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08.03.2013

12:03 Uhr

Riesige Devisenreserven

China könnte alle Goldbestände aufkaufen

Chinas Devisenberg ist seit 2004 um mehr als 700 Prozent angewachsen. Sie würden ausreichen, um die Goldbestände aller Zentralbanken der Welt zu kaufen – zwei Mal. Was dahinter steckt.

Euro, Dollar, Yuan: China bunkert Billionen an Fremdwährungsreserven. dpa

Euro, Dollar, Yuan: China bunkert Billionen an Fremdwährungsreserven.

Die chinesischen Devisenreserven sind seit 2004 um mehr als 700 Prozent angestiegen. Sie würden ausreichen, um die Goldbestände aller Zentralbanken der Welt zwei Mal zu kaufen.

Chinas Fremdwährungsreserven haben im Januar 2004 den Wert aller offiziellen Goldreserven übertroffen und sind Ende 2012 auf 3,3 Billionen Dollar angestiegen. Der Goldpreis hat zwischen 2004 und dem 28. Februar 2013 263 Prozent zugelegt, wobei sich das registrierte Volumen laut Daten des Internationalen Währungsfonds (IWF) und des World Gold Council wenig veränderte. Im Vergleich dazu wuchsen die chinesischen Devisenreserven bis 2012 um 721 Prozent an; die von Brasilien, Russland und Indien zusammengenommen stiegen um rund 400 Prozent auf 1,1 Billionen Dollar.

Wie Anleger in den Devisenmarkt investieren können

Zertifikate

Über Zertifikate können Kleinanleger auf die Entwicklung ganz verschiedener Währungspaare wetten. Besonders beliebt ist das Verhältnis Euro zu Dollar. Je nach Art des Zertifikats steigt das Risiko. Während es bei Zinszertifikaten vergleichsweise begrenzt ist, spielen die Anleger mit verschiedenen Hebelprodukten wie den sogenannten Knock-Outs alles oder nichts. Sollte der Basiswert, also der Devisenkurs, während der Laufzeit die festgelegte Knock-Out-Schwelle durchbrechen, ist die Wette verloren. Geht der Plan auf, winkt wegen der Hebelwirkung des Zertifikats der große Gewinn.

Optionen

Optionen ermöglichen mit geringem Einsatz hohe Gewinne - bei gleichzeitig hohem Risiko. Wer eine Option kauft, geht ein Termingeschäft ein. Der Käufer erwirbt das Recht, eine Währung zu einem festen Kurs und innerhalb einer festgelegten Frist einzutauschen. Der Reiz daran ist, dass er für die Option nur einen Bruchteil des eigentlichen Wertes bezahlen muss, gewissermaßen als Pfand. Durch den kleinen Einsatz ist eine extreme Hebelwirkung möglich. Optionsgeschäfte sind im Devisenhandel weit verbreitet. Im Internet bieten Broker diese Wetten auch für Privatanleger an. Die Angebote unterscheiden sich deutlich bei Gebühren, dem maximal möglichen Hebel oder der Differenz zwischen An- und Verkaufskursen. Unerfahrene Anleger sollten lieber die Finger davon lassen.

Direkthandel

Den direkten Zugang zur großen, weiten Welt der Währungen bieten Online-Plattformen wie Alpari oder Forex Capital Markets (FXCM). Nach vorsichtigen Schätzungen liegt die Zahl der Nutzer in Deutschland zwischen 50.000 und 70.000. Der Handel funktioniert in erster Linie über Hebelprodukte, mit denen man schon auf winzige Änderungen bei der vierten oder fünften Nachkommastelle wetten kann. Die Zugangsschwelle für Privatanleger ist niedrig, weil die Transaktionskosten sehr gering sind. Wer 10.000 Dollar kauft, zahlt bei manchen Brokern gerade mal zwei Dollar Gebühr.

Währungskonten

Einige Banken bieten ihren Kunden sogenannte Währungsanlagekonten an. Das Prinzip ist einfach. Der Anleger verschiebt eine Summe X auf sein Währungskonto - ähnlich wie bei einem Tagesgeldkonto, nur in einer anderen Währung. Wechselt er sein Geld etwa in Franken, bleibt es geschützt, falls der Euro gegenüber der Schweizer Währung fallen sollte. Neben der möglichen Aussicht auf Wechselkursgewinne lockt bei manchen Angeboten zusätzlich ein fester Zins.

Devisenfonds

Erst seit 2004 dürfen Fondsgesellschaften Währungsgeschäfte nicht nur zur Kurssicherung, sondern auch als eigenes Anlageprodukt anbieten. Bei den Fonds unterscheidet man aktive und passive. Aktiv heißt, dass ein Manager den Devisenfonds verwaltet. Er investiert in Geldmarktpapiere - das sind kurz laufende Anleihen - unterschiedlicher Währungen oder schließt Devisentermingeschäfte ab. Die passive Variante funktioniert über börsengehandelte Indexfonds, sogenannte Exchange Traded Funds (ETF). Hier profitiert der Anleger von der Entwicklung eines bestimmten Währungskorbs. ETFs kosten weniger Gebühren, können aber nicht auf überraschende Veränderungen reagieren. Auf dem deutschen Markt stehen rund 60 Devisenfonds zur Auswahl.

Aktien/Anleihen

Um indirekt von Währungseffekten zu profitieren, können Anleger auch Aktien oder Anleihen aus anderen Ländern kaufen. Neben möglichen Kursgewinnen winken Wechselkursgewinne, vorausgesetzt natürlich der Euro verliert zur jeweiligen Fremdwährung weiter an Wert.

Dollar, die ins Land kommen, werden an Banken verkauft, die sie wiederum an die Zentralbank verkaufen und so deren Reserven erhöhen. Dieser Prozess wurde vom Außenhandel befeuert; 2009 überholte China Deutschland als weltgrößter Exporteur. Die Höhe der Reserven bedeutet, dass die Regierung am offenen Markt keine größeren Anpassungen ihrer Bestände vornehmen kann, so Joy Yang, Chefvolkswirtin für China bei Mirae Asset in Hongkong.

Etwa zwei Drittel der chinesischen Reserven lauten auf Dollar, ein Viertel auf Euro, sagt Yao Wei, Ökonomin bei Société Générale in Hongkong. In einer „Devisen im Volk verstecken“ genannten Strategie ermutige China mittlerweile Unternehmen und Bürger, mehr Auslandswährung zu halten. Dadurch könnten die Devisenreserven der Regierung „allmählich sinken“, so Yang.

Die chinesischen Devisenreserven beliefen sich Ende letzten Jahres laut Bloomberg-Daten auf 30,2 Prozent der weltweiten Bestände, verglichen mit 14 Prozent Anfang 2004. Sie waren drei Mal so hoch wie die Reserven Japans, die die zweitgrößten sind. Japan hielt Anfang 2004 rund 23 Prozent der weltweiten Bestände.

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Kommentare (5)

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Heidi

08.03.2013, 13:09 Uhr

China könnte auch die gesamte Gummibärchenproduktion auf Jahrzehnte hinaus aufkaufen... Das ist für mich Grund genug um zu erklären daß ein einziges Gummibärchen längst mit mindestens einem Euro bewertet sein müßte.

Heidi

08.03.2013, 15:14 Uhr

Wo bleibt hier eigentlich der gesunde Menschenverstand? Selbst wenn China seine ganzen Devisenreserven in den Goldmarkt mit dem Ziel diesen leerzukaufen werfen würde - würde China zwar problemlos seine Devisenbestände auflösen können - hätte aber noch lange nicht einmal annähernd alles auf dem Markt verfügbare Gold!

Letzteres ist auch der simple Grund warum es keine endlose Goldrally geben kann. Irgendwo ist nämlich immer der Punkt an dem man als Anleger oder Konsument eine attraktivere Alternative wählt.

investival

08.03.2013, 15:15 Uhr

@Heidi:
Sie haben außeracht gelassen, dass die Menge an Gummibärchen beliebig expandierbar ist, was bei "Ihrem" Preis Fakt wäre.
;-)

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