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24.06.2014

12:45 Uhr

Rohstoffe

Entspannung am Ölmarkt – Irak-Exporte bleiben hoch

Öl ist weiterhin gefragt und lässt die irakischen Exporte steigen – trotz Unruhen im Nahen Osten. Die Preise sind gefallen. So könnte es auch bleiben, solange die islamistischen Isis-Truppen keine Raffinerien angreifen.

Die Isis-Truppen sind im Vormarsch. Trotzdem bleiben die irakischen Öl-Exporte hoch. dpa

Die Isis-Truppen sind im Vormarsch. Trotzdem bleiben die irakischen Öl-Exporte hoch.

Singapur/FrankfurtDie anhaltend hohen irakischen Öl-Exporte sorgen für Erleichterung am Rohstoff-Markt. Die richtungsweisende Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee verbilligte sich um 0,4 Prozent auf 113,60 Dollar je Barrel. Das US-Öl WTI notierte 0,6 Prozent tiefer bei 105,56 Dollar.

In den ersten drei Juni-Wochen führte der Irak über seine Umschlagplätze im Süden des Landes im Schnitt täglich 2,53 Millionen Barrel Rohöl aus. Dieser Wert liegt nur 50.000 Barrel unter dem Elf-Jahres-Hoch vom Mai.

Die Städte Mossul und Tikrit

Mossul

Die Handels- und Wirtschaftsmetropole rund 400 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Bagdad am Ufer des Tigris hat nach unterschiedlichen Angaben 1,5 bis 2,8 Millionen Einwohner. Neben großen Erdölraffinerien ist auch die Textilverarbeitung von Bedeutung. Schon in seiner frühen Geschichte war das bedeutende Zentrum auf der Handelsroute zwischen Indien, Persien und dem Mittelmeer bekannt für feine Baumwollstoffe und Lederprodukte - der Stoff Musselin ist nach Mossul benannt. Heute ist Mossul ein wichtiger Handelsort zwischen der Türkei und dem Irak.
In der multiethnischen Hauptstadt der Provinz Ninive leben Araber, Kurden, Turkmenen und Assyrer. Viele Angehörige der früher bedeutenden christlichen Minderheit sind nach dem Sturz Saddam Husseins 2003 vor Krieg und Terror aus Mossul geflohen. Einst war die Stadt nahe der bis zu 3500 Jahre alten Ruinen des assyrischen Ninive ein Zentrum des irakischen Tourismus. Neben Palästen, Kirchen und Klöstern zeugt das erhaltene Minarett der 640 gebauten Umayyaden-Moschee von der reichen Geschichte Mossuls.

Tikrit

Die Geburtsstadt Saddam Husseins liegt etwa 175 Kilometer nördlich von Bagdad. Der vorher bescheiden von Ackerbau und Handel lebende Ort wurde unter dem früheren Machthaber zur modernen Hauptstadt der Provinz Salah ad-Din mit 260.000 Einwohnern (2003) ausgebaut. Heute leben Schätzungen zufolge noch 100.000 Menschen in Tikrit.
In den vergangenen Jahren war die Stadt mehrfach Schauplatz verheerender Terroranschläge. 2011 wurden bei einer Geiselnahme im Provinzparlament und der anschließenden Befreiungsaktion 65 Menschen getötet, darunter Dutzende Abgeordnete. Für die muslimische Welt hat Tikrit große Bedeutung als Geburtsort von Sultan Saladin im 12. Jahrhundert, der die Kreuzritter besiegte und Jerusalem eroberte.

Im Irak sind islamistische Kämpfer auf dem Vormarsch. Die sunnitische Miliz Isis hat Gebiete in der Mitte und im Nordwesten des Landes erobert. Die wichtigen Ölförder- und Verladeanlagen liegen im schiitisch kontrollierten Süden sowie im kurdischen Norden und wurden von den Kämpfen bislang weitgehend verschont. So lange die islamistischen Isis-Truppen keine Raffinerien oder Häfen direkt angriffen, seien kräftige Ölpreis-Steigerungen nicht zu erwarten, sagte Jonathan Barratt, Chef des Informationsdienstes Barratt Bulletin

Von

rtr

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