Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.07.2013

16:11 Uhr

Rohstoffe

Goldförderung lohnt nicht mehr

VonJörg Hackhausen

Der Goldpreis ist kräftig gefallen. Doch die Kosten für die Förderung bleiben hoch. Es drohen schmerzhafte Einschnitte. Die Minen müssen ihre Produktion zurückfahren. Das hat Folgen für Anleger.

Ein frisch geschmolzener Goldbarren: Die Förderung des Edelmetalls lohnt kaum noch. Reuters

Ein frisch geschmolzener Goldbarren: Die Förderung des Edelmetalls lohnt kaum noch.

DüsseldorfDie Goldindustrie steht vor dem größten Umbruch ihrer jüngeren Geschichte. Seitdem der Goldpreis eingebrochen ist, lohnt es sich kaum noch, das Edelmetall aus dem Boden zu holen. Die Förderer müssen ihre Kosten massiv senken. Einzelnen Firmen droht die Pleite. Die Überlebenden dürften den Markt neu aufteilen. Erst nach der Bereinigung könnte es wieder aufwärts gehen - auch für die Anleger.

In diesem Jahr ist der Preis für eine Feinunze um mehr als 25 Prozent gefallen, für kurze Zeit sogar unter 1200 Dollar. Damit geraten die Minengesellschaften unter Druck. „Wir brauchen einen Goldpreis von mindestens 1500 Dollar“, sagt Nick Holland, Chef von Gold Fields aus Südafrika, in einem Interview mit Bloomberg. „Der Betrieb lässt sich nicht aufrechterhalten, wenn die Minen ständig Geld verlieren“, sagt Holland.

Das deckt sich mit den Schätzungen von Experten. Demnach kostet es in etwa 1500 bis 1600 Dollar, eine Feinunze Gold zu fördern. Darin sind sowohl die reinen Produktionskosten als auch die Kosten für Exploration, Verwaltung, Finanzierung und Investitionen in neue Projekte eingerechnet. „Es herrscht eine große Frustration in der Branche“, sagt Joachim Berlenbach, Fondsberater von Earth Resource Investment. „Etwa die Hälfte der Minengesellschaften ist auf dem aktuellen Niveau nicht profitabel.“

Die Goldförderer können nichts dafür, dass der Goldpreis unter Druck geraten ist. Gleichwohl ist ein Teil des Problems selbst verschuldet: In den guten Jahren, als der Goldpreis stetig stieg, waren die Unternehmen nicht gerade sparsam. Sie leisteten sich milliardenschwere Übernahmen. In der Boomphase seit dem Jahr 2000 gaben die Konzerne laut Bloomberg fast 200 Milliarden Dollar für Übernahmen aus – viel zu viel, wie man heute weiß. Jahrelang ging es nur um Wachstum, nicht um Rentabilität. In dieser Zeit explodierten auch die Personal- und Energiekosten. Zudem genehmigten sich Regierungen in den Abbauländern ihren Anteil, indem sie höhere Steuern, Pacht und Sonderabgaben verlangten.

Aktien der Goldgräber

Barrick Gold

Marktkapitalisierung: 13,8 Milliarden Dollar
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 3,9
Kurs-Buchwert-Verhältnis*: 0,6
Kursentwicklung (1 Jahr): - 61,2 Prozent
Rating (S&P): BBB+
Sitz: Toronto, Kanada

*Schätzung zum 31.12.2013

Goldcorp

Marktkapitalisierung: 19,7 Milliarden Dollar
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 11,73
Kurs-Buchwert-Verhältnis*: 0,79
Kursentwicklung (1 Jahr): - 35,3 Prozent
Rating (S&P): BBB+
Sitz: Vancouver, Kanada

*Schätzung zum 31.12.2013

Newmont Mining

Marktkapitalisierung: 13,7 Milliarden Dollar
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 6,7
Kurs-Buchwert-Verhältnis*: 0,97
Kursentwicklung (1 Jahr): - 43,6 Prozent
Rating (S&P): BBB+
Sitz: Denver, USA

*Schätzung zum 31.12.2013

Newcrest Mining

Marktkapitalisierung: 7,4 Milliarden Dollar
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 6,9
Kurs-Buchwert-Verhältnis*: 0,8
Kursentwicklung (1 Jahr): - 59 Prozent
Rating (S&P): BBB+
Sitz: Melbourne, Australien

*Schätzung zum 31.12.2013

Zijin Mining Group

Marktkapitalisierung: 8,1 Milliarden Dollar
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 4,8
Kurs-Buchwert-Verhältnis*: 0,85
Kursentwicklung (1 Jahr): - 46 Prozent
Rating (S&P): k.A.
Sitz: Longyan, China

*Schätzung zum 31.12.2013

 

Yamana Gold

Marktkapitalisierung: 6,9 Milliarden Dollar
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 14,2
Kurs-Buchwert-Verhältnis*: 0,8
Kursentwicklung (1 Jahr): - 38,8 Prozent
Rating (S&P): k.A.
Sitz: Toronto, Kanada

*Schätzung zum 31.12.2013

Anglogold Ashanti

Marktkapitalisierung: 4,9 Milliarden Dollar
Kurs-Gewinn-Verhältnis: 5,3
Kurs-Buchwert-Verhältnis*: 0,895
Kursentwicklung (1 Jahr): - 62,1 Prozent
Rating (S&P): BBB-
Sitz: Johannesburg, Südafrika

*Schätzung zum 31.12.2013

Kinross Gold

Marktkapitalisierung: 5,4 Milliarden Dollar
Kurs-Gewinn-Verhältnis: negativ
Kurs-Buchwert-Verhältnis*: 0,5
Kursentwicklung (1 Jahr): - 42,3 Prozent
Rating (S&P): BBB-
Sitz: Toronto, Kanada

*Schätzung zum 31.12.2013

Jetzt müssen die Konzerne ihre viel zu optimistischen Annahmen berichtigen. Barrick Gold, der größte Goldproduzent der Welt, wird 5,5 Milliarden Dollar für ein Minenprojekt in den Anden abschreiben. Das Geld ist weg. Konkurrenten wie Newcrest Mining ergeht es nicht besser. Auf die gesamte Branche kommen Wertberichtigungen in Milliardenhöhe zu. Auch Pleiten kleinerer Minenbetreiber und Explorationsfirmen sind nicht ausgeschlossen. „Wer nicht genug Cash auf der Bank hat, ist bedroht“, sagt Berlenbach. „Es wird Opfer geben, da gibt es keinen Zweifel“, sagt auch Markus Bachmann, Portfoliomanager des Craton Capital Precious Metal Fund.

Die Goldindustrie muss nun schleunigst die Kosten drücken. Neue Projekte werden erst einmal gestoppt. Zudem können sich die Firmen kurzfristig behelfen, indem sie sich auf Minen mit höherem Goldanteil konzentrieren („High Grading“), während sie den Abbau anderer Vorkommen zurückfahren. „Die Firmen müssen aufhören, Unzen zu fördern, mit denen sie kein Geld verdienen, und sich stattdessen auf die konzentrieren, mit denen sie verdienen“, sagt Evy Hambro von Blackrock. Hambro verwaltet den BGF World Gold mit einem Volumen von zehn Milliarden Dollar.

Kommentare (58)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

09.07.2013, 16:27 Uhr


Tolles Krisenmanagement seitens Bernanke und Bullionbanken, bis hin zur Destabilisierung Südafrikas etc.
Selbst der Anleihenmarkt darf begleitend ins Schlingern kommen.

Zu guter letzt sammeln seine Freunde wieder billig/profitable ein und ab geht die Achterbahnfahrt.

Ob diese Geister noch mehr Unheil anrichten ? Bei der Vernichtung MRD Werte scheinen sie im Stoff zu stehen.

Inflate_Or_Die

09.07.2013, 16:33 Uhr

In manipulierten Märkten kann man eine gewisse Zeit lang auch das ökonomische Grundgesetz von Angebot und Nachfrage aushebeln.
Wenn das Angebot sinkt (dadurch, dass die Minen ihre Produktion drosseln), müsste bei exorbitant hoher und ständig steigender Nachfrage nach physischem Gold (insbesondere durch die Asiaten) der (Papier-)Preis schon längst explodiert sein.
Wenn es aber in etwa zehnmal so viele Goldforderungen ("Papiergold") wie physisches Gold gibt und dann auch noch die Bullionbanken (mit Hilfe der Notenbanken) über nahezu unbegrenzte Feuerkraft verfügen, um eine Preisexplosion zu verhindern, dann wird das Spiel eben so lange gehen, wie es an den "Papierbörsen" Mitspieler gibt, solange sich Anleger also ihr Gold nicht physisch ausliefern lassen:
"Maguire said "JPMorgan acts as an agent for the Federal Reserve; they act to halt the rise of gold and silver against the US dollar. JPMorgan is insulated from potential losses (on their short positions) by the Fed and/or the U.S. taxpayer.""
https://en.wikipedia.org/wiki/Andrew_Maguire_%28whistleblower%29

Gast

09.07.2013, 16:35 Uhr

Nach jedem Boom folgt nunmal der Crash... Es geht immer auf und ab...
Jeder der im letzten Jahr Gold gekauft hat sollte besser nicht anfangen zu rechnen. Denn diejenigen haben einen Haufen Geld verloren. Gold als sicherer Hafen? Als wer sich mit seinen Barren besser fühlt, solle es behalten. Eigentlich sollte es jeder der im letzten Jahr gekauft hat nicht verkaufen und bis zur übernächsten Kriese warten bis er verkauft. So kann man seinen Verlust vielleicht wieder reinholen. Gold kauf man eigentlich wenn die Wirtschaft boomt. Also wenn das Gold in 2 Jahren wieder 600$ kostet kommt wieder die Zeit zum KAufen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×