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04.01.2012

16:04 Uhr

Rette sich, wer kann!

Griechen und Italiener bunkern ihre Euros

In Griechenland und Italien geht die Angst um. Sparer bringen daher ihr Geld fluchtartig in Sicherheit - doch nicht etwa bei der Bank. Stattdessen stehen Schließfächer, Tresore oder auch deutsche Immobilien hoch im Kurs.

Ein Safe auf einem Transportgerät: Griechen und Italiener bringen ihre Euros in Sicherheit. ap

Ein Safe auf einem Transportgerät: Griechen und Italiener bringen ihre Euros in Sicherheit.

Athen/MailandRette sich, wer kann. Das ist die Devise für immer mehr Sparer in Griechenland und Italien. Die täglichen Meldungen zur Schuldenkrise und vermeintlich wankenden Geldhäusern machen ihnen inzwischen so viel Angst, dass sie ihre Euro nehmen und in Sicherheit bringen. Sparkonten bei der Hausbank, selbst wenn es ein ausländisches Institut ist, gehören nicht mehr dazu. Gefragt sind stattdessen mietbare Schließfächer oder Tresore für zu Hause - dort wird das Geld geparkt, bis es ins Ausland wandert. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. „Ein Kunde hat mir sogar erzählt, dass er sich seinen eigenen Safe unter dem Pool baut“, berichtet ein Banker in Athen.

Am größten ist die Angst in Griechenland, das mit dem Rücken zur Wand steht. Das Land hofft auf internationale Finanzhilfen von 130 Milliarden Euro, um eine Pleite abzuwenden. Ohne die neuen Spritzen drohe das Aus für die Euro-Mitgliedschaft, räumte die Regierung in dieser Woche ein.

Fällt das Land, dann fallen auch die heimischen Banken. Diese Erkenntnis ist nicht nur bei den Millionären gereift, sondern inzwischen auch beim Mittelstand und den Kleinsparern mit ihren Not-Groschen. Die Kundeneinlagen sind auf ein Fünf-Jahres-Tief gefallen, was die Refinanzierungsnot gerade der lokalen Banken noch verschärfen könnte. Manche Institute buhlen deshalb schon mit sieben Prozent Zinsen um die Gunst der Kunden - vergeblich.

Gefragt sind ausländische Währungen, etwa der Schweizer Franken, australische Dollar oder norwegische Kronen, und natürlich Gold. Dies alles wandert zusammen mit den verbliebenen Euros vielerorts in die Safes. „Die Zahl der vermieteten Schließfächer ist heute fünf Mal so hoch wie vor einem Jahr“, erzählt ein Banker hinter vorgehaltener Hand.

Auch bei den Italienern sinkt die Hoffnung, dass das hochverschuldete Land bald wieder auf die Beine kommt. Die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone muss in diesem Jahr 450 Milliarden Euro am Kapitalmarkt aufnehmen, um sich zu refinanzieren. Eine Herkulesaufgabe, darin sind sich Finanzexperten und Politiker einig. Investoren hatten dem Land zuletzt immer höhere Zinsen abverlangt, weil sie den Reformversprechen der Regierung noch keinen Glauben schenken.

Kommentare (8)

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Smokie2011

04.01.2012, 20:20 Uhr

Das sind kluge Leute. Wer will schon sein sauerverdientes Geld verlieren?

Bruno

04.01.2012, 20:54 Uhr

Leider sind die Griechen offensichtlich nicht in der Lage eine funktionierende korruptionsfreie Administration aufzubauen. Hier müßte erst einmal "Entwicklungshilfe" geleistet werden!!

Killefitz

04.01.2012, 22:39 Uhr

Das ist ein Bank-Run in Zeitlupe, der hier beschrieben wird. Bin gespannt, wann der in Deutschland einsetzt. Aber der Michel ist ziemlich bräsig und zugeknallt von der Europropaganda - die Italiener können die Zeichen an der Wand deuten. Die deutschen Euromantiker glauben noch an den Euro, wenn schon anders im Umlauf ist. Dann werden die Deutschen eben auch am meisten verlieren. Ist doch schön, wenn ihnen das insbesondere von rot-grün dereinst erklärt wird.

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