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20.07.2015

10:25 Uhr

Rohstoffe

Goldpreis schießt nach unten

VonIngo Narat

Der Goldpreis war bereits auf ein Fünf-Jahres-Tief gerutscht – und fällt am Montag deutlich weiter. Vor allem im asiatischen Handel hatte es heftige Abschläge gegeben. Experten glauben, dass keine Besserung in Sicht ist.

Diese Gold verzierten Waffen wurden einst im Auftrag von Napoleon gefertigt. Sammler mögen sich für Kunstschätze interessieren, aber an der Börse hat das Edelmetall derzeit wenig Freunde.

Wertvolle Pistolen

Diese Gold verzierten Waffen wurden einst im Auftrag von Napoleon gefertigt. Sammler mögen sich für Kunstschätze interessieren, aber an der Börse hat das Edelmetall derzeit wenig Freunde.

FrankfurtEs scheint sich alles gegen das Gold verschworen zu haben: Der Dollar, die Zinsen, die Rohstoffe, die Inflation, die Spekulanten, die Goldfonds – und jetzt auch noch die Chinesen. Der Goldpreis ist heute so tief wie zuletzt vor fünf Jahren. Im asiatischen Handel durchschlug er kurz die Marke von 1100 Dollar je Unze nach unten. In Europa wurden wieder über 1110 Dollar für die 31,1 Gramm gezahlt.

Der kurzfristige Absacker am Montag früh hatte weniger mit den erwähnten Faktoren zu tun, sondern war anscheinend ausgelöst durch kurzfristig orientierte Trader. Schon in den Vorwochen hatten die spekulativen Positionen, die an den wichtigen Terminbörsen auf einen Preisverfall setzen, hohe Werte erreicht. Außerdem lagen im Bereich 1140 bis 1150 Dollar wichtige Unterstützungslinien, die in der jüngeren Zeit immer gehalten hatten. Werden Niveaus verletzt, löst das Anschlussliquidationen aus. „Der plötzliche Sturz scheint ausgelöst durch Stop-loss-Verkäufe, die nichts mit den Fundamentaldaten zu tun haben“, sagte deshalb ein Händler in Schanghai.

Die globalen staatlichen Goldreserven

Hintergrund

Die Daten des Internationalen Währungsfonds zeigen die Goldreserven ausgewählter Staaten (in Tonnen) zum Jahresende 2016. Die Statistik legt außerdem offen, wie groß der Anteil des Goldes an den gesamten staatlichen Währungsreserven ist. Viele Länder bunkern neben Gold große Devisenbestände, etwa in US-Dollar oder in Euro.

USA

Bestand: 8133,5 Tonnen

Gold-Anteil an staatlichen Reserven: 73,8 Prozent

Quelle: World Gold Council

Deutschland

Bestand: 3779,9 Tonnen

Gold-Anteil an staatlichen Reserven: 67,6 Prozent

Frankreich

Bestand: 2435,8 Tonnen

Gold-Anteil an staatlichen Reserven: 61,5 Prozent

China

Bestand: 1842,6 Tonnen

Gold-Anteil an staatlichen Reserven: 2,2 Prozent

Schweiz

Bestand: 1040,0 Tonnen

Gold-Anteil an staatlichen Reserven: 5,6 Prozent

Russland

Bestand: 1615,2 Tonnen

Gold-Anteil an staatlichen Reserven: 15,2 Prozent

Indien

Bestand: 557,8 Tonnen

Gold-Anteil an staatlichen Reserven: 5,7 Prozent

Großbritannien

Bestand: 310,3 Tonnen

Gold-Anteil an staatlichen Reserven: 8,5 Prozent

Die sinkende Beliebtheit bei den Investoren spiegeln auch die weiter fallenden Bestände bei den großen Goldfonds wider. Vom Top von knapp über 2600 Tonnen vor drei Jahren sind heute nur noch 1600 Tonnen übrig. Die Differenz entspricht etwa einem Drittel der jährlichen Minenproduktion. Der Trend gibt einen Hinweis auf die sinkende Popularität breiter Anlegerkreise, die hier schnell bei Gold ein- und aussteigen können – ohne mit den Problemen des physischen Erwerbs wie Lieferzeiten, Lagerung, Versicherung kämpfen zu müssen.

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Die Abwärtsdrift hatte sich bereits in der vergangenen Woche angedeutet. Sie wurde ausgelöst durch eine Bestätigung der US-Notenbankchefin Janet Yellen, sie werde die Leitzinsen noch in diesem Jahr erhöhen. „Die damit verbundene Stärkung des Dollars setzte den Goldpreis unter Druck“, urteilt Philip Klapwijk, Leiter der Beratungsfirma Precious Metals Insights in Hongkong. Die Verbindung Dollar-Zinsen-Gold ist so zu erklären: Höhere Zinsen machen den Dollar als Anlagewährung attraktiver, darunter leidet Gold, dem Metall, das als Alternativwährung zur Weltleitwährung angesehen wird. Bereits am Freitag war der Goldpreis auf ein neues Fünfjahrestief gefallen.

Kommentare (28)

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Ralf Bauer

20.07.2015, 10:56 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette 

Account gelöscht!

20.07.2015, 11:04 Uhr

Da Gold weder Zinsen noch sonst etwas abwirft, ist es lediglich für solche Leute geeignet die schon alles andere (Aktien, Immobilien etc.) reichlich haben.

Ergo, wenn man(n) aus einem gut diversifizierten und strukturierten Aktien-, Renten- und Immobilien-Portfolio durch Dividenden, Zinsen und Mieteinnahmen seinen Lebensunterhalt bestreiten kann, dann kann man(n) auch noch Gold haben.

Im Übrigen, ist für einen Euro-Local nur der Preis in Euro relevant, da Rohstoffe (u.a. auch Gold) eine negative €/$-Korrelation haben.

Herr Peter Lustig

20.07.2015, 11:11 Uhr

@Ralf Bauer, das sagt der der Bitcoins besitzt?!
Ralf, guter Witz.....

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