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11.10.2013

13:46 Uhr

Reservewährungen

Zentralbanker verlieren Vertrauen in den Euro

Die Landeswährungen Australiens und Kanadas sind die neuen Lieblinge der Zentralbanker. Trotz zuletzt herber Kursverluste stieg ihr Anteil als Reservewährungen deutlich an. Der Euro verlor dagegen deutlich an Vertrauen.

Der Dollar als Leitwährung verlor seit der Finanzkrise deutlich an Vertrauen unter den Zentralbankern. Auch der Anteil des Euro als Reservewährung ging deutlich zurück. dpa

Der Dollar als Leitwährung verlor seit der Finanzkrise deutlich an Vertrauen unter den Zentralbankern. Auch der Anteil des Euro als Reservewährung ging deutlich zurück.

FrankfurtDer Landeswährungen Australiens und Kanadas haben in diesem Jahr den größten Kursrutsch seit 2011 erlebt. Durch den günstigen Kurs witterten Zentralbanken zuletzt aber wieder gute Kaufgelegenheiten. Im zweiten Quartal kauften die Verwalter von Devisenreserven kanadische Dollar im Gegenwert von 16,8 Milliarden US- Dollar und australische Dollar für 13,5 Milliarden US-Dollar. Das geht aus Daten des Internationalen Währungsfonds IWF hervor.

Keine anderen Devisen fanden so viel Interesse, auch wenn der Kurs des „Loonie”, wie der kanadische Dollar auch genannt wird, in dem Zeitraum um 3,3 Prozent fiel. Der australische Dollar, der „Aussie” wertete in den drei Monaten sogar zwölf Prozent ab und verzeichnete damit die schlechteste Entwicklung unter den 31 wichtigsten Währungen, die von Bloomberg beobachtet werden.

Dollar, Euro, Pfund - die Weltwährungen im Vergleich

1999

Anteil an weltweiten Währungsreserven:

Dollar: 66,4 Prozent
Euro: 22 Prozent
Yen: 7,1 Prozent
Pfund: 2,7 Prozent
Sonstige*: 1,5 Prozent

*exklusive Schweizer Franken

Quelle: EZB, Juli 2013

2000

Dollar: 66,6 Prozent
Euro: 23,6 Prozent
Yen: 7,3 Prozent
Pfund: 2,7 Prozent
Sonstige: 1,4 Prozent

2001

Dollar: 63,5 Prozent
Euro: 25,5 Prozent
Yen: 6,8 Prozent
Pfund: 2,7 Prozent
Sonstige: 1,1 Prozent

2002

Dollar: 62,1 Prozent
Euro: 27,7 Prozent
Yen: 5,5 Prozent
Pfund: 2,6 Prozent
Sonstige: 1,4 Prozent

2003

Dollar: 64,7 Prozent
Euro: 25,8 Prozent
Yen: 4,8 Prozent
Pfund: 2,5 Prozent
Sonstige: 1,9 Prozent

2004

Dollar: 66,3 Prozent
Euro: 24,2 Prozent
Yen: 4,6 Prozent
Pfund: 2,8 Prozent
Sonstige: 1,9 Prozent

2005

Dollar: 64,3 Prozent
Euro: 25,9 Prozent
Yen: 3,2 Prozent
Pfund: 2,7 Prozent
Sonstige: 1,7 Prozent

2006

Dollar: 65,1 Prozent
Euro: 25 Prozent
Yen: 4,2 Prozent
Pfund: 3,6 Prozent
Sonstige: 1,8 Prozent

2007

Dollar: 65,9 Prozent
Euro: 24,2 Prozent
Yen: 3,9 Prozent
Pfund: 2,7 Prozent
Sonstige: 1,9 Prozent

2008

Dollar: 64,6 Prozent
Euro: 25,2 Prozent
Yen: 3,3 Prozent
Pfund: 4,5 Prozent
Sonstige: 2,2 Prozent

2009

Dollar: 63,4 Prozent
Euro: 25,9 Prozent
Yen: 3,2 Prozent
Pfund: 4,3 Prozent
Sonstige: 3,1 Prozent

2010

Dollar: 62,1 Prozent
Euro: 25,8 Prozent
Yen: 3,5 Prozent
Pfund: 4,1 Prozent
Sonstige: 4,5 Prozent

2011

Dollar: 62,2 Prozent
Euro: 25,1 Prozent
Yen: 3,2 Prozent
Pfund: 4 Prozent
Sonstige: 5,4 Prozent

2012

Dollar: 61,9 Prozent
Euro: 23,9 Prozent
Yen: 3,9 Prozent
Pfund: 4 Prozent
Sonstige: 6,1 Prozent

„Der Status des australischen und des kanadischen Dollars als Reservewährung ist sehr robust”, sagt Richard Grace, Chef- Währungsstratege bei der Commonwealth Bank of Australia, in einem Telefonat mit Bloomberg News. „Beide Volkswirtschaften haben eine stabile Bonitätsnote, und im Zuge der sich weiter verbessernden Liquidität werden die Manager von Devisenreserven wahrscheinlich einen höheren Anteil ihrer Reserven in diese beiden Währungen leiten.”

Und die Attraktivität von Loonie und Aussie könnte noch zunehmen, da der Stillstand des größten Teils der US-Verwaltung und der Streit im Kongress über die Anhebung der Schuldenobergrenze noch mehr Zentralbanken ermutigen dürfte, ihre Devisenreserven vom US-Dollar weg zu diversifizieren.

Kanada und Australien bieten den Vorteil der größten Märkte für Staatsanleihen unter den acht Staaten mit der erstklassigen Bonitätsnote „AAA” und stabilem Ausblick von allen drei großen Ratingagenturen, wie Daten von Bloomberg zeigen.

Der IWF weist die Bestände der Zentralbanken an kanadischen und australischen Dollars erst seit dem vierten Quartal 2012 separat aus. Und der Anteil der beiden Währungen an den weltweiten Devisenreserven ist seither in jedem Quartal gestiegen. Zuvor waren Loonie und Aussie in der Kategorie „andere Währungen” beim IWF verzeichnet. Der IWF beobachtet die Allokation von rund sechs Billionen Dollar der insgesamt elf Billionen Dollar an Devisenreserven der Zentralbanken, sagt aber nicht, welches Land seine Zahlen vorlegt.

Kommentare (8)

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OccupyGermany

11.10.2013, 14:12 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Account gelöscht!

11.10.2013, 14:26 Uhr

Ein folgerichtiges Handeln der Zentralbanker angesichts dessen, dass die Volatilität der Eurozone 2014 eher noch deutlich zunehmen als abnehmen dürfte.
Die sozialen Entwicklungen sprechen eine klare Sprache, wenn man die zunehmende Verarmung breiter Schichten v.a. in den Süd- und Südostländern ansieht.
Andererseits aber auch festzustellen gilt, dass die Bereitschaft zur Hilfe und Solidarität in den "reichen" Mitgliedsstaaten in Form weitergehender und nicht enden wollender Zahlungen schwindet, weil die Gefahr zunimmt, dass die Sozialsysteme gesprengt werden und Kommunen und Gemeinden über kurz oder lang zahlungsunfähig werden könnten.
Es ist eine Frage der Zeit, wenn sich hier, in einzelnen Mitgliedsländern mehr oder weniger brachial, ein Ventil des Gegensteuerns öffnet. Die kommende Europawahl könnte ein Anzeichen dieser Ventilfunktionen liefern. Das Ergebnis bleibt spannend. Aber ein weiter so, wie bisher, dürfte sich Schritt für Schritt dem Ende nähern.

Account gelöscht!

11.10.2013, 14:42 Uhr

Es gibt eine Kultur, deren Menschen Jahrhunderte lang keinen Zugang zu den Zünften hatten und die sich deswegen u.a. auf's Finanzwesen spezialisieren mussten, welche sich schon in der jungen Jahren mit den juristischen Spitzfindigkeiten der Thora auseinandersetzen und das schnelle Denken üben und welche unter widrigsten Bedingungen Musik, Witz und Kreativität entwickeln mussten, um überhaupt überleben zu können. Mich wundert nicht, dass dieses Volk die grösste Dichte an Nobelpreisträgern hat und in herausragenden Positionen besonders häufig vertreten ist.

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