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04.05.2011

14:30 Uhr

Rettungsprogramm

Portugal kann Gold nur schwer zu Geld machen

Das hochverschuldete Land ist arm am Cash und reich an Gold: Im Keller der Zentralbank lagern gut 382 Tonnen des Edelmetalls, auf das die Regierung jetzt schielt. Doch das Gold lässt sich nur schwer zu Geld machen.

Gut 382 Tonnen Gold lagern in Portugals Notenbank. Quelle: dpa

Gut 382 Tonnen Gold lagern in Portugals Notenbank.

LissabonRichtig ist, dass das klamme Portugal auf einem großen Goldschatz sitzt - gemessen an seiner Bevölkerungszahl und seiner Wirtschaftsleistung. Auf den ersten Blick verständlich scheint, dass Rufe nach einem Verkauf der gut 382 Tonnen Gold der Notenbank des Landes laut werden, nachdem Portugal nach Griechenland und Irland nun als drittes Land der Euro-Zone unter den Rettungsschirm von EU und IWF schlüpft.

Doch so einfach wie es vielleicht aussehen mag, ist es für die Regierung in Lissabon nicht, den Goldschatz der Portugiesen zu versilbern, um wenigstens einen Teil der immensen Staatsschuld damit abzutragen.

Portugals Notenbankgouverneur Carlos Costa hat bislang keine Bereitschaft erkennen lassen, der Regierung mit einem teilweisen oder gänzlichen Verkauf der Goldreserven auszuhelfen. Ohne sein Plazet wäre dies nicht möglich, denn wie in Deutschland ist auch im westlichsten Land des europäischen Kontinents ausschließlich die Zentralbank für die Verwaltung des Goldschatzes zuständig - das Finanzministerium hat ihr nichts zu sagen. Dass Regierungen immer dann, wenn die Staatsschuld auszuufern droht, nach dem Gold der Notenbanken schielen, ist nichts Neues: Wiederholt hat sich etwa die Deutsche Bundesbank in ihrer Geschichte gegen solche Begehrlichkeiten zur Wehr gesetzt - stets mit Erfolg.

Selbst wenn sich die Zentralbank entschließen sollte, unter den Bedingungen des derzeit geltenden dritten Goldabkommens einen Teil der nationalen Goldreserven zu verkaufen, würde das Finanzministerium davon wohl zunächst nichts sehen. Nach den Vorschriften des portugiesischen Notenbankgesetzes müssten die Erlöse aus solchen Verkäufen nämlich auf einem speziellen Reservekonto eingezahlt werden und könnten nicht einfach in den Haushalt oder den Schuldendienst fließen. Nach aktuellem Marktwert wäre das Gold Portugals zwischen elf und zwölf Milliarden Euro wert - damit wäre etwas mehr als ein Achtel der Höhe des Hilfspakts abgedeckt. Allerdings dürfte es kaum möglich sein, mehr als 380 Tonnen Gold am Weltmarkt zu verkaufen, ohne den Preis kräftig zu drücken. Der von der Zentralbank erzielbare Erlös wäre also wohl deutlich niedriger.

Machbar wären die Verkäufe freilich, denn das Goldabkommen der Notenbanken erlaubt bis 2014 maximale Verkäufe von 400 Tonnen des gelben Edelmetalls pro Jahr. Portugal gehört laut Internationalem Währungsfonds (IWF) und anderen Organisationen zu den 15 größten Goldbesitzern der Welt.

Das kleine Land hat den Großteil seines Goldschatzes in den Jahren der Diktatur Antonio de Oliveira Salazars (1932-1968) aufgebaut. Der ließ sich unter anderem auch von Nazi-Deutschland Rohstoffexporte für die Rüstungswirtschaft in Gold bezahlen.

Von

rtr

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