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16.08.2012

15:14 Uhr

Rohstoffe

Heizöl so teuer wie zuletzt vor vier Jahren

Hausbesitzer, die mit Öl heizen haben ein Problem. Nach einem kurzen Zwischentief sind die Preise auf den höchsten Stand seit vier Jahren gestiegen. Händler raten, mit dem Kauf zu warten. Aber das kann auch schiefgehen.

Heizöllieferung. Es könnte ein teurer Winter werden. dpa

Heizöllieferung. Es könnte ein teurer Winter werden.

HamburgDie Heizölpreise sind auf den höchsten Stand seit vier Jahren gestiegen. Der bundesweite Durchschnittspreis kletterte am Donnerstag nach Einschätzung einschlägiger Internet-Portale auf mehr als 95 Euro für 100 Liter (bei Abnahme von 3000 Litern). Einzig im Sommer 2008 war Heizöl noch teurer; damals erreichte der Preis rund 98 Euro für 100 Liter. Gegenüber dem Preistief im Juni habe sich Heizöl damit bereits um 13 Euro verteuert, meldet der Marktbeobachter Tecson, ein Hersteller von Tankmesstechnik.

Sechs Fakten über die Rohstoffmärkte

Viel Verbrauch...

Die Weltbevölkerung wächst und wächst. Prognosen gehen davon aus, dass bis zum Jahr 2100 mehr als zehn Milliarden Menschen auf der Erde leben werden.

...und wenig Angebot

Rohstoffe wie Öl und Gold sind nicht endlos, dementsprechend teuer werden sie, wenn das Angebot sich verknappt.

13 Prozent

beträgt aktuell Chinas Anteil an der Weltwirtschaft. Die rohstoffhungrige Volksrepublik ist auf dem besten Wege die größte Handelsnation der Welt zu werden.

40 Prozent

der weltweiten Kupfer-, Zink- und Aluminiumproduktion verbrauchen die Chinesen.

30 Prozent mehr

als vor drei Jahren kosten nach Angaben des Food Price Index der Uno unsere Nahrungsmittel weltweit im Durchschnitt.

465 Prozent Gesamtrendite

konnten Anleger mit Aktien auf Goldminen seit 2002 einfahren.

Ursache für das Preishoch seien die steigenden Rohölpreise, die für die Nordsee-Sorte Brent inzwischen wieder bei 117 Dollar für ein Barrel (159 Liter) stehen. Das sind fast 30 Dollar mehr als beim Tiefstand im Juni. Das Ölembargo gegen den Iran und abnehmende Lagerbestände in den USA geben dem Ölpreis Auftrieb. Dazu kommt der schwache Euro, der bei 1,23 Dollar vor sich hin dümpelt. Im Frühjahr, als die Rohölpreise schon einmal zum Höhenflug ansetzten, gab es für einen Euro noch zehn US-Cent mehr. „Die Kosten der europäischen Schuldenkrise werden dadurch schon heute für die Verbraucher spürbar“, sagte der Hamburger Energieexperte Steffen Bukold. Öl wird in Dollar bezahlt, deshalb macht ein schwacher Euro den Rohstoff nochmals teurer. In Euro gerechnet ist Rohöl so teuer wie noch nie.
„Es gibt keine besonders ausgeprägte Heizöl-Nachfrage, weil die Verbraucher im Sommer nicht so stark unter Kaufdruck stehen“, sagte Rainer Wiek vom Hamburger Energie-Informationsdienst EID. „Wir haben aber nach wie vor einen relativ hohen Leerstand in den Heizöltanks, der sich irgendwann in Nachfrage niederschlagen wird.“ Die Hoffnung der Käufer auf ein nachhaltig niedrigeres Preisniveau sei schon im vergangenen Jahr immer wieder enttäuscht worden und auch der Preisrückgang von April bis Juni dieses Jahres sei nur von kurzer Dauer gewesen und beinahe schon wieder aufgeholt.

Die Wächter der Ölreserven

Was ist die Internationale Energieagentur?

Die Internationale Energie-Agentur (IEA) ist eine Kooperationsplattform im Bereich der Erforschung, Entwicklung, Markteinführung und Anwendung von Energietechnologien.

Seit 2007 wird sie vom Japaner Nobuo Tanaka geleitet, Chef-Ökonom ist der türkische Wirtschaftswissenschaftler Fatih Birol.

Die wichtigen Publikationen der IEA, die jährlich erscheinenden "Key Energy Statistic" und der "World Energy Outlook", erfahren weltweite Aufmerksamkeit. Letzterer wird sogar als "Bibel der Energiewirtschaft" bezeichnet.

Wann wurde die Organisation gegründet?

Die Internationale Energieagentur (IEA) wurde im Jahr 1973 von 16 Industrienationen gegründet. 1974 wurde sie als autonome Einheit der OECD (Organisation for Economic Co-Operation and Development) mit Sitz in Paris eingerichtet.

Warum wurde die IEA gegründet?

Gegründet wurde die Organisation um gemeinsam gegen die damalige Ölkrise, also die starken Erhöhungen des Rohölpreises 1973, vorzugehen. Diese hatten deutliche Rezessionen in den Industrieländern ausgelöst.

Wer sind die Gründungsmitglieder?

Die 16 Gründungsmitglieder sind:

Belgien , Dänemark, Deutschland, Großbritannien, Irland, Italien, Japan, Kanada, Luxemburg, die Niederlande, Österreich, Spanien, Schweden, Schweiz, Türkei und die USA.

Wieviele Mitglieder hat die IEA heute?

Mittlerweile ist die Mitgliederanzahl auf 28 angestiegen. Hinzugekommen (mit Beitrittsjahr) sind:

Griechenland (1977), Neuseeland (1977), Australien (1979), Portugal (1981), Finnland (1992), Frankreich (1992), Ungarn (1997), Tschechien (2001), Südkorea (2002), Slowakei (2007) und Polen (2008).

Sonderfall Norwegen

Norwegen (seit 1974 dabei) ist zwar im formellen Sinn kein Teilnehmerland der IEA, beteiligt sich jedoch mit wenigen Ausnahmen - wie ein Mitglied - an den Arbeiten der IEA.
Der Sonderstatus erklärt sich mit Blick auf die im Verhältnis zu anderen IEA-Teilnehmerstaaten gute Erdölausstattung, die durch eine spezifischen Interessenlage Norwegens vor allem im Zusammenhang mit notstandsbedingten Verteilungsmaßnahmen deutlich wird.

Rechte & Pflichten der Mitglieder

- Teilnahme an gemeinsamen Forschungsprogrammen

- Sicherheitsvorrat an Erdöl für 90 Tage in den einzelnen Staaten

- Erstellung von entsprechend koordinierte Notfallpläne und -mechanismen.

- Verpflichtungen zur umfassenden Datenerhebung (Energiebilanz, Forschungsausgaben der öffentlichen Hand im Energiebereich,...)

- Alle vier Jahre findet zudem eine detaillierte Überprüfungen der Energiepolitik jedes Mitgliedstaates durch die IEA statt.

Wann zapft die IEA die Reserven an?

1991 bei der "Kuwaitkrise"

1999/2000 bei der "Jahrtausendwende" (Y2K-Problem)

2011 aufgrund schrumpfender Lieferungen aus Libyen

wurden die Ölvorräte geschlossen angetastet.

Internet-Portale wie Heizoel24.de, Brennstoffhandel.de und tecson.de geben unterschiedliche Empfehlungen an die Kunden und rechnen teilweise mit steigenden, aber auch mit fallenden Preisen in den kommenden Wochen. Der unabhängige Experte Bukold meint, die Heizölpreise sollten nicht mehr deutlich zulegen, sondern kurzfristig zwischen 90 und 95 Euro verharren und anschließend nachgeben. „Die Preishausse hat mit guten Argumenten begonnen, aber wird jetzt mit schwächeren Argumenten fortgesetzt“, sagte er. Durch Produktionsausfälle in der Nordsee sei der aktuelle Brent-Preis höher, als es die fundamentale Marktlage rechtfertige. An den Ölbörsen sorge zudem das Hintergrundrauschen von Irankrise und billigem Zentralbankgeld dafür, dass vermehrt Hedgefonds auf den fahrenden Zug springen und bei Preisschwächen sofort zukaufen.

Von

dpa

Kommentare (1)

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gruenenfeind

16.08.2012, 15:39 Uhr

Es wird Zeit, den Spekulationsverbrechern endgültig das Handwerk zu legen!

Das dürfte in der Praxis allerdings schwer werden, da der Staat prächtig mit verdient. Somit ist die Mafia unter sich.

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