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30.05.2011

17:33 Uhr

Risiko-Radar

An den Rohstoffmärkten wächst die Gefahr

VonRalf Drescher

An den Rohstoffmärkten wachsen die Gefahren für Anleger. Die Risikokennziffern für Silber gehen nach oben. Dagegen normalisieren sich die Werte für Aktien.

Der Preis für Gold ist zwar leicht gefallen - Gold zählt allerdings immer noch zu den risikoärmeren Rohstoffen. Quelle: dpa

Der Preis für Gold ist zwar leicht gefallen - Gold zählt allerdings immer noch zu den risikoärmeren Rohstoffen.

DüsseldorfMonatelang waren Rohstoffe für Anleger eine nahezu sichere Wette. Die Kurse von Gold, vor allem aber Silber und Öl stiegen kontinuierlich und bescherten Investoren Traumrenditen. Doch das Bild hat sich eingetrübt: Ende April stürzte plötzlich der Silberpreis ab. Von einem Allzeithoch bei knapp 50 Euro ging es binnen weniger Tage um ein Drittel abwärts. Wenig später erfasste der Abwärtstrend auch andere Rohstoffe wie Öl und - in geringerem Ausmaß - auch Gold.

Inzwischen haben sich die Rohstoffmärkte wieder beruhigt. Doch das Risiko für Anleger hat stark zugenommen. Das zeigt das "Risiko-Radar", das das Handelsblatt und die Ratingfirma EDG einmal monatlich veröffentlicht. Unter den 50 Aktien, Indizes und Rohstoffen, die die EDG untersucht, ist das Risiko bei Silber im vergangenen Monat am stärksten gestiegen. Die Risikokennziffer "Value at Risk", auf der die Analyse basiert, sprang auf 1 455 Euro. Ende April lag sie noch zehn Prozent niedriger.

Meilensteine für Silber: Seit 1973

1973

Die Gebrüder Hunt beginnen, groß ins Silbergeschäft einzusteigen.

18. Januar 1980

In Reaktion auf die sowjetische Invasion in Afghanistan steigt der Silberpreis auf ein Rekordhoch von knapp unter 50 Dollar je Feinunze. Bis zum Jahresende ist er wieder auf rund 15 Dollar gefallen.

1988

Die Gebrüder Hunt - Söhne des texanischen Öl-Tycoons Haroldson Lafayette Hunt Jr. - werden wegen versuchter Manipulation des Silbermarktes verurteilt. Sie müssen an ein peruanisches Mineralunternehmen 134 Millionen Dollar Schadenersatz zahlen. Die Brüder erklären ihren Bankrott.

1997 und 1998

Warren Buffett kauft rund 130 Millionen Feinunzen Silber.

2010

Der Silberpreis steigt um mehr als 80 Prozent und entwickelt sich damit deutlich besser als Gold, was 30 Prozent an Wert gewinnt.

2011

Die Rally setzt sich ungebremst fort. In den ersten vier Monaten steigt der Silberpreis um 55 Prozent und erreicht ein neues Rekordhoch bei 49,75 Dollar je Feinunze.

April 2011

Doch Ende April kommt die plötzliche Wende: Unmittelbar nachdem der Silberpreis den Rekordpreis geknackt hat und über 50 Dollar gestiegen ist, setzt eine scharfe Korrektur ein. Binnen einer Woche stürzt die Notierung um ein Drittel auf 33 Dollar ab. Vielen Anlegern ist die Rally offenbar zu heiß geworden, zudem verschärfen zahlreiche Börsen die Sicherheitsanforderungen für den Handel mit Silber-Kontrakten. Das schreckt Investoren zusätzlich ab.

Juni 2012

Der Silberpreis erreicht Ende Juni mit 26,16 Dollar den tiefsten Stand seit Jahren. Auf diesem Niveau stabilisiert sich der Preis, eine nachhaltige Erholung ist allerdings nicht in Sicht.

31.Dezember 2012

Der Silberpreis notiert am Ende des Jahres 2012 bei 29,10 Dollar. Auf Jahressicht legt Silber um knapp 9,0 Prozent zu. Gold schafft dagegen nur ein Plus von 6,6 Prozent.

Juli 2013

Der Silberpreis fällt bis Ende Juli 2013 um mehr als 35 Prozent auf 19 Dollar. Die massive Geldschwemme der weltweiten Notenbanken treibt die Anleger raus aus den als „sicher" geltenden Edelmetallen.

20. Dezember 2013

Der Silberpreis ist seit August von 24 Dollar auf gut 19 Dollar gefallen. Damit hat er fast wieder die Jahrestiefs erreicht.

Das Konzept des Value at Risk wird in der Finanzwelt flächendeckend verwendet. Die Kennziffer gibt den maximal kalkulierten Verlust einer Anlage in einem bestimmten Zeitraum an. In der EDG-Analyse bedeutet ein Value at Risk von 1 000 Euro, dass Anleger bei einer Investition von 10 000 Euro mit einer Wahrscheinlichkeit von 99 Prozent in den nächsten zehn Tagen höchstens 1 000 Euro verlieren werden.
Auf Basis des Value at Risk werden die verschiedenen Anlagen in Risikoklassen von eins für "sicherheitsorientiert" bis fünf für "spekulativ" eingestuft. In letztere Klasse fallen schwankungsanfällige Nebenwerte; der Dax liegt in der mittleren Klasse drei.

Als risikoärmer gelten Anlagen in Gold. Mit einem Wert von 707 Euro fällt Gold trotz des jüngsten Rückschlags in die Risikoklasse 2. "Gold wird von Investoren vielfach nicht als klassischer Rohstoff, sondern als Währungsersatz genutzt", erklärt Eugen Weinberg, Leiter der Rohstoff-Analyse der Commerzbank. "Wie bei Währungen ist die Volatilität von Gold niedriger, daher sind auch die Risiken geringer." Hinzu kommt, dass die Preise von Silber und Öl vor dem Einbruch viel stärker gestiegen waren als der Goldpreis: "Wenn sich ein Kurs in zweieinhalb Jahren versechsfacht wie bei Silber, ist ein Einbruch keine Überraschung", sagt Weinberg.

Anders als bei den Rohstoffen sind die Gefahren am Aktienmarkt gesunken. "Nach dem kurzfristigen starken Kursverlust infolge des Erdbebens in Japan haben sich die Aktienrisiken erholt, der Trend zur Annäherung an die langfristigen Durchschnittswerte setzt sich fort", sagt Björn Döhrer von der EDG. Die meisten Dax-Werte liegen inzwischen wieder in der Risikoklasse drei oder vier. Lediglich Heidelberg-Cement und Infineon gelten nach wie vor als spekulative Anlagen. Bei Infineon hellt sich das Bild aber auf. Im April verringerte sich der Value at Risk um zehn Prozent - das war der stärkste Rückgang aller untersuchten Anlagen.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

30.05.2011, 19:36 Uhr

Das sind ja ein unglaubliche Erkenntnisse des "Radars". Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei.

kalter-Kaffee

30.05.2011, 22:09 Uhr

Ein bescheuerter und überflüssiger Artikel....
Vielleicht interessant für Intellektuelle oder Tiefschläfer.....

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