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12.05.2011

13:44 Uhr

Rohstoff-Kurse purzeln

Silberpreis rauscht in Richtung 30-Dollar-Marke

VonRalf Drescher, Reuters

Der Absturz des Silberpreises nimmt kein Ende. Binnen eines Tages verbilligte sich das Edelmetall um sieben Dollar. Seit Ende April ist der Preis um ein Drittel eingebrochen. Auch andere Rohstoffe rutschen weiter ab.

Silber kostet ein Drittel weniger als noch vor drei Wochen. Quelle: Reuters

Silber kostet ein Drittel weniger als noch vor drei Wochen.

DüsseldorfAm Rohstoffmarkt dominiert auch eine Woche nach dem stärksten Kurssturz seit 2008 die Unsicherheit. Nachdem es zu Wochenbeginn leichte Erholungstendenzen gab, hat sich der Verkaufsdruck seit Mittwoch wieder deutlich verschärft. Ein Mix aus Inflations- und Zinssorgen, Spekulationen auf eine Abkühlung der Weltwirtschaft und einem deutlich anziehenden US-Dollar drücken die Kurse der meisten Rohstoffe.

Besonders heftig fallen die Verluste erneut bei Silber aus. Der Preis für das Edelmetall fiel am Donnerstag um rund acht Prozent auf 32,40 Dollar je Feinunze. Im Vergleich zum Höchststand bei knapp 50 Dollar Ende April hat sich Silber damit um rund ein Drittel verbilligt. Auch der 24-Stunden-Verlust fällt dramatisch aus. Am Mittwoch war der Preis für die Feinunze zeitweise noch bis auf knapp 39,50 Dollar geklettert.

Neben den allgemeinen Belastungsfaktoren und Verkäufen von Investoren, die nach dem rasanten Preisanstieg bei Silber angesichts der neuen Unsicherheit Gewinne sichern, drückt auch ein schärferes Vorgehen der Rohstoffbörsen gegen Spekulation auf den Silberpreis. Nachdem in den vergangenen Wochen bereits die US-Rohstoffbörse Comex mehrfach die Sicherheitsleistungen für den Handel mit Silber-Kontrakten angehoben hatte, will nun auch die Shanghai Gold Exchange die Spekulation eindämmen. Dies verschrecke diejenigen Investoren, die auf weitere Kursgewinne setzten, schrieben die Experten der UBS in einem Kommentar. Die Shanghaier Edelmetallbörse verlangt den Angaben zufolge ab Freitag beim Kauf eines Silber-Futures eine Sicherheitsleistung in Höhe von 19 statt 18 Prozent des Kontraktwertes.

Meilensteine für Silber: Seit 1973

1973

Die Gebrüder Hunt beginnen, groß ins Silbergeschäft einzusteigen.

18. Januar 1980

In Reaktion auf die sowjetische Invasion in Afghanistan steigt der Silberpreis auf ein Rekordhoch von knapp unter 50 Dollar je Feinunze. Bis zum Jahresende ist er wieder auf rund 15 Dollar gefallen.

1988

Die Gebrüder Hunt - Söhne des texanischen Öl-Tycoons Haroldson Lafayette Hunt Jr. - werden wegen versuchter Manipulation des Silbermarktes verurteilt. Sie müssen an ein peruanisches Mineralunternehmen 134 Millionen Dollar Schadenersatz zahlen. Die Brüder erklären ihren Bankrott.

1997 und 1998

Warren Buffett kauft rund 130 Millionen Feinunzen Silber.

2010

Der Silberpreis steigt um mehr als 80 Prozent und entwickelt sich damit deutlich besser als Gold, was 30 Prozent an Wert gewinnt.

2011

Die Rally setzt sich ungebremst fort. In den ersten vier Monaten steigt der Silberpreis um 55 Prozent und erreicht ein neues Rekordhoch bei 49,75 Dollar je Feinunze.

April 2011

Doch Ende April kommt die plötzliche Wende: Unmittelbar nachdem der Silberpreis den Rekordpreis geknackt hat und über 50 Dollar gestiegen ist, setzt eine scharfe Korrektur ein. Binnen einer Woche stürzt die Notierung um ein Drittel auf 33 Dollar ab. Vielen Anlegern ist die Rally offenbar zu heiß geworden, zudem verschärfen zahlreiche Börsen die Sicherheitsanforderungen für den Handel mit Silber-Kontrakten. Das schreckt Investoren zusätzlich ab.

Juni 2012

Der Silberpreis erreicht Ende Juni mit 26,16 Dollar den tiefsten Stand seit Jahren. Auf diesem Niveau stabilisiert sich der Preis, eine nachhaltige Erholung ist allerdings nicht in Sicht.

31.Dezember 2012

Der Silberpreis notiert am Ende des Jahres 2012 bei 29,10 Dollar. Auf Jahressicht legt Silber um knapp 9,0 Prozent zu. Gold schafft dagegen nur ein Plus von 6,6 Prozent.

Juli 2013

Der Silberpreis fällt bis Ende Juli 2013 um mehr als 35 Prozent auf 19 Dollar. Die massive Geldschwemme der weltweiten Notenbanken treibt die Anleger raus aus den als „sicher" geltenden Edelmetallen.

20. Dezember 2013

Der Silberpreis ist seit August von 24 Dollar auf gut 19 Dollar gefallen. Damit hat er fast wieder die Jahrestiefs erreicht.

Einen moderateren Preisrutsch gab es Donnerstag auch bei Gold. Die Feinunze kostete am Mittag 1.480 Dollar und lag damit knapp 100 Dollar unter ihrem Allzeithoch aus dem vergangenen Monat. Wie auch bei anderen Rohstoffen litt Gold unter dem starken Dollar. Die US-Währung stieg im Vergleich zum Euro auf den höchsten Stand seit Mitte März. Für einen Euro mussten in der Spitze nur noch 1,4120 Dollar bezahlt werden. In der vergangenen Woche lag der Kurs zeitweise noch acht Cent höher.

Bei den Industriemetallen verbilligten sich Kupfer um 1,6 Prozent je Tonne, Zink um 2,8 Prozent und Nickel um gut zwei Prozent. Hier spielte vor allem die langsame Abkühlung der chinesischen Wirtschaft eine Rolle. Sie könnte die Nachfrage aus dem weltweit wichtigsten Kupfermarkt dämpfen, hieß es. Im Kampf gegen eine Überhitzung der Konjunktur hatte Chinas Notenbank am Donnerstag erneut die geldpolitischen Zügel angezogen und die Mindestreserveanforderungen für die Banken erhöht.

Weiter abwärts geht es auch mit den Ölpreisen. Für ein Barrel (159 Liter) europäisches Brentöl mussten am Mittag nur noch knapp 111 Dollar bezahlt werden – ein Minus von 1,5 Prozent. US-Öl der Sorte WTI verbilligte sich um mehr als zwei Prozent auf 96 Dollar.Belastend wirkte eine Senkung der Nachfrageprognose für das laufende Jahr durch die Internationale Energiebehörde (IEA). Die IEA hat für 2011 den Anstieg für den weltweiten Verbrauch auf 1,29 Millionen Barrel pro Tag von 1,43 Millionen Barrel pro Tag gestutzt. Sie begründeten dies mit den andauernd hohen Preisen und niedrigeren Konjunkturprojektionen für die entwickelten Länder.


Kommentare (3)

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Ich1234567890

12.05.2011, 14:27 Uhr

Wenn man sich die "Analysen" der letzten Tage anschaut, so wurden Unterstützungen mal bei 41$, mal bei 36$ vorhergesagt. Der Kursverlauf von Silber zeigt jedoch deutlich auch, dass diese "Experten" letztlich auch nur im Kaffeesatz lesen.

LaDulce

12.05.2011, 17:20 Uhr

Nachkaufen, Nachkaufen, Nachkaufen...Average Buying is King !
"Fallen kann es, steigen muss es !"
Ich verfallen jetz nicht in Panik sondern habe mir bei 35USD noch schön Silber-Hasen gekauft und die werden erst verkauft, wenn ich für 30kg Silber eine schickes Haus bekomme.
Sollen die Bankster nur weiterdrücken, ich kaufe getreu dem Motto "Buy the dips" nach.
Die, die sich nun "rauskicken" lassen, sind den Grossen dann ganz schön auf den Leim gegangen, denn die Drücken gerade um sich einzudecken.
Naja...so hat jeder seine eigen Auffassung.

Ich bin mir aber sicher, dass wir die 50USD noch weit von oben sehen werden!

Manipulation

13.05.2011, 09:25 Uhr

............Spekulationen auf eine Abkühlung der Weltwirtschaft und einem deutlich anziehenden US-Dollar drücken die Kurse der meisten Rohstoffe.

So ein Schwachsinn !!!
Edelmetalle werden schon lange nach unten MANIPULIERT.
In kürzester Zeit wurden z.B des öfteren die Margin`s bei Silber erhöht - sogar China macht nun mit in diesem verlogenen Spiel !!!

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