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12.10.2012

15:04 Uhr

Rohstoffe

Goldrausch in Griechenland

Griechenland droht zum Armenhaus Europas zu werden. Im Staatshaushalt klaffen riesige Löcher. Ein Ausstieg aus dem Euro wird deshalb immer wahrscheinlicher. Dabei ist das Land reicher als viele vielleicht glauben mögen.

Gold ist in Krisenzeiten gefragt. dpa

Gold ist in Krisenzeiten gefragt.

AthenDrei Jahre lang bemühte sich das Unternehmen von Steve Sharpe um die Genehmigung der griechischen Behörden, in dem Land nach Gold schürfen zu dürfen. Bevor European Goldfields in diesem Jahr letztendlich die Erlaubnis erhielt, war der Kurs des Unternehmens so stark eingebrochen, dass bereits ein Übernahme-Interessent an seine Tür klopfte.

“Um nichts in der Welt würde ich nach Griechenland zurückkehren”, sagt Sharpe, der frühere Chef für die Unternehmensentwicklung bei dem kanadischen Unternehmen. Er leitet mittlerweile ein Bergbauunternehmen im benachbarten Mazedonien.

Die Goldreserven der Staaten

USA

Goldschatz: 8.133,5 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 75,7 Prozent

Stand: Januar 2014

Deutschland

Goldschatz: 3.387,1 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 72,8 Prozent

Internationaler Währungsfonds (IWF)

Goldschatz: 2.814 Tonnen

Italien

Goldschatz: 2.451,8 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 72,1 Prozent

Frankreich

Goldschatz: 2.435,4 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 70,5 Prozent

China

Goldschatz: 1.054,1 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 1,7 Prozent

Schweiz

Goldschatz: 1.040,1 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 10,6 Prozent

Russland

Goldschatz: 1.015,1 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 9,5 Prozent

Japan

Goldschatz: 765,2 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 3,2 Prozent

Niederlande

Goldschatz: 612,5 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 59,7 Prozent

Indien

Goldschatz: 557,7 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 9,9 Prozent

Türkei

Goldschatz: 506,3 Tonnen

Europäische Zentralbank (EZB)

Goldschatz: 502,1 Tonnen, Anteil an den Währungsreserven: 32,9 Prozent

Doch Verzögerungen, wie sie Sharpe erfahren hat, zählen inzwischen immer mehr zur Vergangenheit. Die Krise hat sich in einigen Bereichen zu einem Antriebsmotor entwickelt, da sich die Regierung darum bemüht, Arbeitsplätze zu schaffen. Eldorado Gold und Glory Resources entwickeln zurzeit vier Minen, mit deren Hilfe Griechenland bis 2016 zum größten Goldproduzenten in Europa werden dürfte.

Der Goldbergbau kam auf Touren, nachdem Griechenland ein Eilverfahren für Genehmigungen ins Leben rief. Die Unternehmen aus Australien und Kanada gehen davon aus, dass durch ihre Förderung die Goldproduktion Griechenlands bis 2016 um 425.000 Unzen hochschnellen wird. Beim gegenwärtigen Preis am Tagesmarkt entspräche das etwa 750 Mio. Dollar. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr wurden in dem Land lediglich 16.000 Unzen gefördert.

“Es gibt eindeutige Hinweise darauf, dass Griechenland das Potenzial seiner Bergbaubranche mittlerweile erkannt hat”, sagt Jeremy Wrathall, Chairman von Glory Resources im australischen Perth. “Die Politiker erkennen immer mehr, dass es opportun ist, den Bergbau zu unterstützen, da er potenziell Stellen schafft.”

Auch bei der Privatisierung von Staatseigentum setzen die Griechen mittlerweile Eilverfahren ein. In der Bergbaubranche führt dies dazu, dass Projekte, die seit mehr als einem Jahrzehnt aufgrund von Bürokratie und Umweltschutz-Bedenken gestockt hatten, nun frei gegeben werden. Beim Goldabbau könnte das Land in vier Jahren Finnland überholen - die derzeitige Nummer eins in Europa mit 220.000 geförderten Unzen im Jahr 2011.

Kommentare (25)

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ELDORADO

12.10.2012, 13:09 Uhr

"Es ist seltsam, dass Griechenland wegen der politischen Lage vor der Krise noch praktisch unerforscht ist. Moderne Explorations-Technologien sind in dem Land noch nie eingesetzt worden."

Das ist nicht seltsam, sondern beabsichtigt. Beim Erdöl und Erdgas ist es genau so. Hier berichtet der Spiegel schon seit 1974 von den nicht ausgebeuteten Erdölreserven, deren Ausbeutung durch Griechenland bislang nicht im Interesse der USA war. Und jetzt, da man sich an jeden Strohhalm klammern muss und alles unter Wert verramschen muss, entdecken Konzerne aus USA und Israel "plötzlich" griechische Bodenschätze. Von dieser Exploration werden weder die Griechen, noch die Europäer was haben. Nein. ich bin kein Verschwörungstheoretiker, sondern Realist

Account gelöscht!

12.10.2012, 13:11 Uhr

Goldminen in Griechenland sind doch nur Peanuts. Das östliche Mittelmeer "schwimmt" offenbar in Gasreserven (Öl ebenfalls)- allein der Anteil Griechenlands wird auf Billionen (deutsche Billionen!) Euro geschätzt. Das ist kein Geheimnis, aber kaum ein Wort darüber in den deutschen Medien - wirklich seltsam. Ist dieser Kuchen schon aufgeteilt und wartet auf die Zeit nach einer Griechenland-"Entschuldung" auf Kosten der Gläubiger? Warum dienen diese Resourcen nicht als Sicherheiten für neue Kredite?

BiberESSENBaeume

12.10.2012, 13:12 Uhr

Eduardo Moure, Vice President und General Manager für Griechenland bei Eldorado, wettet mehr als 3 Mrd. Dollar darauf, dass der Widerstand gegen die Gold-Exploration in Griechenland beiseite geräumt werden wird.

Der kennt unsere Claudia Roth noch nicht, die findet bestimmt einen vom Aussterben bedrohten griechischen Goldjuchetenmistkäfer ;-)

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