Münzen: 1.256

ETFs: 279

Industrie: 428

Zentralbanken: 535

Gesamt: 4.405

2013

Schmuck: 2.671

Barren und Münzen: 1.702

ETFs: - 916

Industrie: 354

Zentralbanken: 625

Gesamt: 4.436

2014

Schmuck: 2.457

Barren und Münzen: 1.004

ETFs: - 183

Industrie: 347

Zentralbanken: 588

Gesamt: 4.212

Q1 2015

Schmuck: 601

Barren und Münzen: 253

ETFs: 26

Industrie: 80,4

Zentralbanken: 119

Gesamt: 1.079
Auf das Jahr hochgerechnet: 4.316

Die Schätzungen für das Edelmetall hat die US-Bank daher deutlich gesenkt. Auf Sicht von drei Monaten lautet das Ziel nun 1615 Dollar je Feinunze, nachdem es zuvor noch bei 1825 Dollar gelegen hatte. Auf Sicht von sechs und zwölf Monaten gehen die Analysten von 1600 Dollar bzw 1550 Dollar je Feinunze aus. Zuvor hatten sie 1805 Dollar bzw 1800 Dollar prognostiziert.

Die Gold-Futures waren am 21. Februar auf 1554,30 Dollar gefallen und hatten damit den niedrigsten Stand seit dem 29. Juni erreicht. Sie hatten damit auf das Protokoll der US- Notenbanksitzung im Januar reagiert, die eine Debatte über die Anleihekäufe durch die Fed gezeigt hatte. Am Dienstag und Mittwoch wird US-Notenbankpräsident Ben Bernanke vor Kongressabgeordneten die Geldpolitik rechtfertigen. Die Fed kauft in einer dritten Runde quantitativer Maßnahmen oder QE3 monatlich Anleihen im Umfang von 85 Milliarden Dollar.

Was Sie über Gold wissen sollten

Was ist Gold?

Gold ist ein seltenes Metall mit einem Schmelzpunkt von 1064 Grad Celsius. Der Siedepunkt liegt bei 2856 Grad. Die chemische Abkürzung für Gold ist „Au“ und stammt vom lateinischen Wort „Aurum“ ab. Es hat mehrere Eigenschaften, die es für die Menschheit über die Jahre nützlich gemacht hat. Gold leitet extrem gut. Außerdem reagiert es nicht mit Wasser oder Sauerstoff.

Wie viel Gold wurde in der Geschichte gefördert?

Nach Schätzungen wurden in der gesamten Menschheitsgeschichte bis heute um die 166.600 Tonnen Gold aus Minen geholt. Ein Großteil davon – etwa zwei Drittel – seit 1950.

Wie viel Gold gibt es noch auf der Erde?

Die letzten Zahlen der US Geological Society gingen im Januar 2011 von weltweit 51.000 Tonnen aus.

Wie viel Gold wird pro Jahr abgebaut?

In den vergangenen Jahren waren es etwa 2.500 Tonnen pro Jahr.

Wo wird weltweit am meisten Gold abgebaut?

Überall auf der Welt wird Gold gewonnen. Aber beinahe ein Drittel des Goldes wird in nur drei Ländern abgebaut. An der Spitze liegt China mit 13,1 Prozent, darauf folgen die USA und Australien mit jeweils 9,1 Prozent.

Was passiert mit dem Gold?

29 Prozent des abgebauten Goldes kommt im Investmentbereich zum Einsatz, also in Form von Münzen und Barren. Aus 59 Prozent wird Schmuck gemacht. 12 Prozent wird von der Industrie verarbeitet.

Wo sind die größten Absatzmärkte für Gold?

Mit 1059 Tonnen ist Indien der mit Abstand größte Absatzmarkt für physisches Gold (Münzen, Barren, Schmuck). Dahinter liegt China mit 770 Tonnen. Im Vergleich dazu abgeschlagen sind die USA mit 213 Tonnen und Deutschland mit 154 Tonnen.

Quelle: World Gold Council

Wer sind die größten Goldbesitzer?

Größte Goldbesitzer sind die Notenbanken. Die Vereinigten Staaten sitzen auf rund 8.100 Tonnen, gefolgt von Deutschland mit 3.400 Tonnen und dem Internationalen Währungsfonds mit 2.800 Tonnen. Die Notenbanken waren über Jahre Netto-Verkäufer. Seit dem vergangenen Jahr sind sie jedoch wieder Netto-Käufer. Das Interesse kommt vor allem aus den Schwellenländern.

„Unsere Volkswirte gehen davon aus, dass sich die Abwärtsrisiken ihrer Vorhersagen verringert haben, während die Unsicherheit in Hinblick auf das Ausmaß von QE3 hoch ist“, heißt es in der Goldman-Studie. „Wir gehen davon aus, dass es in den vergangenen paar Monaten eine Veränderung gegeben hat, wobei die Motivation, Gold zu halten, sich rasch verringert hat“.

Doch davon war am Dienstag nichts zu spüren: Die Feinunze verteuerte sich um bis zu 0,5 Prozent auf 1601,80 Dollar, grenzte im Verlauf des Vormittags aber ihre Gewinne auf 0,2 Prozent ein. Das gelbe Metall profitierte damit wieder von seiner Funktion als sicherer Anlagehafen. Wenig en vogue war unter den Edelmetallen Platin, das im Autobau verwendet wird. Die Feinunze verbilligte sich um bis zu 1,7 Prozent auf 1577,49 Dollar und lag gegen Mittag mit 1592,74 Dollar noch 0,7 Prozent im Minus.

Kommentare (39)

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Michael

26.02.2013, 10:01 Uhr

Ich habe meine chance verpasst "günstig" ein wenig Gold zu kaufen. Krankheit kann so unpassend kommen.
Nunja, ein bisschen werd ich dennoch kaufen, muss ich halt mit dem höheren Preis leben.

Account gelöscht!

26.02.2013, 10:29 Uhr


J. Morgan kauft, Goldman verkauft. China kauft, Goldman verkauft. Naja, mal sehen, wen Goldman wirklich beeinflussen kann. USA sollten ihren Haushalt sanieren, mit oder ohne Goldman.

Lachsalve

26.02.2013, 10:40 Uhr

Wenn die Goldmännlein das sagen,... dann wird das für deren Strategie schon stimmen. Als Anleger kann man getrost das Gegenteil von dem machen, was die "die Gottes Werk verrichten" empfehlen, dann liegt man ungefähr richtig an der Börse.
Das heisst im Moment, nachkaufen bzw. einsteigen in Gold. Zu glauben, die Schulden-/Währungskrise sei vorbei, wäre mehr als nur naiv...

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