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21.01.2014

21:41 Uhr

Rohstoffbörse

Verkehrte Welt beim Aluminiumpreis

Volle Lager bedeuten in der Regel fallende Preise. Nicht so bei Aluminium. Der Handel mit dem Leichtmetall droht aus den Fugen zu geraten. Doch eingeleitete Reformen sind bisher nach hinten losgegangen.

Ein Mitarbeiter eines Aluminiumlagers in Shandong, China. Zwar ist der Aluminiumbestand hoch, doch ein Großteil davon ist gebunden, was zu Angebotsengpässen führen kann. Reuters

Ein Mitarbeiter eines Aluminiumlagers in Shandong, China. Zwar ist der Aluminiumbestand hoch, doch ein Großteil davon ist gebunden, was zu Angebotsengpässen führen kann.

New York/FrankfurtBörsen sollen den Handel mit Waren und Wertpapieren vereinfachen und damit den Markt am Laufen halten. Im Falle von Aluminium funktioniert das zur Zeit aber nicht. Im Gegenteil: Trotz prall gefüllter Lagerhäuser und fallender Börsenkurse ist das Leichtmetall kurzfristig kaum zu bekommen. Kunden warten teilweise bis zu einem Jahr, um gekauftes Aluminium in Empfang nehmen zu können. Und dann müssen sie auch noch hohe Preisaufschläge zahlen.

Ein Grund dafür ist, dass Finanzinvestoren stark im Markt mitmischen und einen nennenswerten Anteil der Aluminium-Bestände fest im Griff haben. Zudem haben die Betreiber der Lagerhäuser kein Interesse an leeren Regalen, für die sie keine Miete kassieren können, und verzögern die Auslieferungen von Aluminium nach Möglichkeit.

In Rohstoffe investieren: Grundlagen

Natürliche Ressourcen

Rohstoffe sind natürliche Ressourcen. Sie kommen in der Natur vor und wachsen teilweise nach. Beispiele sind Öl, Kohle, Stahl, Gold, Getreide oder Fleisch. Darüber hinaus gibt es neuerdings auch Rohstoffe, die künstlich hergestellt werden. Ein Beispiel ist Plastik.

Marktdaten verfolgen

Reales Angebot und Nachfrage sind die Basis der Rohstoffpreise. Infos zu Lagerbeständen und Bedarf von Industriemetallen kann man direkt beim Londoner Metal Exchange (www.lme.com) verfolgen. Hilfreich für Agrarrohstoffe ist der Wasde-Bericht (World Agricultural Supply and Demand Estimates; www.usda.gov).

Wetterbericht im Auge behalten

Sinkt die Temperatur in Florida – einem der wichtigsten Orangenanbauer der Welt – unter zwei Grad minus, steigt der Preis für Orangensaft. Frost, Dürre, Überschwemmungen – was die Ernte beeinträchtigt, lässt Agrarrohstoffe haussieren. Rohstoffbörsen wie die CME (www.cme.com) bieten detaillierte Wetterprognosen sowie eine Übersicht zu Rohstoffpreisen.

Psychologie zählt

Ölpreis und Metalle ziehen mit der Konjunktur. Bei Problemen in großen Förderländern steigen die Preise in der Regel auch bei flauer Wirtschaft. Bei Gold sind Angstkäufe der wichtigste Preistreiber.

Exoten meiden

Rohstoffmärkte gelten als enge Märkte. Das heißt: Bei Erzeugnissen mit geringem Umsatzvolumen drohen heftige Kursausschläge. Emittenten wälzen das über Kauf-Verkaufs-Spannen auf Anleger ab. Wer sicher anlegen möchte, sollte deshalb lieber auf führende Rohstoffe setzen: Kupfer statt Zink, Baumwolle statt Bauholz.

Kurve beachten

Sind langlaufende Kontrakte teurer als kurze, steigt die Terminkurve (Contango), Zertifikate verlieren an Wert. Sinkt die Terminkurve (Backwardation), gibt es einen Extragewinn.

Banken checken

Rohstoffzertifikate sind Schuldverschreibungen. Geht die ausgebende Bank pleite, ist das Geld futsch. Vor dem Kauf Emittenten checken, etwa deren Kreditausfallprämien. In Deutschland geht das etwa über den Derivateverband (www.derivateverband.de).

Einsatz begrenzen

Einzelne Rohstoffe können sehr volatil sein. Rohstoffe sollten nicht mehr als zehn Prozent eines Depots ausmachen. Neben einzelnen Futures lässt sich auch in passive Portfolios investieren, etwa den S&P GSCI (die Abkürzung steht für Standard & Poors Goldman Sachs Commodity Index) oder den RICI (Rogers International Commodity Index).

Die von der Londoner Metallbörse LME angestoßenen Reformen, die den Markt eigentlich wieder zum Funktionieren bringen sollen, verschlimmern die Situation sogar. Im Mittelwesten der USA mussten Aluminium-Abnehmer wie Autobauer oder Getränkedosen-Hersteller in der vergangenen Woche Aufschläge von 17,5 US-Cent je Pfund auf den Börsenpreis zahlen. Das bedeutet, dass ein Käufer für eine Tonne Aluminium, die an der LME aktuell etwa 1755 Dollar kostet, noch einmal knapp 400 Dollar oder mehr als 20 Prozent drauflegen muss. Bei kleineren Bestellungen sind die Aufschläge noch höher.

Zum Vergleich: Üblicherweise liegt der Verkaufspreis etwa zehn Prozent über dem Börsenkurs. Letzterer ist seit Anfang 2013 um gut 15 Prozent gefallen. In China ist eine Tonne des Leichtmetalls aktuell mit 13.710 Yuan (2268 Dollar) sogar so billig wie zuletzt im Dezember 2008.

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