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23.05.2011

14:48 Uhr

Rekordtief zum Franken

"Der Euro wird ziemlich stark weggeputzt"

Die Finanznot Griechenlands wird immer bedrohlicher, in Spanien wächst der Volkszorn und S&P kritisiert Italien. Die Schuldenkrise spitzt sich wieder zu und internationale Investoren wenden sich vom Euro ab.

Der Euro verliert zunehmend an Glanz. Quelle: dpa

Der Euro verliert zunehmend an Glanz.

DüsseldorfDas geringe Vertrauen der Ratingagentur S&P in die Wirtschaftspolitik Italiens hat am Montag den Euro in die Knie gezwungen. Die Gemeinschaftswährung brach bis zum Mittag um beinahe zwei US-Cent bis auf 1,3970 Dollar ein und notierte damit so niedrig wie seit Mitte März dieses Jahres nicht mehr. "Der Euro wird ziemlich stark weggeputzt, und jetzt wieder Ruhe in die Märkte zu bringen, dürfte sehr schwierig werden", erklärte Devisenanalyst Eugen Keller vom Bankhaus Metzler in Frankfurt. An den Rentenmärkten flüchteten die Anleger in deutsche Bundesanleihen, was letztlich für die Regierungen in Rom, Madrid und Athen bedeutet, dass sie den Anlegern noch höhere Risikoaufschläge als bisher zahlen müssen.

Standard & Poor's (S&P) hatte am Wochenende den Ausblick für die Kreditwürdigkeit Italiens auf "negativ" von "stabil" gesenkt und dies unter anderem mit dem schwachen Wirtschaftswachstum begründet. Laut Börsianern ist S&P schon seit jeher Italien gegenüber sehr kritisch. Die Ratingagentur hatte vor kurzem allerdings auch den Ausblick für die Kreditwürdigkeit der USA gesenkt. Die Konkurrenz - Fitch und Moody's - zeigte sich unbeeindruckt und kündigte an, ihren Ausblick für Italien nicht zu senken. Italien ist nach Deutschland und Frankreich die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone und leidet schon seit langem unter einer schwacher Konjunkturentwicklung.

Der Euro hatte zuletzt vor allem vom Zinsvorteil gegenüber dem Dollar profitiert. Denn während die EZB im April die Zinswende einleitete, hält die US-Notenbank (Fed) unverdrossen an ihrer Nullzinspolitik fest. Dies hatte den Euro Anfang Mai noch bei fast 1,50 Dollar notieren lassen. Doch nachdem die EZB Spekulationen auf rasche weitere Zinserhöhungen enttäuscht hatte, rückte die Schuldenkrise in der Euro-Zone wieder in den Vordergrund. Am Montag setzte dem Euro so auch die Entscheidung von Fitch zu, die am Freitag die Kreditwürdigkeit Griechenlands um drei Stufen radikal gesenkt hatte. "Die Anleger sehen die ultimative Gefahr, dass die Eurozone auseinanderbricht", erklärte Unicredit-Analyst Kornelius Purps die harsche Reaktion der Märkte.

Vor allem am Rentenmarkt reagierten die Anleger nervös: So stiegen die Renditen der zehnjährigen italienischen Anleihen bis auf 4,9 Prozent von 4,8 Prozent am Freitag. Auch die Renditen für die zehnjährigen griechischen Anleihen - ohnehin schon astronomisch hoch - erreichten in der Spitze 17,4 Prozent nach 16,8 Prozent am Freitag. Für die Bundesregierung wird die Bedienung der Schulden dagegen immer günstiger: die Rendite der vergleichbaren Bundesanleihe - die in der Euro-Zone als richtungsweisend gilt - rutschte zeitweise auf nur noch gut drei Prozent von 3,06 Prozent am Freitag ab. Denn die Anleger wollten lieber auf Nummer Sicher gehen.

Dieses Verlangen nach Sicherheit spiegelte sich auch im Anstieg der Kosten für eine Kreditausfallversicherung (CDS) wider. So mussten Anleger nach Daten der Finanzagentur Markit 176.000 Euro berappen, wenn sie sich gegen den Ausfall italienischer Staatsanleihen im Volumen von zehn Mio. Euro über fünf Jahre absichern wollten. Das waren 15.000 Euro mehr als noch in der vergangenen Woche.

Auch die Kosten für die Versicherung gegen einen Ausfall griechischer und spanischer Kredite sprangen in die Höhe. Im Falle Spaniens fürchten die Anleger, dass die anhaltenden Demonstrationen den Sparwillen der Regierung dämpfen könnten. Zudem hatten die regierenden Sozialisten von Ministerpräsident Jose Luis Zapatero bei Regional- und Kommunalwahlen eine derbe Niederlage einstecken müssen.

Von

rtr

Kommentare (3)

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mono

23.05.2011, 09:19 Uhr

Ein schwacher Euro ist in erster Linie schlecht für die Amerikaner. Da kommt Bernanke´s
Gang mit dem inflationieren nicht mehr hinterher und der US Schuldenberg wird und wird nicht kleiner.
Wer für den Ausgang dieses Wettlauf´s ( Euro gegen US-Dollar) im destabilisieren der eigenen Währung nur schwarz sieht, müsste eigentlich schon als Optimist gelten.

heliben

23.05.2011, 10:39 Uhr

In nicht allzu ferner Zeit dürfte auch die deutsche Bonität mit einem negativen Ausblick bedacht werden. Übrigens kein Wunder bei impliziten Schulden von mehr als 7 Billionen € !!
Dann wirds ernst.

Account gelöscht!

23.05.2011, 10:45 Uhr

Es scheint, nun ist es soweit. Jahrelang haben sich die schwächeren Länder an der EU bereichert. Allerdings haben es die Banken der Geberländer auch andersherum versucht. Jetzt kommt das dicke Ende. Diese Profitgier beider Seiten hat schon einmal zu einer schweren Krise geführt. Es wird behauptet, der Mensch lerne aus seinen Fehlern. Scheint beim Geld nicht zu funktionieren. Schade.
Sehr schade ist auch, dass die Fehler der Großen unmittelbar Auswirkungen auf die Kleinen haben.

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