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28.02.2013

15:42 Uhr

Rohstoffe

Goldpreis mit längster Talfahrt seit 16 Jahren

Positive Konjunkturaussichten und nachlassende Inflationsgefahr lassen Gold den fünften Monat in Folge an Wert verlieren. Auf dem Ölmarkt bewegen sich die Kursen allerdings kaum.

Ein Goldbarren wird gewogen: Das Edelmetall verlor den fünften Monat in Folge an Wert. Reuters

Ein Goldbarren wird gewogen: Das Edelmetall verlor den fünften Monat in Folge an Wert.

FrankfurtPositive Aussichten für die Weltkonjunktur und eine nachlassende Inflationsgefahr haben beim Goldpreis zum längsten Abwärtstrend seit Anfang 1997 geführt. Das Edelmetall hat seit fünf aufeinanderfolgenden Monaten an Wert verloren und dürfte allein den Februar mit einem Verlust von vier Prozent beenden. Am Donnerstagmittag notierte die Feinunze Gold 0,5 Prozent niedriger bei 1589 Dollar.

Bessere Prognosen für die beiden weltgrößten Volkswirtschaften USA und China sowie eine vorläufige Entspannung in der Euro-Schuldenkrise haben die Nachfrage nach Gold geschmälert. Das Edelmetall wird von vielen Anlegern als Risikoabsicherung genutzt. Analysten gehen davon aus, dass der Goldpreis auch in naher Zukunft unter Druck bleiben wird. Der weltgrößte Gold-ETF, SPDR Gold Trust, verzeichnete zudem den siebten Handelstag in Folge Mittelabflüsse - die längste Negativphase seit Beginn dieses börsennotierten Indexfonds (ETF) mit physischer Besicherung. Die Bestände von goldunterlegten börsengehandelten Fonds (ETF) waren am Mittwoch mit 2508,53 Tonnen auf den niedrigsten Stand seit ebenfalls fünf Monaten gefallen.

Trotz der Verluste liegen die Goldnotierungen noch immer 80 Prozent über dem Stand von Ende 2008, als die US-Notenbank ihre Bilanz um über drei Billionen Dollar ausgeweitet hatte. Die Unze Silber sank um 0,1 Prozent auf 28,97 Dollar.

Steckt die Welt im Währungskrieg?

Warum hat der Euro an Wert gewonnen?

Der Höhepunkt der Euro-Krise im Jahr 2012 war ein Tiefpunkt für den Euro. Der Wechselkurs fiel bis auf 1,20 Dollar. Seitdem hat sich die europäische Währung wieder erholt. Aktuell notiert sie bei 1,35 Dollar.
Für Europas obersten Währungshüter, EZB-Chef Mario Draghi, ist klar: „Die Aufwertung ist ein Zeichen der Rückkehr des Vertrauens in den Euro.“ Dazu kam die sehr lockere Geldpolitik in Japan und den USA: Die dortigen Notenbanken öffneten ihre Geldschleusen extrem weit, machten damit ihre Währungen billig. Das funktioniert so: Investoren verkaufen Wertpapiere in Dollar oder Yen (zum Beispiel an die Zentralbank, die sie ihnen mit frisch gedrucktem Geld abnimmt) und kaufen stattdessen welche in Euro. Als Konsequenz ändern sich die Wechselkurse - die „Preise“ für Währungen, die Angebot und Nachfrage widerspiegeln.

Welche Ziele verfolgen die Notenbanken in den USA und Japan?

Draghi ist überzeugt: Es geht nicht um einen „Währungskrieg“ oder einen Wettlauf um die billigste Währung. Vielmehr seien die aktuellen Wechselkursbewegungen ein Nebeneffekt der diversen Bemühungen, die Wirtschaft anzuschieben. Allerdings ist der Ansatz der Notenbanken teils völlig verschieden: Während Preisstabilität vorrangiges Ziel der EZB ist, hat die US-Notenbank Fed explizit einen doppelten Auftrag: Stabile Preise und möglichst hohen Beschäftigungsstand. „Man löscht dann dort eben das Feuer, das am heißesten brennt“, erklärt Commerzbank-Notenbankexperte Bernd Weidensteiner. In Japan übte die Regierung massiv Druck auf die Notenbank aus, die Geldschleusen noch weiter zu öffnen - ein fatales Signal, wie Bundesbank-Präsident Jens Weidmann meint: Die Unabhängigkeit der Zentralbank sei essenziell.

Wie reagiert die Europäische Zentralbank?

EZB-Präsident Draghi erklärte, die Notenbank habe die Euro-Aufwertung als potenzielles Risiko für Konjunktur und Geldwertstabilität im Auge. In einen „Währungskrieg“ will sich die EZB aber bisher nicht hineinziehen lassen - auch weil geldpolitische Schritte zur gezielten Euro-Abwertung Reformen der Krisenstaaten bremsen könnten. „Bei einem Krieg gibt es immer nur Verlierer“, sagte EZB-Direktor Jörg Asmussen dem „Handelsblatt“. „Wenn andere Notenbanken einen anderen Weg gehen, müssen wir dem nicht automatisch folgen.“

Wer profitiert von einem starken Euro?

Für Verbraucher in Deutschland bringt ein starker Euro mehrere Vorteile: Urlaubsreisen in ferne Länder werden tendenziell günstiger, ebenso wie der Sprit an der Tankstelle. Tendenziell werden alle importieren Waren günstiger. Auch Unternehmen, die für ihre Produktion Rohstoffe wie Erdöl einführen müssen, können preiswerter einkaufen. Denn diese Rohstoffe werden in Dollar abgerechnet.

Wem schadet ein starker Euro?

Vor allem der deutschen Exportwirtschaft. Seit Sommer 2012 hat der Euro zu vielen Währungen aufgewertet. Waren aus dem Euroraum werden im außereuropäischen Ausland tendenziell teurer, das könnte die konjunkturelle Erholung im Euroraum gefährden. Deutsche Maschinenbauer spüren den stärkeren Euro bereits, weil ihre Produkte gegenüber der Konkurrenz aus den USA oder Asien teurer werden. Doch während sich deutsche Maschinen, Autos und Elektroprodukte auch über guten Ruf und Qualität verkaufen, dürfte der erstarkte Euro vor allem Euro-Krisenländern wie Griechenland, Portugal und Spanien zu schaffen machen. Allerdings bezweifelt EZB-Direktoriumsmitglied Asmussen, dass das Wechselkursthema entscheidend ist für die Wettbewerbsfähigkeit dieser Länder: „Da geht es um Lohnstückkosten, Bürokratiekosten, mangelnde Produktivität und überregulierte Produktmärkte.“

Ist der Euro gegenüber Dollar oder Yen schon überbewertet?

Laut Draghi bewegt sich der Euro in der Nähe seines langfristigen Durchschnittswerts. 2008 hatte der Euro mal beinahe 1,60 US-Dollar gekostet, 2003 weniger als 90 US-Cent. Glaubt man dem „Big-Mac-Index“ des Magazins „Economist“, dann ist der japanische Yen gegenüber Euro und US-Dollar noch unterbewertet. Der Index vergleicht den Preis für den gleichen Burger in verschiedenen Währungsräumen. Demnach kostete der Big Mac in den USA im Januar 4,37 Dollar, im Euroraum 4,88 Dollar, in Japan nur 3,51 Dollar. Bereinigt um die Wirtschaftskraft pro Kopf ist der Burger damit in Japan um 17,1 Prozent zu billig, in der Eurozone aber um 20,8 Prozent zu teuer. In Deutschland kostet der Big Mac übrigens demnach „nur“ 17,7 Prozent mehr als in den USA, in Griechenland aber 28,1 Prozent, in Italien sogar satte 34,6 Prozent mehr.

Am Ölmarkt notierte die US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Lieferung im April zuletzt mit 92,74 Dollar je Barrel. Die entscheidenden Marken, auf die wir schauen, liegen bei 88,50 Dollar bis hin zu 94,50 Dollar. „Die Erholung an den Aktienmärkten gibt Öl eine gewisse Unterstützung“, sagte Jonathan Barratt, Chef von Barratt's Bulletin, einen Rohstoffbrief in Sydney. Brent-Öl wurde am Terminmarkt mit 112,21 Dollar je Barrel 0,3 Prozent höher gehandelt.

Kommentare (5)

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Norbert

28.02.2013, 16:03 Uhr

"Talfahrt" beim Gold - was sagt uns das ??
Silber nachkaufen !!!!

Account gelöscht!

28.02.2013, 17:24 Uhr

Wow, positive Konjunkturaussichten UND gleichzeitig (trotz der letzten Gelddruckorgien und der angeblich anspringenden Konjunktur) nachlassende Inflations-Gefahren - gegen ein solches planwirtschaftliches WUNDER hat Gold nun wirklich keine Chance.

Sollten wir hier hingegen wie üblich angelogen werden ...

Und da habe ich noch kürzlich geschrieben, daß die Gold-Artikel im HB besser werden. Das war wohl ein großer Fehler. Jedenfalls bereue ich es.

Außerdem hasse ich implizite Propaganda, das ist so hinterhältig. Hier wird einem nämlich nicht so sehr gesagt daß Gold fällt (was es eigentlich gar nicht tut, es ist eine sehr lange Seitwärtsbewegung bislang), sondern es wird ins Unterbewußtsein implizit eingeschleust, daß die Konjunktur positive Aussichten hat (da hallunziniert jemand) und daß keine Inflation zu befürchten ist. Diese implizite Propaganda passiert leicht die Kontrolle des kritischen Bewußtseins, weil es ja gar nicht der eigentliche Diskussionsgestand ist.

Das ist gaaaaanz miese Propaganda, Freunde!
Wie sagte John Swinton schon 1880? ... Wir (Journalisten) sind die Werkzeuge und Vasallen reicher Menschen hinter der Szene. Wir sind die Marionetten, sie ziehen die Schnüre und wir tanzen. Unsere Talente, unsere Fähigkeiten und unsere Leben sind alle das Eigentum anderer. Wir sind intellektuelle Prostituierte.

Holzbirne

28.02.2013, 17:48 Uhr

@hafnersp

versilbern Sie ihr Gold,
es ist aus die Maus,

der einzige, der hier Realitätsverweigerung übt,
sind Sie.

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