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24.02.2017

16:17 Uhr

Rohstoffe

Iran pirscht sich an die Weltmärkte heran

VonMatthias Streit

Der Iran besitzt die größten Gasreserven der Welt. Ausgerechnet jetzt, da der Markt überversorgt und die Beziehung zu den USA wieder angespannter ist, will das Land im großen Stil exportieren. Ein kompliziertes Unterfangen.

In Teheran spricht er bei während des 38-jährigen Jubiläums der iranischen Revolution vor dem Freiheitsturm. AFP; Files; Francois Guillot

Irans Präsident Hassan Ruhani

In Teheran spricht er bei während des 38-jährigen Jubiläums der iranischen Revolution vor dem Freiheitsturm.

FrankfurtManchmal sagt ein Besuch mehr als tausend Worte: Auf Einladung hat der iranische Präsident Hassan Ruhani vor wenigen Tagen den Oman und Kuwait besucht. Die Bilder der Treffen mit dem omanischen Sultan sowie dem kuwaitischen Emir zeigen ausgelassene Gesichter, Männer in traditionellen Gewändern, den sogenannten Dischdascha, und Turban. Die Bilder vermitteln Botschaften ganz nach dem Geschmack des Irans.

Zur gleichen Zeit in der Nähe von Frankfurt. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt haben sich der iranische Vize-Ölminister und seine Gesandtschaft in das Kempinski Hotel Gravenbruch zurückgezogen. Hier empfangen sie potenzielle Investoren und Vertreter internationaler Großkonzerne auf dem CWC Iran Gas & LNG Partnerships Summit. Statt Dischdascha und Turban tragen die Iraner hier Anzug und Krawatte. Ebenfalls Bilder ganz nach dem Geschmack des Irans.

Nach Jahren der Sanktionen durch den Westen pirscht sich das rohstoffreiche Land wieder an die Weltmärkte heran. Eine aufpolierte Beziehung zu den Golfstaaten könnte der erste Schritt auf den großen Weltmarkt sein. Öl exportiert das Land ja schon. Nun will das Land die Welt mit Gas versorgen. Die Voraussetzungen dafür sind jedenfalls da: Der Iran sitzt auf den größten Gasreserven der Welt. Allerdings kommen die Avancen zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt: Die Gasmärkte sind hoffnungslos überversorgt und nach den jüngsten Verspannung mit dem neuen US-Präsidenten Donald Trump, macht sich bei den internationalen Konzernen Nervosität breit. Ein Unterfangen zwischen Euphorie und Scheitern.

Die größten Erdölproduzenten (2016)

Opec als größter Rohölproduzent

Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) stellt mehr als ein Drittel des weltweit produzierten Rohöls bereit. Ihre 14 Mitgliedsstaaten sitzen auf mehr als 70 Prozent aller Ölreserven.

Quelle: dpa

Opec II

Laut einer Analyse des Energiekonzerns BP produzierte die Opec 2014 knapp 37 Millionen Barrel Öl und verwandte Produkte am Tag. Weltweit wurden 89 Millionen Barrel am Tag produziert. Die Größten Ölproduzenten im Überblick:

USA

12 Millionen Barrel

Saudi-Arabien

Zwölf Millionen Barrel

Russland

Elf Millionen Barrel

China

Vier Millionen Barrel

Kanada

Vier Millionen Barrel

Dabei sah alles schon so gut aus. Nachdem der Westen seine Sanktionen wegen des iranischen Atomprogramms im Januar 2016 weitgehend aufgehoben hat, bekundeten viele Staaten und Konzerne Interesse, in Gasfelder in dem persischen Land zu investieren. Voller Optimismus erklärt Vize-Ölminister Amir Hossein Zamaninia nun in Frankfurt: „Unsere Ressourcen sind sozusagen noch nicht einmal angezapft. Wir haben allenfalls die Spitze des Eisbergs abgekratzt. Internationalen Partnern bieten wir die Gelegenheit für langfristige Partnerschaften.“

Insgesamt verfügt der Iran über 34 Billionen Kubikmeter Gas, dem reichsten Vorkommen der Welt, schätzt der Ölkonzern BP in seinem renommierten Energieausblick. Knapp dahinter folgt Russland mit 32,3 Billionen Kubikmeter Gas. Heute produziert der Iran aber gerade einmal ein Fünftel des russischen Volumens. Und während Russland reichlich exportiert, etwa nach Europa, konsumiert der Iran 95 Prozent seines Gases selbst – oder verschwendet es, in dem es verbrennt. „Wenn Sie über den Iran fliegen und die Gasflammen zählen wollen, werden Sie sich sehr schnell verzählen“, sagt Hans Nijkamp, Vize-Präsident von Shell und verantwortlich für das Iran-Geschäft des Konzerns. In den warmen Flammen wird aber wertvolles Gas und damit Geld verbrannt. Das soll sich schleunigst ändern.

Mit 29 Konzernen stehe der Iran bereits in Verhandlungen, um seine reichen Reserven zu erschließen. Derzeit gehe es um Verträge über 70 Milliarden Dollar. Mindestens die Hälfte davon will das Land innerhalb der nächsten Monate abschließen.

Prinzipiell haben internationale Konzerne schon Interesse. Der Iran, so der Tenor in der Branche, biete riesige Chancen. Als erstes hat Total im November 2016 einen zwei Milliarden Dollar schweren Deal unterzeichnet, um das bislang gewaltigste Gasfeld des Irans, South Pars, weiter zu erschließen. Teil dieses Abschlusses ist auch der chinesische Staatskonzern CNPC. Shell hat Ende vergangenen Jahres eine Absichtserklärung für die Erkundung von drei Öl- und Gasfeldern unterzeichnet. OMV hat mit dem Iran ebenfalls Absichtserklärungen unterzeichnet und plane in diesem Jahr, die Erkundung und vertragliche Grundlagen voranzutreiben. Siemens gehörte ebenfalls zu den Post-Sanktions-Pionieren und hat bereits eine erste Gasturbine in den Iran geliefert.

Nijkamp von Shell will keinen Zweifel aufkommen lassen. „Wenn Shell sich in einem Land engagiert, dann möchte das Unternehmen dort auch langfristig bleiben“, sichert Nijkamp dem Iran zu. Das Land besitze das Potenzial, zu einem regionalen Dreh- und Angelpunkt für das Gasgeschäft zu werden. Auch Zulieferer profitieren: So berichtet etwa der schweizerische Anlagenbauer Sulzer, dass die Geschäfte gen Iran seit Anfang 2016 stark zugenommen hätten. Vorher seien sie aufgrund der Sanktionen praktisch tot gewesen.

Kommentare (6)

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Rainer von Horn

24.02.2017, 15:48 Uhr

Das kann man ignorieren. Ein Staat, der sich anschickt aus Windstrom Methan herzustellen und bei Bedarf rückzuverstromen und dessen Bürger bereit sind tendenziell später 1,00 Euro pro KWh zu zahlen -oder alternativ im Dunkeln zu frieren-, der hat auch keinen Bedarf an iranischem Gas, mit dem dann die Strom-KWh unter 10 Cent kosten würde.

Baron v. Fink

24.02.2017, 16:19 Uhr

All das schreibe ich seit Monaten, LNG in Motoren, Heizungen, Kraftwerke, u.s.w. Entweder das Zeug oder die Asiaten ersticken in ihren Städten. Indien und China +30% dieses Jahr.
Trandportiert wird das Gas verflussigt in Tanker von den Finken mit 10% Dividende.
Reich werden mit LNG Tanker, wie schon oft geschrieben Ha Ha Ha

Rainer von Horn

24.02.2017, 16:27 Uhr

Herr Baron,
ich hoffe Ihre LNG-Tanker meiden Deutschland. Wir können das billige LNG hier nicht brauchen, wir bevorzugen teures Windgas, wegen den Subventionen. Das billige LNG soll sonst wer verfeuern.

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