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26.07.2017

16:45 Uhr

Regulierung virtueller Währungen

US-Börsenaufsicht warnt Krypto-Investoren

VonFelix Holtermann

Die Börsenaufsicht SEC warnt die Anbieter sogenannter ICOs: Die US-Wertpapiergesetze könnten auch die Finanzierungsrunden der Kryptowährungs-Szene betreffen. Die Zeit des staatlichen Wegschauens ist damit vorbei.

Die Börsenaufsicht hat die Regulierung des Digitalwährungs-Marktes angepackt. Reuters

Zentrale der U.S. Securities and Exchange Commission in Washington

Die Börsenaufsicht hat die Regulierung des Digitalwährungs-Marktes angepackt.

DüsseldorfDie US-Behörden nehmen sich den bisher weitgehend unregulierten Markt für Kryptowährungen vor. In einer am Dienstag veröffentlichten Mitteilung erklärt die Börsenaufsicht SEC, bestimmte sogenannte Tokens, eine digitale Anlageform, seien Wertpapiere gewesen. Damit fallen sie unter die Aufsichtshoheit der Washingtoner Behörde. Auf die Anbieter von ICOs kommen damit neue Pflichten zu.

ICO steht für „Initial Coin Offering“, eine analog zum Börsengang, dem IPO („Initial Public Offering“), gebildete Abkürzung. Der Begriff aus der Digitalwährungs-Szene wird für unterschiedliche Arten von Finanzierungsrunden gebraucht. Verkauft werden dabei nicht Aktienanteile eines neu gegründeten Unternehmen. Vielmehr geht es oft um das Investment in eine neue Digitalwährung, deren Anteile für Bitcoins oder Ethereum gekauft werden können. Zum Teil stellen die bei einem ICO verkauften Tokens auch lediglich das Versprechen dar, an zukünftigen Produkten oder Gewinnen des Anbieters beteiligt zu werden. Im Kern schenken die Investoren dem Anbieter also Geld in der Hoffnung auf eine zukünftige Belohnung.

Viele Start-ups, die den Weg einer ICO-Finanzierungsrunde wählen, bieten nicht viel mehr an als ein Geschäftskonzept, ein sogenanntes Whitepaper. Ein fertiges Produkt – sei es eine neue Kryptowährung, eine neue Handelsplattform oder eine andere Dienstleistung – gibt es in den meisten Fällen noch gar nicht. Je früher die Nutzer einsteigen, desto mehr Tokens erhalten sie für ihr Geld. Mit den Tokens kommen die Investoren im besten Fall, wenn das Geschäftskonzept aufgeht, billiger an die neue Kryptowährung, oder kaufen günstiger auf dem neuen Marktplatz ein. Im schlechtesten Fall sind die Tokens wertlos, ist das investierte Geld weg. Immer öfter fälschen auch Betrüger Geschäftskonzepte, um an Investorengeld zu gelangen, das direkt in die eigene Tasche umgeleitet wird: eine als „Scam“ bekannte Masche.

Die wichtigsten Antworten zum Bitcoin

Was sind Bitcoins?

Bitcoins sind eine digitale Währung, deren Idee 2008 vorgestellt wurde. Die Bitcoins werden in komplizierten Rechenprozessen erzeugt, das kostet viel Zeit und Rechenleistung, wodurch eine Inflation verhindert werden soll. Auf Plattformen im Internet werden die Bitcoins gegen klassische Währungen gehandelt. Damit soll ein Geldsystem ermöglicht werden, das unabhängig von Staaten und Banken funktioniert sowie Transaktionen beschleunigt und Kosten minimiert.

Verbreitung

Pro Tag werden der Bundesbank zufolge auf der ganzen Welt 350.000 Transaktionen mit dem digitalen Tauschmittel getätigt, verglichen mit 77 Millionen Überweisungen, Lastschriften und Kartenzahlungen allein in Deutschland. Vor allem die Bitcoins haben sich über die USA hinaus zu beliebten Spekulationsobjekten mit starken Kursschwankungen entwickelt, außerdem zu einer Art Alternativwährung in Ländern mit Kapitalverkehrskontrollen. So ballt sich ein Großteil des Handels in China.

Vorteil 1

Durch Bitcoins sollen die Gebühren von Finanztransaktionen radikal absinken: Während man für eine Auslandsüberweisung über ein traditionelles Kreditinstitut schnell einen zweistelligen Euro-Betrag zahlt, ist die Gebühr für eine Bitcoin-Transaktion gering, liegt teilweise im Cent-Bereich. Zudem dauert die Transaktion meist nur Minuten, ganz egal wie groß die geografische Distanz zweier Konten zueinander ist.

Vorteil 2

Die Digitalwährung wird „peer-to-peer“ gehandelt, also direkt zwischen Nutzern ohne die Hilfe von Banken. Möglich macht dies die Nutzung der Blockchain-Technik: Innerhalb des Systems werden alle Transaktionen vielfach und dezentral (und damit dauerhaft nachvollziehbar) gespeichert. Dies könnte nicht nur Währungstransaktionen ohne Zwischeninstanz ermöglichen, sondern zum Beispiel auch Immobiliengeschäfte – die Rolle des Notars übernimmt dann das Blockchain-System. Ihr Konzept hat der bis heute unbekannte Bitcoin-Erfinder Satoshi Nakamoto in seinem berühmten „White Paper“, dem Gründungsdokument der Community, 2008 beschrieben. Bitcoins funktionieren außerdem „permissionless“, können also ohne Erlaubnis durch eine technische Aufsichtsbehörde benutzt werden. Die Internetwährung ist zudem „trustless“: Anleger müssen keiner externen Partei vertrauen, etwa auf die Autorität staatlicher Aufsichtsbehörden oder Zentralbanken, um Bitcoins nutzen zu können.

Nachteil 1

Hauptproblem für die Nutzer dürfte die starke Volatilität sein: Tatsächlich gab es seit 2014 mehrere markante Einbrüche. Im Januar war der Kurs noch unter die Marke von 800 Dollar gerutscht, auch im März hatte es einen größeren Rückschlag gegeben. Wie volatil der Kurs auf lange Sicht ist, zeigt ein Blick auf den Wertverlauf: Nach einem ersten Höchststand bei über 1.200 Dollar Ende 2013 ging es für Bitcoin-Besitzer vor allem bergab. Erst seit Ende 2015 steigt der Kurs tendenziell wieder, weist aber hohe Ausschläge nach oben und unten auf. Ein weiteres Problem: Bitcoins sehen sich harscher Kritik der Aufsichtsbehörden ausgesetzt. Kritiker monieren, dass die Digitalwährung wegen der schwer nachvollziehbaren Zahlungswege auch für kriminelle Zwecke verwendet werden kann. Die Bundesbank hatte unlängst Sparer vor Geldanlagen in der Digitalwährung gewarnt. Der Bitcoin sei „ein Spekulationsobjekt“, dessen Wert sich rapide verändere, sagte Bundesbank-Vorstandsmitglied Carl-Ludwig Thiele. „Aus unserer Sicht ist der Bitcoin kein geeignetes Medium, um Werte aufzubewahren.“

Nachteil 2

Absolute Sicherheit gibt es nicht, wie die Angreifbarkeit digitaler Währungen zeigt. So gab es in der Vergangenheit zahlreiche Hackerangriffe auf große Krypto-Tauschbörsen wie MtGox oder BitFinex, bei denen Nutzer Geld verloren haben. Und innerhalb der Bitcoin-Gemeinde schwelt ein Streit über die Herstellungsrechte. Auf unbedarfte Benutzer, auf die die eingeschworene Bitcoin-Gemeinschaft eher abschätzig herabblickt, lauert eine weitere Gefahr: Digitalwährungen, die sich zwar begrifflich an die Bitcoin-Währung anlehnen, hinter denen aber ein betrügerisches System steckt. Der bekannteste Fall ist der der sogenannten Onecoins. Onecoins waren nur über eine zentrale Plattform zu erwerben und auf zentralen Servern gespeichert, Nutzer somit voll dem Betreiber ausgeliefert – für die Bitcoin-Gemeinde, die sich in Online-Foren wie Reddit austauscht, klare Anzeichen für ein Betrugssystem. Inzwischen ermitteln die Behörden.

Die Börsenaufsicht will nun offenbar nicht weiter vom Rand aus zusehen. In ihrer Mitteilung stellt die SEC klar: „Virtuelle Münzen oder Tokens können Wertpapiere sein und den Bundes-Wertpapiergesetzen unterliegen. Die föderalen Wertpapiergesetze enthalten Offenlegungsanforderungen und andere wichtige Schutzmaßnahmen für Investoren.“ Die SEC weist auf den Straftatbestand des Investmentbetrugs hin. Neue Technologien könnten dafür eingesetzt werden, „um Investmentsysteme aufzubauen, die nicht mit den Bundes-Wertpapiergesetzen übereinstimmen könnten.“ Das stellt eine klare Warnung an die Anbieter von ICO-Finanzierungsrunden dar, dass sie in Zukunft mit einer Überprüfung durch die Aufsicht zu rechnen haben.

Zustimmung zu Code-Reform: Die Bitcoin-Spaltung ist abgewehrt – vorerst

Zustimmung zu Code-Reform

Die Bitcoin-Spaltung ist abgewehrt – vorerst

Die drohende Spaltung des Bitcoins ist vorerst aufgehalten. Die Gemeinschaft der Produzenten hat eine Reform des Programmcodes genehmigt. Die Nutzer atmen auf. Doch der Kampf um die Zukunft der Währung hat erst begonnen.

Die SEC hat erstmals einen Tokens-Verkauf auf Herzen und Nieren geprüft, denjenigen des Start-up „The DAO“. Das Ergebnis? Es habe sich um den Verkauf von Wertpapieren gehandelt. Gemäß den Regeln der SEC hätte das Angebot damit der Aufsicht angezeigt werden müssen, auch hätten Vorabinformationen für Investoren veröffentlicht werden müssen. Die SEC stellt klar, dass sie in diesem Fall keine Anklage erheben wird, mit der Veröffentlichung aber die Branche und die Marktteilnehmer sensibilisieren wolle. „Investoren brauchen die wesentlichen Fakten hinter jeder Investitionsmöglichkeit, so dass sie vollständig informierte Entscheidungen treffen können“, sagt SEC-Direktor William Hinman. Die Offenlegungsvorschriften betreffen damit künftig auch den Markt rund um die neue Blockchain-Technik.

„Die SEC untersucht die Auswirkungen von innovativen Technologien und ermutigt die Marktteilnehmer, auf uns zuzukommen“, stellt SEC-Chef Jay Clayton dar. „Wir bemühen uns, innovative und nützliche Wege zur Kapitalbeschaffung zu fördern und dabei in erster Linie zu gewährleisten, dass Investoren und unsere Märkte geschützt bleiben.“

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