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18.04.2006

10:18 Uhr

Renaissance der Atomenergie

Energiedebatte treibt Uranpreis

VonUdo Rettberg

Die schrumpfenden Ölvorräte haben die Diskussion der Energieexperten in Richtung Atomenergie gelenkt. So rückte der lange Zeit im Abseits stehende und politisch geächtete Rohstoff Uran wieder ins helle Licht der Märkte.

FRANKFURT. Selten zuvor habe sich ein Meinungswandel so rasch vollzogen, sagt Hans-Jürgen Klisch, Geschäftsführer der Investmentbank Raymond James & Associates. Die Renaissance des Urans sei nicht überraschend, sagt er. Bei einem globalen Wachstum von über drei Prozent pro Jahr existiere in weiten Teilen der Welt faktisch ein Engpass bei der Stromproduktion. Fakt ist, dass 16 Prozent des Stroms aus Kernkraft erzeugt werden. Und Fakt ist auch, dass der Anteil fossiler Brennstoffe an der Stromproduktion kaum noch ausgeweitet werden kann. Denn eine Steigerung der dadurch hervorgerufenen Luftverschmutzung halten Wissenschaftlern für nicht tolerierbar.

Das Kyoto-Protokoll sieht eine Senkung des CO2-Ausstoßes vor, die unter anderem über Kernkraftwerke erreicht werden kann. „Alternative Energieträger können wegen ihrer Ineffizienz nur Nischen ausfüllen“, sagt Klisch. Weltweit neige sich die Waage immer stärker in Richtung Atomstrom. So haben die USA die Laufzeiten ihrer Kernkraftwerke um 20 Jahre verlängert. In China Indien, Brasilien und Japan wird der Bau neuer Kraftwerke erwogen.

All dies hat zu einem Boom am Uranmarkt geführt. Die Preise für Uran U3O8 sind seit Ende 2000 von sieben auf 40 Dollar je Pound (lb) in die Höhe geschossen. Auf absehbare Zeit dürfte der Preis hoch bleiben, sagt Georges Capus vom Energieberater Areva. Eric Zaunscherb von Raymond James Canada sieht den Preis im Jahr 2008 bei 55 Dollar/lb. Ein Grund: Die Uran-Nachfrage beträgt 172 Mill. Pfund pro Jahr. Die Minenproduktion liegt seit Jahren stabil bei 105 Mill Pfund. Das existierende Angebotsdefizit wird aus Lagerbeständen in Russland und den USA gedeckt.

Die Renaissance der Atomenergie und die dadurch ausgelöste starke Nachfrage nach Uran hat in der Minenbranche einen Boom ausgelöst. Immer mehr Minenunternehmen sind auf der Suche nach dem Rohstoff. Die Zahl der Uran-Explorationsgesellschaften ist in nur zwei Jahren um 300 gestiegen.

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