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02.01.2012

16:50 Uhr

Riskante Strategie

Türkische Notenbank will Lira weiter stärken

Die türkische Notenbank versucht, mit massiven Verkäufen die schwächelnde Lira zu stabilisieren. Die Bevölkerung leidet unter der anhaltenden Flaute ihrer Währung. Doch die Strategie der Notenbank birgt Risiken.

Türken vor Wechselkurs-Tafel: Echten Grund zur Freude (wie hier im Jahr 2001) gab es lange nicht mehr. ap

Türken vor Wechselkurs-Tafel: Echten Grund zur Freude (wie hier im Jahr 2001) gab es lange nicht mehr.

IstanbulDie türkische Notenbank hat zu Beginn des neuen Jahres ihre Interventionen zur Stärkung der Lira fortgesetzt. Händler in Istanbul und Frankfurt berichteten, die Zentralbank habe gut 300 Millionen Dollar aus ihren Beständen verkauft. Am letzten Handelstag 2011 waren es zwei Milliarden Dollar gewesen. Am Montag gelang es den Währungshütern, die Lira bis auf 1,8760 Dollar zu treiben, bevor sie auf 1,8850 Dollar wieder etwas abbröckelte. Vor dem Jahreswechsel hatten die aggressiveren Schritte die Währung kurzzeitig sogar bis auf 1,86 Dollar gestärkt.

Die Lira hat gegenüber der US-Devise im vergangenen Jahr fast ein Fünftel ihres Wertes eingebüßt und war vergangenen Mittwoch auf ein Rekordtief von 1,9215 Lira pro Dollar gefallen. Grund für die rasante Talfahrt sind vor allem Sorgen internationaler Investoren über die unorthodoxe Geldpolitik der Notenbank, die das Minus in der Leistungsbilanz reduzieren soll. Die Strategie besteht aus einer selbst für viele Experten kaum nachvollziehbaren Kombination aus einem für türkische Verhältnisse niedrigem Leitzins, sehr hohen Reserveanforderungen an die Banken und einer großen Zinsspanne zwischen Ausleihe und Einlage das Minus.

Aus Sicht von Zentralbankchef Erdem Basci ist das hohe Kreditwachstum hauptverantwortlich für das Defizit in der Leistungsbilanz und er bekämpft es mit Reserveanforderungen, die im kurzlaufenden Bereich bis zu einem Monat aktuell über zehn Prozent liegen. Zum Vergleich: Die Europäische Zentralbank (EZB) verlangt derzeit, dass die Banken bei ihr ein Prozent ihrer Einlagen vorhalten. Zugleich hält Basci den Leitzins bei 5,75 Prozent, um das Wachstum nicht abzuwürgen. Er geht zudem davon aus, dass ein höherer Leitzins keinen dämpfenden Effekt auf die Kreditvergabe der Banken hätte.

Kommentare (2)

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Hans

02.01.2012, 21:57 Uhr

Erdowahns Busenfreunde sollen ja stark im Baugeschäft tätig sein. In der Türkei gibt es zumindest einen starken Immoboom, vielleicht auch mehr. Dort soll es Immokreditsteigerungen von über 30% in letzter Zeit gegeben haben. Da dürften etliche Immoprojekte im Bau oder in der Vermarktungsphase stecken. Eine Zinserhöhung ist für den Immomarkt, und damit für Erdowahns Freunde Gift. Die Kosten steigen, und der Verkauf wird dadurch erschwert.

Lupa

03.01.2012, 11:28 Uhr

Es ist wirklich genau so und ist nicht anders als eine
Immoblase!

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