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12.06.2014

13:46 Uhr

Rohstoffe

Kämpfe im Irak - Ölpreis steigt kräftig

Der Irak droht im Chaos zu versinken: Islamisten rücken im Norden des Landes vor – wo die meisten Ölreserven liegen. Auf dem Rohstoffmarkt sorgt das für Unruhe. Der Preis für Öl zieht deutlich an.

Die irakische Armee zieht sich aus Kirkuk zurück. Die Verteidigung der Stadt sollen kurdische Truppen organisieren. dpa

Die irakische Armee zieht sich aus Kirkuk zurück. Die Verteidigung der Stadt sollen kurdische Truppen organisieren.

SingapurDer Vormarsch islamistischer Kämpfer im Irak hat den Ölpreis am Donnerstag kräftig in die Höhe getrieben. Die richtungweisende Nordsee-Sorte Brent verteuerte sich um bis zu 2,1 Prozent und kostete mit 112,29 Dollar je Barrel (159 Liter) so viel wie zuletzt Anfang März. Der Terminkontrakt auf das US-Öl WTI stieg sogar auf ein Neun-Monats-Hoch von 106,34 Dollar.

"Es herrscht Furcht, dass die Kämpfe die irakischen Öl-Exporte bedrohen", sagte Rohstoff-Händler Christopher Bellew vom Brokerhaus Jefferies Bache. Sollte das Land als Lieferant ausfallen, müsse mit weiteren kräftigen Preisaufschlägen gerechnet werden. Ähnlich äußerten sich die Experten der Commerzbank. "Derart große Angebotsausfälle könnten kaum kompensiert werden."

Genährt wurden die Spekulationen auf eine Störung des Erdöl-Nachschubs von der Flucht der irakischen Armee aus der Öl-Stadt Krikuk im Norden des Landes. Die wichtigsten Verlade-Anlagen befinden sich allerdings im Süden rund um Basra. Dort werden täglich rund 2,6 Millionen Barrel Rohöl umgeschlagen. Die Lage in diesem Gebiet sei "sehr, sehr sicher", betonte der irakische Ölminister Abdul Karim Luaibi. Außerdem sei die größte Raffinerie des Landes, Baidschi, weiterhin unter Kontrolle der Regierung.

Die Städte Mossul und Tikrit

Mossul

Die Handels- und Wirtschaftsmetropole rund 400 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Bagdad am Ufer des Tigris hat nach unterschiedlichen Angaben 1,5 bis 2,8 Millionen Einwohner. Neben großen Erdölraffinerien ist auch die Textilverarbeitung von Bedeutung. Schon in seiner frühen Geschichte war das bedeutende Zentrum auf der Handelsroute zwischen Indien, Persien und dem Mittelmeer bekannt für feine Baumwollstoffe und Lederprodukte - der Stoff Musselin ist nach Mossul benannt. Heute ist Mossul ein wichtiger Handelsort zwischen der Türkei und dem Irak.
In der multiethnischen Hauptstadt der Provinz Ninive leben Araber, Kurden, Turkmenen und Assyrer. Viele Angehörige der früher bedeutenden christlichen Minderheit sind nach dem Sturz Saddam Husseins 2003 vor Krieg und Terror aus Mossul geflohen. Einst war die Stadt nahe der bis zu 3500 Jahre alten Ruinen des assyrischen Ninive ein Zentrum des irakischen Tourismus. Neben Palästen, Kirchen und Klöstern zeugt das erhaltene Minarett der 640 gebauten Umayyaden-Moschee von der reichen Geschichte Mossuls.

Tikrit

Die Geburtsstadt Saddam Husseins liegt etwa 175 Kilometer nördlich von Bagdad. Der vorher bescheiden von Ackerbau und Handel lebende Ort wurde unter dem früheren Machthaber zur modernen Hauptstadt der Provinz Salah ad-Din mit 260.000 Einwohnern (2003) ausgebaut. Heute leben Schätzungen zufolge noch 100.000 Menschen in Tikrit.
In den vergangenen Jahren war die Stadt mehrfach Schauplatz verheerender Terroranschläge. 2011 wurden bei einer Geiselnahme im Provinzparlament und der anschließenden Befreiungsaktion 65 Menschen getötet, darunter Dutzende Abgeordnete. Für die muslimische Welt hat Tikrit große Bedeutung als Geburtsort von Sultan Saladin im 12. Jahrhundert, der die Kreuzritter besiegte und Jerusalem eroberte.

Für zusätzliche Nervosität unter Investoren sorgten die Überlegungen des Nachbarlandes Türkei, militärisch einzugreifen. In den vergangenen Tagen wurden von der extremistischen Organisation Islamischer Staat im Irak und in der Levante (Isil) 80 Türken verschleppt, allein 49 bei einem Angriff auf das türkische Konsulat in Mossul.

Isil-Kämpfer bringen im Norden des Landes immer mehr Gebiete unter ihre Kontrolle. Sie kämpfen auch gegen die Regierung im benachbarten Syrien und wollen die eroberten Gebiete über die Grenze hinweg zu einem islamischen Staat verschmelzen.

Von

dpa

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