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28.10.2014

12:38 Uhr

Referendum in der Schweiz

„Rettet unser Gold“

VonHolger Alich

Goldanleger sollten sich den 30. November dick in den Kalender eintragen: Denn dann stimmen die Schweizer über eine Initiative ab, die die Gold- und Devisenmärkte durchschütteln könnte. Was Anleger wissen müssen.

Gold in Barren: Die Schweizer Notenbank hält derzeit Gold im Wert von 522 Milliarden Franken. Sollten die Schweizer „ja“ zur Gold-Initiative sagen, müsste die Notenbank weiterhin pro Jahr rund 500 Tonnen Gold kaufen. Getty Images

Gold in Barren: Die Schweizer Notenbank hält derzeit Gold im Wert von 522 Milliarden Franken. Sollten die Schweizer „ja“ zur Gold-Initiative sagen, müsste die Notenbank weiterhin pro Jahr rund 500 Tonnen Gold kaufen.

BernDas Bild wirkt sympathisch: Zwei Hände umfassen ein rundes, rotes Sparschwein mit Schweizer-Kreuz. „Volksvermögen schützen – Ja zur Goldinitiative“. Mit diesem Motiv haben die Initianten des Vorstoßes derzeit die Zürcher Innenstadt vollgepflastert.

Doch das harmlose Plakat täuscht: Dahinter steckt ein brisantes Vorhaben, dass die Gold- und Devisenmärkte durchschütteln könnte. Die Macher der Initiative „Rettet unser Gold“ fordern, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) 20 Prozent ihrer Anlagen in Gold halten muss. Ferner soll sie nie wieder Goldbestände verkaufen dürfen.

Und alle Gold-Bestände sollen in der Schweiz gelagert sein. Die Initianten wie der SVP-Abgeordnete Luzi Stamm wollen so einem befürchteten Wertverfall des Schweizer Franken entgegenwirken. „Papier zerfällt, Gold hält“, so sein Wahlspruch.

Ein Blick in die Bilanz der Schweizer Notenbank macht die Brisanz des Vorstoßes klar: Sie umfasst derzeit rund 522 Milliarden Franken. Diese aufgeblähte Bilanz ist Folge der Devisenpolitik; denn um den Franken nicht über 1,20 Franken je Euro aufwerten zu lassen, kaufte die Notenbank im Milliarden-Volumen Euro auf. Von dieser Riesen-Bilanz der Notenbank entfallen bisher aber nur rund 40 Milliarden Franken auf Goldbestände von 1040 Tonnen plus Forderungen aus Goldgeschäften.

Die wichtigsten Fakten zu Gold

Goldnachfrage

Die gesamte Goldnachfrage im ersten Quartal 2015 betrug 1079,3 Tonnen. Damit ist die Nachfrage nur um knapp 11 Tonnen im Vergleich zum Vorjahr (Q1'14: 1089,9) gefallen.

Quelle: World Gold Council

Schmucknachfrage

Die weltweite Nachfrage nach Schmuck betrug im ersten Quartal 2015 insgesamt 600,8 Tonnen und ist damit um drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr (Q1'14: 620,2) gefallen.

Industrienachfrage

Die Nachfrage des Technologiesektors belief sich im ersten Quartal 2015 auf 80,4 Tonnen und fiel, verglichen mit den 81,9 Tonnen im ersten Quartal 2014, um zwei Prozent.

Goldbarren- und Münznachfrage

Die Nachfrage nach Goldbarren und -münzen ist im ersten Quartal 2015 gesunken – auf 253,1 Tonnen. Ein Minus von zehn Prozent im Vergleich zu 2014 (Q1: 281,5).

EFTs und ähnliche Produkte

Die Nachfrage bei den Gold-EFTs betrug im ersten Quartal 2015 25,7 Tonnen. Im ersten Quartal des Vorjahres wurden noch Abflüsse in Höhe von 13,5 Tonnen verzeichnet.

Notenbanken

Die Nettoeinkäufe von Zentralbanken betrugen im ersten Quartal 2015 119,4 Tonnen. Im Vergleich zum Vorjahr blieb der Wert damit nahezu gleich (Q1'14: 119,8).

Investment gesamt

Die Goldnachfrage im Investment belief sich im ersten Quartal 2015 auf 278,8 Tonnen. Das ist eine Steigerung von vier Prozent, im Vorjahresquartal waren es 268 Tonnen.

Die Notenbank müsste also Gold im Wert von 65 Milliarden Franken nachkaufen, um die Anforderungen der Initiative zu erfüllen, bliebe die Bilanz auf dem heutigen Niveau. „Das wären mindestens 1500 Tonnen Gold“, rechnet Carsten Menke vor, Edelmetall-Analyst bei der Privatbank Julius Bär.

Man muss kein Finanzexperte sein, um sich auszumalen, was das für den Goldpreis heißen würde. „Die Annahme der Initiative könnte die Einstellung der Anleger zum Gold ändern“, so Menke. Denn derzeit dominierten am Terminmarkt eher die Goldverkäufe.

Kommentare (13)

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Herr Fritz Yoski

28.10.2014, 13:00 Uhr

Die BuBa sollte schnellstens ihr Papiergold das in NY "lagert" verkaufen solange sich dafuer noch Kauefer finden. Mit dem Erloes kann sie vielleicht irgendwo richtiges Gold kaufen.

Herr Josef Schmidt

28.10.2014, 13:01 Uhr

Die Amis haben da auch noch ein Wörtchen mitzureden.

Schlimmstenfalls werden sie die Notenbank dazu zwingen ihre Eurobestände zu veräussern damit sie kein Gold kaufen müssen.

So ein kleines Bergvolk darf nicht so viel Gold besitzen.

Herr Stubenkastl Johann

28.10.2014, 13:02 Uhr

Gold selber hat eigentlich einen sehr geringen Wert. Das Gedankengut des Goldwertes und des Goldstandards ergibt absolut keinen Sinn. Eine Waehrung kann man mit ganz anderen Mitteln wertstabil halten - mit Hirn und Verantwortung. Gold erscheint da einfacher - weil es an den beiden anderen Dingen oft fehlt ;-) Nehmen wir die EZB und die FED. Da wird Geld geschaffen ohne Ende. Bei Gold geht dies nicht. Aber liegt das wirkliche Problem nicht bei der EZB und der FED? Man muesste bloss Geld so wertvoll wie Gold betrachten.

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