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30.11.2016

20:30 Uhr

Reaktion der Börsen

Keine Tendenz nach Ölpreisanstieg erkennbar

Nachdem der Ölpreis über die 50-Dollar Marke getrieben wurde, war an den Börsen kein einheitlicher Trend zu erkennen. An europäischen Aktienmärkten verhinderte das nahende Renzirendum in Italien größere Kursgewinne.

Nach dem Anstieg des Ölpreises war an den Börsen kein klarer Trend zu erkennen. Reuters

Die Reaktion der Börsen

Nach dem Anstieg des Ölpreises war an den Börsen kein klarer Trend zu erkennen.

New YorkTrotz des kräftigen Preisanstiegs an den Ölmärkten hat die Wall Street am Mittwoch uneinheitlich tendiert. Die Hoffnung auf eine Drosselung der Ölförderung verhalf dem Ölpreis zum größten Kurssprung seit mehr als einem Dreiviertel Jahr. Das trieb die Aktien großer Energiekonzerne. Papiere der Airlines mussten dagegen Federn lassen.

Die Opec hat erstmals seit 2008 eine Förderkürzung beschlossen und damit den Ölpreis über die psychologisch wichtige Marke von 50 Dollar getrieben. Die Mitglieder der Organisation Erdöl exportierender Staaten stimmten bei ihrer Sitzung in Wien der Grundsatzvereinbarung vom September zu. Damals verständigten sich die oft zerstrittenen 14 Länder des Kartells auf eine Drosselung der Förderung auf 32,5 Millionen Barrel pro Tag von derzeit 33,6 Millionen Fass. Der Ölpreis steht seit 2014 wegen eines Überangebots unter Druck.

Der Dow-Jones legte bis zum frühen Nachmittag 0,4 Prozent auf 19.188 Punkte zu. Im Verlauf hatte er neues Rekordhoch bei 19.225 Punkten markiert. Der S&P-500 stieg um 0,1 Prozent auf 2206 Punkte, während der Nasdaq-Composite 0,6 Prozent auf 5344 Punkte Federn ließ.

Einen positiven Vorgeschmack auf die amtlichen Daten vom US-Arbeitsmarkt lieferte die Umfrage des Arbeitsvermittlers ADP unter privaten Firmen. Demnach haben die US-Unternehmen im November deutlich mehr Stellen geschaffen als erwartet. Die Konsumausgaben im Oktober waren mit plus 0,3 Prozent zwar niedriger als erwartet. Doch sprachen Analysten von robusten Zahlen. "An einer Zinserhöhung durch die Fed Mitte des Dezember dürfte kein Zweifel aufkommen", fasste ein Börsianer zusammen.

Die Chronik des Ölpreisverfalls

Der Verfall

Ein weltweites Überangebot bei schwächelnder Nachfrage setzt dem Ölpreis immer stärker zu. Noch im Juni 2014 kostete ein Barrel (Fass zu je 159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent 115,7 Dollar. Derzeit kostet ein Fass Öl aus der Nordsee weniger als 33 Dollar.

Die Gründe

Ein Grund für das Überangebot ist der Schieferölboom in den USA. Ein anderer ist die Förderpolitik der Opec, die anders als in früheren Jahren den Preis nicht durch die Senkung von Fördermengen stützen will oder kann. Stattdessen kämpfen die Kartellmitglieder mit Rabatten um ihre Marktanteile. Diese Preis-Meilensteine durchschritt die Ölsorte Brent seit Anfang 2015:

7. Januar 2015

Der Brent-Preis fällt zum ersten Mal seit Mai 2009 unter 50 Dollar je Fass.

13. Januar 2015

Mit 45,19 Dollar erreicht Brent den niedrigsten Stand seit März 2009.

3. Februar 2015

Spekulationen auf einen deutlichen Rückgang des Überangebots treiben den Preis für Brent wieder über 55 Dollar.

6. Mai 2015

Export-Ausfälle in Libyen schüren Spekulationen auf einen Versorgungsengpass: Der Ölpreis steigt bis auf 69,63 Dollar.

3. August 2015

Erstmals seit Januar rutscht Brent wieder unter die 50-Dollar-Marke. Auslöser ist ein Rekordanstieg der Ölproduktion der Opec-Länder im Juli.

24. August 2015

Aus Sorgen vor einer deutlichen Abkühlung der chinesischen Wirtschaft machen Anleger einen großen Bogen um Öl. Brent verbilligt sich um bis zu 6,5 Prozent auf 42,51 Dollar. Damit kostet das Nordsee-Öl so wenig wie zuletzt im März 2009.

8. Dezember 2015

Nachdem die Opec ihre Förderpolitik bestätigt hat und in der Abschlusserklärung nicht einmal mehr eine Zahl für die Obergrenze der Produktion auftaucht, gehen die Notierungen erneut in die Knie: Brent fällt auf bis zu 39,81 Dollar und ist damit so billig wie zuletzt im Februar 2009.

21. Dezember 2015

Brent kostet mit rund 36 Dollar so wenig wie zuletzt im Juli 2004.

4. Januar 2016

Nach der Hinrichtung eines schiitischen Geistlichen im sunnitischen Saudi-Arabien eskaliert der seit langem schwelende Konflikt zwischen dem Iran und dem Königreich. Dies macht eine gemeinsame Linie der beiden Opec-Mitglieder in der Ölpolitik unwahrscheinlich. Die Preise nehmen ihre Talfahrt wieder auf.

7. Januar 2016

Brent stürzt um sechs Prozent auf 32,16 Dollar ab und notiert damit so niedrig wie zuletzt im April 2004. Damals hatte der Preis zuletzt die 30-Dollar-Marke unterschritten.

Unter den Einzelwerten sorgte weiter Praxair für Gesprächsstoff: Der US-Industriegase-Hersteller nimmt einen neuen Anlauf zum Zusammenschluss mit dem deutschen Konkurrenten Linde. Praxair-Aktien ließen 1,6 Prozent Federn, nachdem sie am Dienstag rund drei Prozent gewonnen hatten.

GoPro stiegen um 2,7 Prozent. Der Actionkamera-Hersteller hatte einen Stellenabbau und die Schließung seiner Entertainment-Sparte angekündigt.

Vor allem Konzerne wie Chevron und Exxon profitierten von den steigenden Ölpreisen. Chevron-Papiere verteuerten sich um 2,7 Prozent und Exxon um 2,4 Prozent. Die Aussicht auf anziehende Kerosin-Kosten machten Fluggesellschaften dagegen zu schaffen. American, Delta und United gaben jeweils etwa ein halbes Prozent nach.

In Frankfurt ging der Dax 0,2 Prozent höher auf 10.640 Punkten aus dem Handel. Der EuroStoxx50 notierte 0,4 Prozent fester bei 3051 Zählern. Das nahende "Renzirendum" in Italien verhinderte allerdings größere Kursgewinne an den europäischen Aktienmärkten, sagten Experten. Die Italiener stimmen am Sonntag über eine Verfassungsreform ab. Bei einem "Nein" befürchten Börsianer den Sturz des Ministerpräsidenten Matteo Renzi. Eine Regierungskrise könnte es den Banken erschweren, dringend benötigtes frisches Kapital einzusammeln. "Italien ist wirtschaftlich verletzbar und kann die Turbulenzen nicht gebrauchen", betonte die Nordea Bank.

Von

rtr

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