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18.10.2011

11:35 Uhr

Rohstoff-Spekulation

„Der Markt ist unberechenbar geworden“

VonChristian Panster

Das Handelsblatt sprach mit Baywa-Chef Klaus Josef Lutz über die neue Macht der Rohstoffspekulanten - und warum die alten Regeln nicht mehr gelten.

Klaus Josef Lutz, Vorstandsvorsitzender der BayWa AG. argum / Thomas Einberger für Handelsblatt

Klaus Josef Lutz, Vorstandsvorsitzender der BayWa AG.

Herr Lutz, wie groß ist der Einfluss der Spekulanten auf die Preise für Agrarrohstoffe?

Mittlerweile ist er sehr groß. In den vergangenen Jahren haben viele Banken, Fonds und Hedge-Fonds dieses Feld für sich entdeckt. Das führt dazu, dass die Preise sehr stark schwanken, sehr viel stärker als noch in früheren Zeiten. Der Markt ist unberechenbarer geworden.

Warum ist der Markt so lukrativ für Fonds oder Banken?

Früher waren die Märkte lokale Märkte, also begrenzt. Staatliche Interventionen haben dazu geführt, dass Landwirte mit stabilen Preisen kalkulieren konnten. Für Spekulanten ein eher langweiliges Umfeld. Doch die alten Regeln gelten nicht mehr. Heute sind die Märkte global und deshalb stark vernetzt; die Preise schwanken entsprechend. Ich habe in verschiedenen Branchen gearbeitet, einen so gewaltigen Wandel wie zuletzt in der Landwirtschaft habe ich aber noch nirgendwo erlebt. 

Welche Auswirkungen hat das auf die heimischen Landwirte?

Für die heimischen Landwirte bietet dies auch Chancen: Sie müssen sich verändern, mehr Unternehmer sein. Wer das tut, wird sich behaupten. Ich kenne Landwirte, die loggen sich täglich bei der Rohstoffbörse in Chicago ein, um die aktuellsten Preise zu verfolgen. Für landwirtschaftliche Betriebe, die diese Entwicklung nicht mitgehen, dürfte das Umfeld schwierig sein. Der Druck, sich zu vergrößern, wird steigen und zu einer zunehmenden Konsolidierung führen.

Was halten Sie von einem Verbot für Spekulanten?

Es ist schwer, eine Grenze zu ziehen. Was hilft, was schadet? Fakt ist, dass die Spekulanten großen Anteil daran haben, dass die Preise so stark schwanken. Allerdings sorgen sie mit ihrem Geld auch für zusätzliche Liquidität und damit für ein vernünftiges Preisniveau in der Landwirtschaft. Das ist wichtig für die landwirtschaftliche Produktion, um den steigenden Bedarf an Nahrung decken zu können.

Also kein Verbot?

Das lässt sich leider so einfach nicht sagen. Sicherlich sollten wir ernsthaft darüber nachdenken, ob es sinnvoll ist, hochkomplexe Finanzprodukte zu entwickeln und damit die Preise zu beeinflussen. Das ist auch eine moralische Frage. Anderseits sind gerade die Geschäftsbanken als Liquiditätsspender sehr wichtig. Wir würden uns in jedem Falle wünschen, dass der Markt transparenter wird und genauer geschaut wird, was die Spekulanten so treiben.

Herr Lutz, vielen Dank für das Interview.

 

Klaus Josef Lutz ist Vorstandsvorsitzender des Agrarkonzerns Baywa.

Kommentare (2)

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wir-sind-99

18.10.2011, 12:52 Uhr

aber nur, weil die Zockerbanken sich ÜBERALL einmischen müssen.


Macht sie endlich nieder
udn so klein, dass sie wieder kontrollierbar werden.

Account gelöscht!

31.10.2011, 07:47 Uhr

Mittel- und langfristig werden die Preise für Rohstoffe und insbesondere für Energieträger steigen. Bei allen kurzfristigen Schwankungen und den damit verbundenen Unsicherheiten ist das ein sicheres und berechenbares Ergebnis aus den steigenden Nachfragemengen und den mit Kostensteigerungen verbundenen und knappen Angebotsmengen.

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