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16.08.2013

14:25 Uhr

Rekordtief

Indien kann Absturz der Rupie nicht stoppen

Selbst drastische Maßnahmen helfen nicht mehr: Die indische Rupie taumelt weiter in den Abgrund. „Es sieht ein bisschen aus wie eine Panik”, befürchtet ein Analyst. Auch für diese Misere ist die Fed mitverantwortlich.

Gerade gegenüber dem Dollar verliert die indische Rupie drastisch an Wert. dpa

Gerade gegenüber dem Dollar verliert die indische Rupie drastisch an Wert.

MumbaiIndien kann auch mit Hilfe von drastischen Beschränkungen im Devisenhandel den Verfall der Rupie nicht stoppen. Die Landeswährung sank am Freitag auf ein Rekordtief. Ein Dollar verteuerte sich um bis zu ein Prozent auf 62 Rupien. An der Börse gerieten die Aktien unter Druck. Der Leitindex ging mit einem Minus von fast vier Prozent aus dem Handel. Der Kurs der Staatsanleihen fiel auf ein Drei-Monats-Tief. Auch mit den jüngsten Schritten gelang es der indischen Regierung nicht, die Investoren davon zu überzeugen, dass sie weiterhin in der Lage ist, ausländisches Geld anzuziehen, um das Leistungsbilanz-Defizit in den Griff zu bekommen.

Aufschluss in die Stimmung am Markt bietet der Volatilitätsindex, der Optionen abbildet und von einigen Investoren als Angst-Index gewertet wird. Er schnellte um 26,4 Prozent in die Höhe, das ist der größte Anstieg seit Mitte 2009. Experten bewerteten das Vorgehen der Regierung kritisch. „Es sieht ein bisschen aus wie eine Panik”, sagte Jonathan Schiessl, Fondsmanager bei Ashburton Investments. „Das belastet das Vertrauen der Investoren. Wenn sich nichts ändert, werden wir wahrscheinlich unsere Bestände an indischen Wertpapieren reduzieren.”

Die Regierung in Neu Delhi verbot am Mittwochabend unter anderem den Import von Goldmünzen und verpflichtete Goldkäufer, den Preis bereits vorab in bar zu bezahlen. Zuvor schon hatte die Notenbank die Zinsen für kurzfristige Kredite angehoben, indischen Auslandsinvestitionen wurde ein Riegel vorgeschoben. Die Regierung befürchtet, dass ein weiterer Verfall der Rupie das Außenhandelsdefizit weiter ausweitet - weil sich in diesem Fall Importe verteuern würden. Dies könnte die Investitionen bremsen und das ohnehin schon schwache Wachstum weiter lähmen.

Die indische Wirtschaft wächst derzeit mit fünf Prozent so wenig wie seit einem Jahrzehnt nicht. Das Loch in der Leistungsbilanz - die neben dem Außenhandel auch Kapitalflüsse und Dienstleistungen umfasst - misst inzwischen 4,8 Prozent der Wirtschaftsleistung und ist damit so groß wie nie. Seit Ende Mai haben ausländische Investoren unter dem Strich 11,6 Milliarden Dollar aus indischen Wertpapieren abgezogen. „Indien verliert die Kontrolle über die Rupie, und die Schwäche weitet sich auf die Aktienmärkte aus”, sagte UBS-Stratege Manik Narain. „Es könnte eine Spirale in Gang kommen, wenn die schwache Währung Aktieninvestoren aus dem Land treibt und daraufhin die Rupie weiter abwertet.”

Indien leidet wie andere Schwellenländer auch unter der Andeutung der US-Notenbank Fed, schon bald den Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik einzuläuten und weniger Staatsanleihen zu kaufen. Experten rechnen damit, dass die Notenbanker schon bei ihrem nächsten Zinsentscheid im September aktiv werden. Die extrem lockere Geldpolitik der Fed hatte in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass viel Geld in Schwellenländer floss - dieser Kapitalfluss kehrte sich inzwischen aber um.

Von

rtr

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