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03.10.2013

07:54 Uhr

Rohstoffe

Der rätselhafte Preiseinbruch bei Gold

Der Goldpreis ist wieder eingebrochen - trotz des US-Haushaltsstreits, der Regierungskrise in Italien und der Niedrigzinspolitik der US-Notenbanker. Marktbeobachter sehen den Superzyklus bei Rohstoffen nicht in Gefahr.

Egal ob Ringe oder Barren: Der Goldpreis ist weiter gefallen. dpa

Egal ob Ringe oder Barren: Der Goldpreis ist weiter gefallen.

New YorkDer Goldpreis wird für die Privatanleger immer rätselhafter. Der Preis für das Edelmetall ist zeitweise wieder unter die Marke von 1300 Dollar gefallen. Mitte August lag er noch über der Marke von 1400 Dollar. Aktuell notiert das Edelmetall jedoch mit 1310 Dollar wieder etwas höher.

Für den plötzlichen Preisrutsch scheint es auf dem ersten Blick keinen Sinn zu geben. Der Goldpreis hatte sich über das Sommerquartal gerade etwas erholt. Beim letzten „Government Shutdown“ in den USA Mitte der 1990er Jahre hatte Gold rund drei Prozent an Wert gewonnen.

Allerdings hatte der Feinunzenpreis seinerzeit noch bei weniger als 400 Dollar gelegen. Sollten sich Demokraten und Republikaner aber auch bei der ab Mitte Oktober notwendigen Anhebung der Schuldenobergrenze nicht einigen, droht den USA die Pleite. „Das Risiko, dass es tatsächlich soweit kommen wird, ist zwar noch immer äußerst gering, hätte aber einen deutlich steigenden Goldpreis zur Folge“, schrieben die Analysten der Commerzbank.

Was Sie über Gold wissen sollten

Was ist Gold?

Gold ist ein seltenes Metall mit einem Schmelzpunkt von 1064 Grad Celsius. Der Siedepunkt liegt bei 2856 Grad. Die chemische Abkürzung für Gold ist „Au“ und stammt vom lateinischen Wort „Aurum“ ab. Es hat mehrere Eigenschaften, die es für die Menschheit über die Jahre nützlich gemacht hat. Gold leitet extrem gut. Außerdem reagiert es nicht mit Wasser oder Sauerstoff.

Wie viel Gold wurde in der Geschichte gefördert?

Nach Schätzungen wurden in der gesamten Menschheitsgeschichte bis heute um die 166.600 Tonnen Gold aus Minen geholt. Ein Großteil davon – etwa zwei Drittel – seit 1950.

Wie viel Gold gibt es noch auf der Erde?

Die letzten Zahlen der US Geological Society gingen im Januar 2011 von weltweit 51.000 Tonnen aus.

Wie viel Gold wird pro Jahr abgebaut?

In den vergangenen Jahren waren es etwa 2.500 Tonnen pro Jahr.

Wo wird weltweit am meisten Gold abgebaut?

Überall auf der Welt wird Gold gewonnen. Aber beinahe ein Drittel des Goldes wird in nur drei Ländern abgebaut. An der Spitze liegt China mit 13,1 Prozent, darauf folgen die USA und Australien mit jeweils 9,1 Prozent.

Was passiert mit dem Gold?

29 Prozent des abgebauten Goldes kommt im Investmentbereich zum Einsatz, also in Form von Münzen und Barren. Aus 59 Prozent wird Schmuck gemacht. 12 Prozent wird von der Industrie verarbeitet.

Wo sind die größten Absatzmärkte für Gold?

Mit 1059 Tonnen ist Indien der mit Abstand größte Absatzmarkt für physisches Gold (Münzen, Barren, Schmuck). Dahinter liegt China mit 770 Tonnen. Im Vergleich dazu abgeschlagen sind die USA mit 213 Tonnen und Deutschland mit 154 Tonnen.

Quelle: World Gold Council

Wer sind die größten Goldbesitzer?

Größte Goldbesitzer sind die Notenbanken. Die Vereinigten Staaten sitzen auf rund 8.100 Tonnen, gefolgt von Deutschland mit 3.400 Tonnen und dem Internationalen Währungsfonds mit 2.800 Tonnen. Die Notenbanken waren über Jahre Netto-Verkäufer. Seit dem vergangenen Jahr sind sie jedoch wieder Netto-Käufer. Das Interesse kommt vor allem aus den Schwellenländern.

Auch die überraschenden Kehrtwende der US-Notenbank, die ihre Zinsen niedrig hält und weiterhin frisches Geld in die Märkte pumpt, wirkte sich nicht positiv auf den Goldpreis aus. Auf die „Goldenen Woche“ in China sollten Anleger ebenfalls keine allzu großen Hoffnungen setzen.

Zwischen dem 1. und 7. Oktober haben Chinesen Ferien zum Nationalfeiertag und erhalten an vielen Urlaubsorten hohe Rabatte auf das Edelmetall. „Dieses Gold muss aber schon vor Monaten importiert worden sein und der Goldpreis hätte deutlich steigen müssen. Dies ist aber nicht passiert“, sagt Martin Siegel, Edelmetallexperte und Geschäftsführer von Stabilitas.

Mehrere mächtige institutionelle Anleger haben den Glauben an das Edelmetall verloren. In den vergangenen zwölf Monaten verlor das Edelmetall in Dollar gerechnet rund 27 Prozent an Wert. In diesem Jahr könnten Gold damit den Zyklus durchbrechen, der dem Edelmetall eine 13-jährige Gewinnrally ermöglichte.

Kommentare (43)

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02.10.2013, 17:38 Uhr

O-Ton Handelsblatt
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Der rätselhafte Preiseinbruch bei Gold
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Daran ist überhaupt nichts rästelhaft.

Dummzocker sind in Erwartung eines US-Regierungs-shutdowns long gegangen, und wollten dann bei Eintritt desselben Kasse machen.

Da mehr Leute aber inzwischen kapiert haben, daß Gold eine ebensogute Versicherung gegen Krisen ist wie Backsteine eine gegen Darmkrebs ging die Spekulation in die Hose.

Observer

02.10.2013, 17:59 Uhr

"Mehrere mächtige institutionelle Anleger haben den Glauben an das Edelmetall verloren."
Eine andere Formulierung kann man wohl bei einem systemkonformem, oft auch im vorauseilenden Gehorsam agierenden Medium, wie dem HB wohl nicht erwarten!
Wie wenn denn die sog. institutionellen Anleger interessieren wuerde dass der Preis einer Ware, seinem wahren Wert entspricht. Der Wert muss so geformt werden, wie man es aktuell braucht und das was ist, ist genau das!

Account gelöscht!

02.10.2013, 17:59 Uhr

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