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02.11.2012

16:21 Uhr

Prognosen

Wie Schieferöl den Ölpreis drücken könnte

Weil die Ölreserven zu Ende gehen werden, denken einige Unternehmen über die Förderung von in Schiefergestein gebundenem Öl nach. Doch ob das rentabel wäre, hängt ganz von der Entwicklung des Ölpreises ab.

Ölfeld bei Los Angeles. Wenn das Öl zu Ende geht, könnten auch ein Mix aus Öl und Sand gefördert werden – wenn denn der Ölpreis stimmt. dpa

Ölfeld bei Los Angeles. Wenn das Öl zu Ende geht, könnten auch ein Mix aus Öl und Sand gefördert werden – wenn denn der Ölpreis stimmt.

LondonDie Ölreserven der Welt werden früher oder später zur Neige gehen. Die Ausbeutung sogenannter unkonventioneller Lagerstätten, in denen Rohöl in Schiefergestein oder Sand gebunden ist, könnte dies zwar hinauszögern. Experten streiten aber darüber, ob die neue Förderung ausreicht, um den wachsenden Bedarf zu decken und langfristig den Ölpreis zu drücken.

„Die 'Peak Oil'-Verfechter sind fast ausgestorben“, sagt Rohstoff-Experte David Hufton vom Brokerhaus PVM. Viele Mahner, die den Höhepunkt des weltweiten Fördervolumens (Peak Oil) bereits als überschritten ansahen, hätten die Fortschritte der Förder-Technologien nicht berücksichtigt. Denn Schieferöl kann nur unter hohem Aufwand gewonnen werden. Die hierzu notwendigen Verfahren wurden erst in den vergangenen Jahren bis zur Einsatzreife entwickelt. „Das Land mit dem höchsten Ölbedarf – sowohl absolut als auch pro Kopf – ist nun in einer Position, in der das heimische Angebot schneller wächst als der Bedarf.“ Alles deute darauf hin, dass es sich dabei und ein langfristiges Phänomen handele, fügt Hufton hinzu.

Während der Ölpreis-Rally 2007/2008, als ein Barrel – ein Fass von 159 Liter – der weltweit richtungsweisenden Nordsee-Sorte Brent zeitweise 147,50 Dollar kostete, sagten einige Experten, das weltweite Ölförder-Maximum sei bereits überschritten. Die bekannten Lagerstätten gingen zur Neige und neue könnten nur mit großem technischen Aufwand erschlossen und ausgebeutet werden können. Aktuell kostet ein Barrel rund 108 Dollar.

„Wir gehen davon aus, dass die Welt 2020 angesichts eines großen Angebots und mauer Nachfrage mit Öl geflutet sein wird“, sagt Volkswirt Julian Jessop von Capital Economics. Sein Research-Haus sieht Brent zum Ende des Jahrzehnts bei 70 Dollar je Barrel. Das ist der niedrigste Wert einer Reuters-Umfrage zur Preisentwicklung der kommenden Jahre.

Die gegenteilige Meinung vertreten die Analysten von Barclays Capital. Sie sagen einen Preisanstieg auf 184 Dollar voraus. Gleich dahinter rangieren die Experten von Berenberg mit ihrer Prognose von 158 Dollar. „Schieferöl hat zwar die US-Ölproduktion wiederbelebt“, schreiben sie in einer Studie. „Dieses neue Angebot ist – selbst wenn man die kanadischen Ölsande hinzuzählt – aber zu gering, um den Weltmarkt zu fluten.“ Rohstoff-Experte Michael Dei-Michei von der Beratungsfirma JBC Energy weist zudem darauf hin, dass die Fördermengen der Nicht-Opec-Staaten außerhalb Nordamerikas hinter den Erwartungen zurückbleiben.

Der Terminmarkt geht bislang von einer Entspannung des Ölpreises aus. Der bereit handelbare Brent-Kontrakt mit Verfallsdatum Dezember 2019 notiert derzeit bei knapp 91 Dollar. Ab diesem Preisniveau gilt eine Ausbeutung „unkonventioneller Lagerstätten“ als profitabel.

Zur Förderung von Schieferöl oder Schiefergas werden Gesteinsschichten mit Horizontalbohrungen unter Einsatz von hohem Druck und Chemikalien aufgebrochen. Dieses sogenannte „Fracking“ ist wegen möglicher Umweltrisiken allerdings umstritten. So enthalten die Abwässer gesundheitsschädliche Chemikalien, die das Grund- und Trinkwasser verunreinigen können. Außerdem können bei der Förderung entzündliche Gase wie Methan freigesetzt werden. Kritiker weisen zudem darauf hin, dass die beim Abbau entstehenden Hohlräume Erdbeben auslösen könnten. Bei Ölsanden wird das Bitumen mit Hilfe von Wasserdampf und Lösungsmitteln herausgewaschen.

Von

rtr

Kommentare (6)

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vandale

02.11.2012, 17:26 Uhr

Die Erdölpreise haben sich in den vergangenen Jahrzehnten analog eines Schweinebauchzyklus entwickelt. Als der Ölpreis in der Ölkrise stieg hat man viel investiert und die Vorkommen in der Nordsee und anderswo entwickelt. Der Ölpreis sank dann in realem Geld wieder bis dieser 2002 einen Tiefpunkt erreichte. Seitdem steigt der Ölpreis wiederum. Die Investitionen haben gleichfalls zugenommen. Tiefseevorkommen, Ölsande und Ölchiefer werden entwickelt und so ergibt sich ein neuer Zyklus.

Abseits aller Zyklen von denen es in den kommenden 100 Jahren noch viele geben mag wird es jedoch immer aufwendiger Erdöl zu gewinnen. Deshalb verliert Erdöl seine Rolle als Universalenergie. Nur mehr 5% der weltweiten Stromerzeugung erfolgen mit Erdöl. Heizungen werden häufig auf Erdgas umgestellt und so wird Erdöl irgendwann zur Spezialität.

Die grössten Zuwächse beim Energieaufkommen haben Kohle und mit Abstrichen Erdgas. Die Kernenergie wird in vielen Ländern der Erde politisch, oder religiös behindert. Ich vermute, dass man den destruktiven Ökoglauben früher, oder später abwerfen wird.

Vandale

Account gelöscht!

02.11.2012, 22:32 Uhr

Wir haben in Deutschland immerhin Religionsfreiheit! Deshalb darf natürlich auch jeder die Kernenergie religiös fördern und unterstützen. Und der destruktive Kernkraftglaube wurde hier bereits - also früher - abgeworfen.

Niedersachsenwahl2013

03.11.2012, 09:59 Uhr

In Niedersachsen formieren sich in vielen CDU-geführten Landkreisen Widerstände gegen das Fracking-Verfahren.

Mal sehen, wann dieser "heuchlerische" Widerstand aufgegeben wird und die CDU in Niedersachsen sich nicht mehr an ihr Geschwätz von gestern erinnern wird und das Frackingverfahren in zahlreichen Landkreise Niedersachsens zum Einsatz kommen wird.

Die Regierung McAllisters ist diesbzgl. vergleichsweise still. Man versucht alles um möglichst unbeschadet die Wahlen im Januar 2013 erfolgreich zu bestehen.

In Niedersachsen wird an mindestens 3 Standorten (Asse II, Schacht Konrad, Gorleben) Atommüll gelagert.
Warum nicht in Bayern?
Warum spielt Bayern immer wieder in der Endlagerfrage eine Sonderrolle?
Im Süden Deutschlands wird bekanntlich der meiste Strom verbraucht. McAllister ist ein schwacher Ministerpräsident, der sich gegen seine politischen CDU-Kollegen nicht durchsetzen kann. Er vertritt viel zu wenig die Interessen Niedersachsens. Er sollte sich mal ein Beispiel an Horst Seehofer nehmen.

Mit CDU und FDP in Niedersachsen sieht die Zukunft dort düster aus!

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