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20.12.2013

06:53 Uhr

Rohstoffe

Gold auf tiefstem Stand seit drei Jahren

Der Goldpreis wird auch am Freitag unter 1200 Dollar gehandelt. Damit ist das Edelmetall so billig wie seit drei Jahren nicht mehr. Auftrieb gibt die Fed-Entscheidung zur Reduzierung der Anleihekäufe hingegen dem Ölpreis.

Der Goldpreis fällt – zum Glück!

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New YorkGold im Keller: Der Preis für eine Feinunze sackte am Donnerstag um mehr als zwei Prozent auf 1192,40 Dollar ab – und damit auf den tiefsten Stand seit drei Jahren. Erstmals seit Juni lag der Preis wieder unter 1200 Dollar. Auch am Freitag notierte Gold unter 1200 Dollar.

Nach der Entscheidung der Fed, ihre Anleihekäufe zu reduzieren, verringerte sich die Attraktivität von Gold als Anlagealternative. Für Silber ging es 1,4 Prozent abwärts auf 19,20 Dollar je Unze. Seit Jahresanfang ist der Goldpreis um 28 Prozent gesunken, belastet von Spekulationen, dass die Fed ihre Anleihekäufe zurückfährt – auch unter dem Begriff „Tapering“ bekannt. Erstmals seit 13 Jahren steuert Gold auf einen Jahresverlust zu.

Der Ölpreis der Sorte WTI hat am Donnerstag weiter zugelegt, nachdem er am Mittwoch rund 0,6 Prozent gewann. Die Reduzierung der Bondkäufe durch die US-Notenbank Federal Reserve wurde als Bestätigung eines guten Konjunkturausblicks gesehen.

Was Sie über Gold wissen sollten

Was ist Gold?

Gold ist ein seltenes Metall mit einem Schmelzpunkt von 1064 Grad Celsius. Der Siedepunkt liegt bei 2856 Grad. Die chemische Abkürzung für Gold ist „Au“ und stammt vom lateinischen Wort „Aurum“ ab. Es hat mehrere Eigenschaften, die es für die Menschheit über die Jahre nützlich gemacht hat. Gold leitet extrem gut. Außerdem reagiert es nicht mit Wasser oder Sauerstoff.

Wie viel Gold wurde in der Geschichte gefördert?

Nach Schätzungen wurden in der gesamten Menschheitsgeschichte bis heute um die 166.600 Tonnen Gold aus Minen geholt. Ein Großteil davon – etwa zwei Drittel – seit 1950.

Wie viel Gold gibt es noch auf der Erde?

Die letzten Zahlen der US Geological Society gingen im Januar 2011 von weltweit 51.000 Tonnen aus.

Wie viel Gold wird pro Jahr abgebaut?

In den vergangenen Jahren waren es etwa 2.500 Tonnen pro Jahr.

Wo wird weltweit am meisten Gold abgebaut?

Überall auf der Welt wird Gold gewonnen. Aber beinahe ein Drittel des Goldes wird in nur drei Ländern abgebaut. An der Spitze liegt China mit 13,1 Prozent, darauf folgen die USA und Australien mit jeweils 9,1 Prozent.

Was passiert mit dem Gold?

29 Prozent des abgebauten Goldes kommt im Investmentbereich zum Einsatz, also in Form von Münzen und Barren. Aus 59 Prozent wird Schmuck gemacht. 12 Prozent wird von der Industrie verarbeitet.

Wo sind die größten Absatzmärkte für Gold?

Mit 1059 Tonnen ist Indien der mit Abstand größte Absatzmarkt für physisches Gold (Münzen, Barren, Schmuck). Dahinter liegt China mit 770 Tonnen. Im Vergleich dazu abgeschlagen sind die USA mit 213 Tonnen und Deutschland mit 154 Tonnen.

Quelle: World Gold Council

Wer sind die größten Goldbesitzer?

Größte Goldbesitzer sind die Notenbanken. Die Vereinigten Staaten sitzen auf rund 8.100 Tonnen, gefolgt von Deutschland mit 3.400 Tonnen und dem Internationalen Währungsfonds mit 2.800 Tonnen. Die Notenbanken waren über Jahre Netto-Verkäufer. Seit dem vergangenen Jahr sind sie jedoch wieder Netto-Käufer. Das Interesse kommt vor allem aus den Schwellenländern.

Der am Donnerstag auslaufende Rohölkontrakt auf die Sorte WTI zur Lieferung im Januar notierte bei 98,87 Dollar je Barrel 0,9 Prozent höher. Wie in den vergangenen beiden Tagen war das Handelsvolumen deutlich unter dem 100-Tages-Durchschnitt. Rohöl der Nordseesorte Brent wurde 0,9 Prozent fester bei 110,31 Dollar gehandelt.

„Die Fed hat signalisiert, dass die Konjunktur besser ist als gedacht, und das stützt den Rohölpreis“, sagte Michael Lynch, Präsident von Strategic Energy & Economic Research in Winchester, Massachusetts. „Eine stärkere Nachfrage deutet darauf hin, dass die Verbraucher tatsächlich Geld ausgeben.“

Kommentare (3)

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Xaver

20.12.2013, 09:12 Uhr

Keine Frage, dass der aktuelle Goldkurs für eingefleischte Goldbugs eine herbe Enttäuschung ist. Gleichzeitig wissen wir aber auch dass dieser Goldkurs gesteuert ist und der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in keiner Weise entspricht. Damit ergibt sich eine interessante Situation: Mal sehen wie weit der Kurs künstlich gedrückt werden kann, ehe der unausweichliche Knall kommt. Wenn diese Korrektur einsetzt (eintreten muss), wird dann gleichzeitig das Goldverbot ausgesprochen, um die zwangsläufige Nachfrage zu unterbinden? Bereiten wir uns darauf vor, dass die tollwütigen Hunde von der Comex den Preis noch bis auf $ 600 hinunter treiben ehe ihrem bösen Spiel die Luft ausgeht und warten wir gespannt wie sie dann agieren, wenn sie am Kursboden angekommen sind, während die breite Masse kein zweites Mal in die getürkten Aktienwerte investieren will (QE).

Lungomolch

20.12.2013, 11:19 Uhr

@Xaver
Man kann die Naturgesetze nicht außer Kraft setzen. Die Preisdrückung ist nur kurzzeitig möglich durch Leerverkäufe. Wie das geht, konnte man gestern schön beobachten. Langfristig ist das nicht möglich, da in einem globalen Markt der Preis nicht "diktatorisch" festgesetzt werden kann. Die Leerverkäufer (Goldman Sachs...) müssen irgendwann zurückkaufen. Das treibt den Kurs wieder nach oben. Wenn bei der nächsten Krise, die garantiert kommt, weltweit Gold gekauft wird, sind die Kursdrücker machtlos. Dann zieht sich die Schlinge um ihren Hals zu.

Account gelöscht!

20.12.2013, 11:29 Uhr

Die Gesamtentwicklung ist äußerst beunruhigend! Noch nie hat es in der Geschichte der Menschheit eine solche Geldblase gegeben wie zur Zeit, geschaffen aus einer beispiellosen niedrigen Zinspolitik. Noch nie hat es daraus eine solche Aktienüberbewertung gegeben. Inflationsbereinigt sind wir aber noch ein Stück entfernt. Und noch nie hat es beim Goldpreis eine solch starke Verzerrung zwischen künstlicher Manipulation und der wirtschaftlichen Realität gegeben, die der Goldpreis eigentlich gnadenlos aufzeigen müsste.

Wir leben definitiv in sehr gefährlichen Zeiten und der Glaube, dass alles gut ausgehen wird, ist leider nur politische Propaganda. Dummerweise glauben die meisten Menschen auch dieser Propaganda, zumindest in unserem Land. Schließlich gibt es ja wichtigere Ereignisse wie z. B. die große Koalition. Sie wird weiterhin versuchen, Besitzstand in Deutschland zu sichern und den großen Überfluss in dem wir leben auch weiterhin aufrecht zu halten. Außerdem steht Weihnachten vor der Tür und man kann sich weiterhin der Gedankenlosigkeit ergeben. Und im nächsten Jahr sind große Fußballereignisse in Sicht. Warum sollte man sich auch Gedanken machen?
Gold ist unten, Aktien sind oben, alles ist scheinbar in bester Ordnung.

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