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22.02.2016

16:43 Uhr

Rohstoffe

IEA-Prognose gibt Ölpreis Zusatzschub

Die Zahl der neuen Ölbohrungen in den Vereinigten Staaten sinkt und sinkt. Das hilft dem Preis für den Rohstoff. Die Internationale Energieagentur schätzt, dass die USA ihre Förderung bis 2017 drosseln werden.

Die Zahl der US-Bohrungen nach Öl sind auf den tiefsten Stand seit 2010 gefallen. dpa

Erdölförderung in Oklahoma

Die Zahl der US-Bohrungen nach Öl sind auf den tiefsten Stand seit 2010 gefallen.

Frankfurt am MainDie Erwartung der Internationalen Energieagentur (IEA) einer rückläufigen US-Ölproduktion hat am Montag weitere Anleger an den Rohstoffmarkt zurückgelockt. Die richtungsweisende Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee verteuerte sich um 5,6 Prozent auf 34,85 Dollar je Barrel (159 Liter). Das US-Öl WTI notierte sogar sechs Prozent höher bei 31,43 Dollar.

Der IEA zufolge wird die US-Ölproduktion wegen des harten Preiskampfs der Förderländer 2016 und 2017 zurückgehen. Dort wird der Rohstoff meist mit Hilfe des umstrittenen, technischen aufwendigen und teuren Fracking-Verfahrens gewonnen. Angebot und Nachfrage auf dem Weltmarkt würden sich frühestens 2017 wieder die Waage halten, fügte die IEA hinzu.

Der Ölindustrie-Dienstleiter Baker Hughes hatte am Freitagabend bekanntgegeben, dass die Zahl der US-Ölbohrungen in der vergangenen Woche auf 413 gefallen sei – den niedrigsten Stand seit Januar 2010. Vor einem Jahr wurde Öl noch an mehr als doppelt so vielen Stellen gefördert.

„Die aktuelle Zahl der aktiven Bohrlöcher impliziert im Jahres-Durchschnitt einen Rückgang der US-Produktion um 445.000 Barrel pro Tag“, schrieben die Analysten von Goldman Sachs in einem Kommentar. Ihre Kollegen von Morgan Stanley warnten jedoch vor überzogenen Erwartungen. Schließlich schwächele die Nachfrage, vor allem in China. Im Januar förderten die USA nach Angaben der US-Statistikbehörde für Energie etwas weniger als 9,2 Millionen Barrel pro Tag.

Die Chronik des Ölpreisverfalls

Der Verfall

Ein weltweites Überangebot bei schwächelnder Nachfrage setzt dem Ölpreis immer stärker zu. Noch im Juni 2014 kostete ein Barrel (Fass zu je 159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent 115,7 Dollar. Derzeit kostet ein Fass Öl aus der Nordsee weniger als 33 Dollar.

Die Gründe

Ein Grund für das Überangebot ist der Schieferölboom in den USA. Ein anderer ist die Förderpolitik der Opec, die anders als in früheren Jahren den Preis nicht durch die Senkung von Fördermengen stützen will oder kann. Stattdessen kämpfen die Kartellmitglieder mit Rabatten um ihre Marktanteile. Diese Preis-Meilensteine durchschritt die Ölsorte Brent seit Anfang 2015:

7. Januar 2015

Der Brent-Preis fällt zum ersten Mal seit Mai 2009 unter 50 Dollar je Fass.

13. Januar 2015

Mit 45,19 Dollar erreicht Brent den niedrigsten Stand seit März 2009.

3. Februar 2015

Spekulationen auf einen deutlichen Rückgang des Überangebots treiben den Preis für Brent wieder über 55 Dollar.

6. Mai 2015

Export-Ausfälle in Libyen schüren Spekulationen auf einen Versorgungsengpass: Der Ölpreis steigt bis auf 69,63 Dollar.

3. August 2015

Erstmals seit Januar rutscht Brent wieder unter die 50-Dollar-Marke. Auslöser ist ein Rekordanstieg der Ölproduktion der Opec-Länder im Juli.

24. August 2015

Aus Sorgen vor einer deutlichen Abkühlung der chinesischen Wirtschaft machen Anleger einen großen Bogen um Öl. Brent verbilligt sich um bis zu 6,5 Prozent auf 42,51 Dollar. Damit kostet das Nordsee-Öl so wenig wie zuletzt im März 2009.

8. Dezember 2015

Nachdem die Opec ihre Förderpolitik bestätigt hat und in der Abschlusserklärung nicht einmal mehr eine Zahl für die Obergrenze der Produktion auftaucht, gehen die Notierungen erneut in die Knie: Brent fällt auf bis zu 39,81 Dollar und ist damit so billig wie zuletzt im Februar 2009.

21. Dezember 2015

Brent kostet mit rund 36 Dollar so wenig wie zuletzt im Juli 2004.

4. Januar 2016

Nach der Hinrichtung eines schiitischen Geistlichen im sunnitischen Saudi-Arabien eskaliert der seit langem schwelende Konflikt zwischen dem Iran und dem Königreich. Dies macht eine gemeinsame Linie der beiden Opec-Mitglieder in der Ölpolitik unwahrscheinlich. Die Preise nehmen ihre Talfahrt wieder auf.

7. Januar 2016

Brent stürzt um sechs Prozent auf 32,16 Dollar ab und notiert damit so niedrig wie zuletzt im April 2004. Damals hatte der Preis zuletzt die 30-Dollar-Marke unterschritten.

Unabhängig von der rückläufigen US-Produktion übertrifft das weltweite Rohöl-Angebot die Nachfrage weiterhin. Daran ändere auch die von einigen Staaten geplante Deckelung der Fördermengen nichts, betonte Amos Hochstein, Sonderbeauftragter des Außenministeriums für Energie-Angelegenheiten. Schließlich pumpten viele Länder derzeit so viel Öl aus dem Boden wie noch nie.

Von

rtr

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