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01.12.2015

18:07 Uhr

Rohstoffe

Für Erz und Stahl geht es abwärts

VonMartin Wocher

Eisenerz ist im asiatischen Handel auf ein Rekordtief gefallen, auch für Stahl geht es weiter runter. Das Reich der Mitte setzt den internationalen Rohstoffmärkten zu. Und selbst Experten bleibt nur ein banger Blick.

Die Stahlpreise sind auf der Suche nach einem Boden.

Brücke in Österreich

Die Stahlpreise sind auf der Suche nach einem Boden.

DüsseldorfChina, immer wieder China: Fast ohnmächtig verfolgen westliche Industriemanager, wie das Reich der Mitte seit Monaten die internationalen Rohstoffmärkte durcheinanderwirbelt. Das betrifft nicht nur die Ölmärkte, die selbst aus politischen Krisen wie in den Vorjahren kein Kapital mehr schlagen können. Unter den heftigen Verwerfungen als Folge der flauen Nachfrage aus dem Riesenreich leiden vor allem die internationalen Bergbau- und Stahlkonzerne. Deren Preise kennen derzeit nur eine Richtung: nach unten.

Ein neuer Tiefpunkt wurde am Dienstag erreicht: In Singapur kostete eine Tonne Eisenerz zur Lieferung ins Reich der Mitte nur noch 42,80 Dollar und damit so wenig wie noch nie. Der chinesische Terminkontrakt fiel um bis zu 1,9 Prozent und notierte mit 290,50 Yuan (45,39 Dollar) ebenfalls auf einem Rekordtief.

Die größten Stahlhersteller der Welt

Platz 1: Arcelor-Mittal

Der mit Abstand größte Stahlproduzent der Welt ist Arcelor-Mittal. Der Konzern mit europäischen und indischen Wurzeln stellte 2015 gut 97 Millionen Tonnen Stahl her.

Quelle: World Steel Association

Platz 2: Hesteel Group

Der zweitgrößte Hersteller kommt aus China: Die Hebei Iron and Steel Group stellte 2015 rund 47,8 Millionen Tonnen Stahl her. Auch dieser Konzern ging aus einer Fusion hervor, die Unternehmen Tangsteel und Hansteel schlossen sich 2008 zusammen.

Platz 3: Nippon Steel & Sumitomo Metal

Auf Platz drei abgerutscht ist der japanische Konzern Nippon Steel & Sumitomo Metal. Die beiden japanischen Hersteller hatten sich im Oktober 2012 zusammengeschlossen und kamen 2015 zusammen auf ein Produktionsvolumen von 46,3 Millionen Tonnen Stahl, knapp 3 Millionen weniger als im Vorjahr.

Platz 4: Posco

Mit einer Produktion von rund 42 Millionen Tonnen Stahl ist Posco der viertgrößte Hersteller. Das Unternehmen ist der größte südkoreanische Anbieter und macht viele Geschäfte mit China.

Platz 5: Baosteel Group

Auf Platz fünf folgt ein weiterer chinesischer Konzern: Baosteel Group. Das Unternehmen mit Sitz in Shanghai produzierte knapp 35 Millionen Tonnen Stahl. Schlagzeilen machte der Hersteller im Jahr 2000 mit seinem Börsengang, der damals in China Rekorde brach.

Platz 16: Thyssen-Krupp

Im Vergleich zu Arcelor-Mittal, Hesteel & Co. ist Thyssen-Krupp ein Leichtgewicht. 2015 ging es für den größten deutschen Stahlproduzent mit einer Produktion von 17,3 Millionen Tonnen aber immerhin drei Plätze hinauf auf Rang 16. Ähnlich viel produziert der Konkurrent Gerdau aus Brasilien (17 Millionen Tonnen).

Branchenkennen machen das Überangebot auf den Stahlmärkten für den Preisverfall verantwortlich: „Die Stabilisierung der chinesischen Stahlpreise sind der Schlüssel für einen Stimmungsumschwung am Eisenerz-Markt“, heißt es in einer Analyse der ANZ Bank. „Um dies zu erreichen, muss die Branche aber ihren Ausstoß verringern.“ So stammt rund die Hälfte der weltweiten Stahlproduktion aus China.

Gleichzeitig haben Bao Steel & Co. gewaltige Überkapazitäten aufgebaut. Branchenkenner gehen inzwischen davon aus, dass die inzwischen bei rund 400 Millionen Tonnen Jahreskapazität liegen – das ist mehr, als Europa verbraucht. Die Folge: Es herrscht ein gnadenloser Preiskrieg. So fiel der chinesische Stahl-Future am Dienstag auf ein neues Rekordtief von 1618 Yuan (253 Dollar).

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