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13.06.2014

14:45 Uhr

Rohstoffe

Irak-Unruhen treiben Ölpreise nach oben

Mit großer Nervosität wird auf dem internationalem Ölmarkt die Eskalation der Krise im Irak beobachtet. Seit Tagen ziehen die Ölpreise an. Der Irak ist eines der wichtigsten Ölförderländer.

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LondonDie schweren Kämpfe im wichtigen Förderland Irak haben die Ölpreise weiter nach oben getrieben. Nach dem starken Preissprung vom Vortag legten die Notierungen weiter leicht zu. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juli erreichte am Freitag zeitweise mit 114,69 Dollar den höchsten Stand seit neun Monaten.

Der Ölmarkt reagiert seit Tagen mit großer Nervosität auf die Kämpfe im Irak, einem Mitglied der Organisation erdölexportierender Länder (Opec). Auch die Investoren an den Devisen- und Aktienmärkte zeigten sich besorgt. Die Unruhen im Irak trieben Anleger in als sicher geltende Währungen wie den US-Dollar. Auf den Aktienmärkten in Europa kam es zu Verlusten.

Deutschlands Ölreserven

Wie groß sind die deutschen Ölreserven?

Insgesamt 21 Millionen Tonnen. Davon sind zehn Millionen fertige Produkte wie Benzin, Diesel und Heizöl. Der Rest ist Rohöl. Die Menge reicht aus, um Deutschland im Falle eines kompletten Lieferausfalls für mindestens 90 Tage zu versorgen. Zuständig für die Verwaltung ist der Erdölbevorratungsverband. Die Körperschaft des öffentlichen Rechts ist dem Wirtschaftsministerium unterstellt.

Wo werden die Reserven gelagert?

Benzin und die anderen fertigen Produkte werden an 160 Standorten gelagert, die über ganz Deutschland verteilt sind. Der Erdölbevorratungsverband hat dazu Tanklager der großen Mineralölkonzerne angemietet. Das Rohöl wird in unterirdischen Hohlräumen gelagert, meist ehemaligen Salzstöcken. 60 Prozent gehören dem Verband, der Rest ist ebenfalls angemietet.

Wer finanziert den Erdölbevorratungsverband?

Die rund 120 Mitglieder. Raffinerien und Ölhändler müssen eine Zwangsabgabe zahlen, mit denen sich der Verband mit seinen 70 Mitarbeitern an den Standorten Hamburg und Bremerhaven finanziert. Das meiste Geld stammt von großen Raffineriebetreibern wie BP, Shell und Esso.

Wie wird das Öl auf den Markt geworfen?

Der Verband bietet das Öl zunächst seinen Mitgliedern an, die ein Vorkaufsrecht genießen. Was von ihnen nicht abgenommen wird, landet auf dem freien Markt. Die jetzt freigegebenen 4,2 Millionen Barrel werden in vier Tranchen angeboten. Der Preis orientiert sich an den jeweiligen Weltmarktpreisen.

Wird der Verkauf zum Verlustgeschäft?

Nein. Der Verband hat seit seiner Gründung 1978 - damals in Reaktion auf die zweite Ölkrise - viele Jahre Gelegenheit gehabt, sich zu günstigen Konditionen am Markt einzudecken. Ende der 90er Jahre war ein Barrel zeitweise für weniger als zehn Dollar zu haben, heute wird dafür das Zehnfache verlangt.

Wie oft wurden die Reserven schon angezapft?

Die Premiere gab es 1990, als nach dem Angriff des Irak auf das erdölreiche Kuwait die Sorge vor Lieferengpässen umging. Es dauerte 15 Jahre, ehe zum zweiten Mal auf die Reserven zurückgegriffen wurde. 2005 sorgte der Hurrikan Katrina im Golf von Mexiko dafür, dass die dortige Ölproduktion zum Erliegen kam. 500.000 Tonnen bot Deutschland damals an, um Engpässen vorzubeugen. Zuletzt wurden Ölreserven 2011 wegen des Libyenkrieges und der ausfallenden Ölproduktion des Landes freigegeben.

Der Preis für US-Rohöl erhöhte sich am Freitag zeitweilig um 50 Cent auf 107,03 Dollar. In der vergangen Nacht war er in der Spitze bis auf 107,68 Dollar geklettert und hatte damit den höchsten Stand seit September erreicht.

Das Land zählt neben Saudi-Arabien zu den Staaten mit den größten Ölvorräten der Welt. In den vergangenen Tagen hatten Kämpfer der radikal-islamischen Terrorgruppe Isis überraschend schnell große Gebiete im Norden des Förderlandes unter ihre Kontrolle gebracht. Meldungen zufolge sollen sich die Kämpfer weiter auf dem Vormarsch in Richtung der irakischen Hauptstadt Bagdad befinden.

„Angesichts der aktuellen Sicherheitslage ist es schwer vorstellbar, dass die Ölproduktion im Norden des Irak in absehbarer Zeit zurückkehren wird“, erklärten Rohstoffexperten der Commerzbank. Die Produktion im Süden des Landes, die mit etwa 90 Prozent den Löwenanteil der irakischen Ölexporte ausmacht, soll von den Kämpfen bislang noch nicht beeinträchtigt sein. Laut Commerzbank zeigt aber die Nervosität am Ölmarkt, dass auch die Ölproduktion im Süden nicht mehr als sicher eingeschätzt wird. Generell gilt unter Fachleuten: Sollte es im Irak zu großen Angebotsausfällen an Rohöl kommen, könnten diese durch das Opec-Kartell kaum ausgeglichen werden.

Der Preis für Opec-Rohöl legte zuletzt zu. Nach Berechnungen des Opec-Sekretariats vom Freitag kostete ein Barrel am Donnerstag im Durchschnitt 107,39 US-Dollar. Das waren 1,19 Dollar mehr als am Mittwoch. Die Opec berechnet ihren Korbpreis auf Basis der zwölf wichtigsten Sorten des Kartells.


Von

dpa

Kommentare (1)

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13.06.2014, 09:05 Uhr

Das freut die Erdöl exportierenden Länder.

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