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02.10.2012

17:16 Uhr

Rasanter Kurssturz

„Psychologischer Krieg“ um iranische Währung

Ist es die Gier der Spekulanten – oder hat der Iran die Krise seiner Währung selbst zu verantworten? Rund zwei Drittel hat der Rial seit Juni 2011 verloren. Jetzt sollen drastische Maßnahmen ergriffen werden.

Scheine der iranischen Landeswährung Rial. AFP

Scheine der iranischen Landeswährung Rial.

DubaiDie iranische Regierung setzt im Kampf gegen den Sturzflug seiner Landeswährung die Sicherheitsdienste auf Spekulanten an. Handelsminister Mehdi Ghasanfari sagte der Nachrichtenagentur Fars am Dienstag, die Händler trieben die Preise hoch, weil das für sie einen Gewinn bedeute und niemand sie kontrolliere. Präsident Mahmud Ahmadinedschad erklärte, es gebe für den Kursverlauf des Rial keinen wirtschaftlichen Grund. Er warf den Gegnern der Islamischen Republik vor, einen "psychologischen Krieg" zu führen. Die im Atomstreit verhängten internationalen Sanktionen setzen der iranischen Wirtschaft zu.
Der Rial hat seit Juni 2011 etwa zwei Drittel seines Wertes zum Dollar verloren. In den vergangene Woche hat sich die Entwicklung beschleunigt. Händler in Teheran sagten der Nachrichtenagentur Reuters per Telefon, für einen Dollar müssten nun bis zu 40.000 Rial bezahlt werden. Zum Handelsschluss am Montag habe der Kurs noch bei 34.200 Rial gelegen. Wegen der politischen Brisanz bestanden die Händler auf Anonymität.

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Quelle

IMD-„World Competitiveness Ranking“ 2012.

Die Schweizer Business-School IMD veröffentlich seit 1989 jährlich ihr Wettbewerbsranking. Dazu befragen die Wissenschaftler mehr als 4200 internationale Geschäftsleute. Die Länder werden nach über 300 Kriterien bewertet.

"Wir erwarten von den Sicherheitsdiensten, dass sie mehr gegen die Auslöser der Störungen am Devisenmarkt unternehmen", sagte Ghasanfari. "Die Händler am Markt treiben die Preiserhöhungen auch voran, weil das für sie gewinnbringend ist und weil niemand sie kontrolliert." Wer die Spekulanten sein sollen und wie die Behörden sie kontrollieren wollen, sagte er nicht.
In der vergangenen Woche hatte die Regierung ein Währungszentrum eingerichtet, das Importeure mit Dollar versorgen soll. Das scheint den Kursverfall eher beschleunigt zu haben. Zudem droht die Inflation angefacht zu werden, die von der Regierung mit etwa 25 Prozent angegeben wird. In den vergangenen Tagen haben viele Iraner versucht, ihre Rial-Bestände in harte Währungen zu tauschen. Das beschleunigte den Verfall.
Die Sanktionen gegen den Iran haben die Banken des Landes vom internationalen Zahlungsverkehr weitgehend abgeschnitten und behindern auch die Öl-Exporte, die wichtigste Einnahmequelle des Opec-Staates. Nach Schätzungen Israels sind dem Iran durch das Embargo zwischen 45 und 50 Milliarden Dollar an Öleinnahmen entgangen. Ahmadinedschad gestand ein, dass "die Feinde" die Ausfuhren behinderten. "Wir werden das hoffentlich ausgleichen können." Die Zentralbank habe genug harte Devisen bereitgestellt, um die Importe zu finanzieren. Diese hätten im ersten halben Jahr 26 Milliarden Dollar betragen nach 29 Millionen im Vorjahreszeitraum.

Der Iran steht im Verdacht, Kernwaffen zu entwickeln. Die USA und Israel haben einen Militärschlag gegen die Atomanlagen des Landes nicht ausgeschlossen. Die Regierung in Teheran weist die Vorwürfe zurück.

So funktionieren Eingriffe in den Devisenmarkt

Wie verläuft so ein Eingriff?

Die Intervention einer Notenbank bezieht sich immer auf die eigene Landeswährung. Die Zentralbanker kaufen oder verkaufen am Devisenmarkt die eigene Währung in großen Mengen, um deren Kurs in die gewünschte Richtung zu bewegen. Durch einen Kauf soll die Devise auf- und durch einen Verkauf abgewertet werden.

Was sind die Vor- und Nachteile?

Generell werden durch eine Abwertung die Exporteure im eigenen Land meist gestärkt, weil sie ihre Waren im Ausland günstiger verkaufen können. Allerdings schmeckt dies oft anderen Ländern nicht, da ihre Firmen an Wettbewerbsfähigkeit verlieren. Zentralbanken und Staaten sehen nur selten tatenlos zu, wenn sich die Bedingungen für ihre Exporteure massiv verschlechtern. Im schlimmsten Fall droht ein Abwertungswettlauf der Währungen.

Wie kann der Erfolg eines Eingriffs wahrscheinlicher werden?

Ein Eingriff in den Devisenmarkt ist also meist nur dann erfolgreich, wenn er mit anderen Notenbanken abgesprochen ist. Die Europäische Zentralbank (EZB) und die Federal Reserve (Fed) in den USA haben im vergangenen Jahr nur wenig Bereitschaft erkennen lassen, sich an einer Interventionen ihrer Kollegen zu beteiligen.

Wie verliefen solche Eingriffe?

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat während der europäischen Schuldenkrise versucht, die Aufwertung des Franken zum Euro zu stoppen. Dafür deckte sich die Nationalbank im großen Umfang mit Euro ein. Kritiker warfen der SNB vor, der Alleingang am Devisenmarkt habe nichts gebracht - der Franken legte sogar weiter zu. Immerhin gelang es der Nationalbank eine Untergrenze von 1,20 Franken zu verteidigen.

War die EZB bereits an einer solchen Maßnahme beteiligt?

Die EZB intervenierte zum ersten und bisher einzigen Mal im Herbst 2000 offen an den internationalen Währungsmärkten. Damals hatten EZB, die US-Notenbank Fed und die Bank von Japan gemeinsam Euro gekauft, um die Gemeinschaftswährung zu stützen. Dies gelang bei einem Kurs von 82 US-Cents.

Von

rtr

Kommentare (4)

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HansWurst

02.10.2012, 21:23 Uhr

Wuuuaaah.
Eine FIAT Währung kackt früher ab als die andere.

auch_egal

02.10.2012, 21:46 Uhr

Die iranische Währung soll Parsi lauten seit 2011 und nicht Rial.
Aber wen interessiert sowas schon...

naja

02.10.2012, 22:04 Uhr

Und Netanjahu kündigt den kommenden Krieg im nahen Osten bereits an, ohne, dass irgendjemand dem Mann in die Hände fällt.

Inzwischen scheint es ausgesmacht, dass Assad, als Vertreter der "Achse des Bösen" seinen Hut auch nehmen soll - oder das was davon übrigegblieben sein wird.

Interessant nur, dass sich die "Bibliker" der Staatsführungen vom Zweistromland bislang nicht zu emazipieren vermochten.

Vermutlich wollen sie uns alle in die Steinzeit zurückbomben.

Das wäre doch mal ein Fortschritt nach dem Frühling der Aufklärung, dem zusehends mehr Nebelbomben entgegengeworfen werden, wie um vergessen zu machen, dass Menschen keine Schimpansen sind.

Deswegen geht der Mensch nicht mehr wählen, weil es längst keine Wahlen mehr gibt - sondern er läßt so etwas Schimpansen, trainierte Schimpansen, abwickeln.

Und davon wird es stets mehr geben als Menschen.

Auch gut...

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