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26.03.2013

15:02 Uhr

Rohstoffe

Anleger zwischen Hoffen und Bangen

Die Märkte finden keine klare Richtung. Investoren bewegen sich nach der Zypern-Rettung zwischen Hoffen und Bangen. Gold verbilligt sich. Gestern sorgte Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem für Ernüchterung.

Der Ölpreis erholt sich von seinem gestrigen Preissturz. ap

Der Ölpreis erholt sich von seinem gestrigen Preissturz.

SingapurAm Rohstoffmarkt sind die Anleger am Dienstag hin- und hergerissen zwischen der Hoffnung auf eine Konjunkturerholung und der Sorge um ein Wiederaufflammen der Schuldenkrise in der Euro-Zone. Die Rettung Zyperns vor dem Staatsbankrott hatte am Vortag die Risikofreude der Anleger erhöht und damit die Preise an den Rohstoffmärkten angeschoben.

Doch an den Aktienmärkten sorgten noch am Abend Aussagen von Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem für Ernüchterung, die Beteiligung von Banken und ihren Kunden und Anlegern könne eine Vorlage für andere Euro-Länder sein. Daher hielten sich die Anleger an den Rohstoffmärkten meist bedeckt.

Die gebrochenen Versprechen der Euro-Retter

Keine Finanzhilfe für Griechenland

„Hilfe steht nicht auf der Tagesordnung, denn Griechenland sagt selbst, dass es im Augenblick keine Hilfe braucht."
Bundeskanzlerin Angela Merkel am 21. März 2010

Ende April beantragt Griechenland offiziell Finanzhilfe, im Mai beschließen die EU, die Europäische Zentralbank (EZB) und der Internationale Währungsfonds (IWF) das erste Griechenlandpaket.

Keine dauerhaften Rettungsschirme

„Die Rettungsschirme laufen aus. Das haben wir klar vereinbart."
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble am 24. Juli 2010

Die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (ESFS) ist zwar zeitlich befristet, aber die Euro-Finanzminister einigen sich Anfang 2012 auf den dauerhaften Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM).

Kein griechischer Schuldenschnitt

„Ich werde langsam müde, diese Gerüchte immer wieder zu dementieren."
Griechenlands früherer Finanzminister Giorgos Papakonstantinou am 18. April 2011

Im Oktober beschließen die Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone einen Schuldenschnitt für Griechenland: Private Gläubiger und Banken verzichten auf 50 Prozent ihrer Forderungen.

Das Volumen der Rettungsschirme

„Wir haben jetzt ein Land unter dem Schirm, das ist Irland. Und damit ist das Volumen noch weit davon entfernt, ausgeschöpft zu sein."
Bundeskanzlerin Angela Merkel am 12. Januar 2011

Im April 2011 stellt Portugal Antrag auf Hilfe. Es wird klar, dass die bisher hinterlegten Bürgschaften nicht ausreichen, um die Kredite zu den gewünschten Zinskonditionen zu beschaffen. Im Juni beschließt die Euro-Zone, den EFSF auf 780 Milliarden Euro aufzustocken, durch den sogenannten Hebel wird das Volumen im Oktober auf mehr als 1000 Milliarden Euro erhöht.

Keine Haftungsunion

„Eine gesamtschuldnerische Haftung wird es nicht geben, solange ich lebe."
Bundeskanzlerin Angela Merkel am 26. Juni 2012

Im Oktober 2012 schlägt die Troika aus EU, EZB und IWF den Finanzministern der Euro-Zone einen weiteren Schuldenschnitt für Griechenland vor: Auch die öffentlichen Gläubiger sollen Athen nun einen Teil ihrer Forderungen erlassen. Damit würde die Rettung Griechenlands erstmals die deutschen Steuerzahler wirklich Geld kosten. Schäuble lehnt ab und schlägt vor, Griechenland mehr Zeit zu geben.

Die Spareinlagen sind sicher

Die Europäische Union garantiert, dass Ersparnisse bis zu 100.000 Euro innerhalb der Währungsunion sicher sind.

Im Fall Zyperns war die Politik kurz davor, gegen ihre eigenen Zusagen zu verstoßen. Zunächst war geplant, Kleinsparer an der Bankenrettung zu beteiligen. Nach empörten Protesten wurde die Zwangsabgabe überarbeitet. Nun müssen nur noch zyprische Sparer mit einem Vermögen über 100.000 Euro haften.

Nur ein Einzelfall?

„Zypern war nun ein ganz besonderer Fall, das wusste jeder.“
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble am 28. März 2013

Der niederländische Finanzminister Jeroen Dijsselbloem hatte zuvor in Interviews die Einbeziehung von wohlhabenden Kunden zyprischer Banken in die Maßnahmen zur Zypern-Rettung als richtungsweisend hingestellt. Er bezeichnete sie als „Blaupause“ für andere Länder, relativierte die Aussagen dann später wieder.

Die Preise der Industrie- und Edelmetalle fanden keine einheitliche Richtung. Während Kupfer sich um 0,4 Prozent auf 7650 Dollar je Tonne verteuerte, gaben die Notierungen für Zink und Zinn je etwa 0,4 Prozent nach. Aluminium und Blei notierten kaum verändert.

Gold verbilligte sich um 0,4 Prozent auf 1597,80 Dollar, Platin sogar um 0,7 Prozent auf 1567,24 Dollar.

Ein Fass (159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent kostete mit rund 108 Dollar 0,2 Prozent weniger als am Vorabend. US-Leichtöl der Sorte WTI verteuerte sich um 0,4 Prozent auf 95,27 Dollar. Damit schrumpft der Preis-Abstand zwischen den beiden Ölsorten weiter. Seth Kleinman, Rohstoffanalyst bei der Citigroup, erklärte dies mit der steigenden Förderung von Schieferöl in den USA. Dadurch sinke der Bedarf an importiertem Leichtöl, erklärte Kleinman.

Von

rtr

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

26.03.2013, 09:33 Uhr

"Dijsselbloem-Schock"?

Der Herr hat Selbstverständliches ausgesprochen. Wenn das vor vier Jahren gesagt worden wäre und danach auch gehandelt worden wäre, hätte man sich die ganze Krise sparen können. Billiger wäre es vielleicht nicht geworden, aber die Fronten wären damit sofort abgesteckt worden.
Hinterher ist man immer schlauer, aber bestimmt nicht geschockt.

Michael

26.03.2013, 09:34 Uhr

Sind schon etwas sehr Seltsames, die Märkte. Ich kann beim besten Willen nicht verstehen, wie eine simple Revidierung, schlichten Worten durch weitere Worte widersprochen, einen derartigen Einfluss haben können. Wollen "die Anleger" sich veräppeln lassen?

Sperber

26.03.2013, 10:24 Uhr

Dass solche Stellungnahmen einfach mal ausposaunt und danach wieder zurückgenommen werden (müssen), zeugt von mangelndem Verantwortungsbewusstsein. Und das nennt sich Eurogruppen-Chef? Der Mann scheint klar ein Quotenmann - die Äußerungen waren schlicht - sorry - dümmlich...

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