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13.09.2016

15:45 Uhr

Rohstoffe

Kein Ende der Ölschwemme in Sicht

VonMatthias Streit

Die Internationale Energieagentur hat zuletzt 2017 einen ausgeglichenen Ölmarkt erwartet, zieht diese Prognose aber wieder zurück. Ein entscheidender Faktor für den Ölpreis dürfte der Ausgang der Wahlen in den USA sein.

Die Ölvorräte der OECD-Staaten sind prall gefüllt. dpa

Fass um Fass

Die Ölvorräte der OECD-Staaten sind prall gefüllt.

FrankfurtDie Internationale Energieagentur (IEA) befürchtet laut ihrem aktuellen Ölmarktreport, dass sich die globale Nachfrage schwächer entwickelt als bislang erwartet. Zuletzt rechnete die Agentur, die die OECD-Staaten in Energiefragen berät, noch damit, dass sich Angebot und Nachfrage spätestens im ersten Halbjahr 2017 ausgleichen. Nun scheint diese Prognose hinfällig.

Denn auf die große Frage, wann der globale Ölmarkt wieder ausgeglichen sei, bleiben die Experten in ihrem Bericht eine konkrete Antwort schuldig. Stattdessen heißt es: „Wir müssen wohl noch eine Weile warten.“ Die IEA erwartet kaum eine Veränderung bei Angebot und Nachfrage auf dem Ölmarkt. Damit dürfte das Angebot weiterhin die Nachfrage übersteigen, zumindest bis in das erste Halbjahr nächsten Jahres, stellte die IEA weiter fest. Derzeit werden auf der Welt täglich 97 Millionen Fass Öl aus dem Boden gepumpt.

Die Folgen des Billigöls

1. Billiges Erdöl treibt die Wirtschaft an

Tatsache ist: Europas Verbrauchern nutzen die Niedrigpreise sehr. Im Februar war Energie im Euroraum dem Statistikamt Eurostat zufolge 8,0 Prozent günstiger als vor einem Jahr, bei Haushaltsenergie und Sprit in Deutschland nach Angaben des Statistischen Bundesamts 8,5 Prozent. Von Mitte 2014 bis Ende 2015 verbilligte sich das „schwarze Gold“ um zwei Drittel, das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut meldete beim Rohstoffpreis-Index den tiefsten Stand seit 2004. Die Deutschen gaben 2015 laut Mineralölverband 13,5 Milliarden Euro weniger für Sprit und Heizöl aus. Auch große Teile der Industrie freuen sich: Je billiger der Schmierstoff der Weltwirtschaft, umso mehr Entlastung im Einkauf.

Wahr ist aber auch: Die Chemie zum Beispiel muss bessere Konditionen oft mit niedrigeren Preisen für Kunst- oder Farbstoffe an ihre Kunden weitergeben. Beim Branchenriesen BASF etwa sank der Überschuss 2015 auch deshalb um fast ein Viertel auf rund 4 Milliarden Euro.

2. Bald steigen die Ölpreise stark, dann kommt das böse Erwachen

„Langfristig dürfte ein steigender (Öl-)Preis die Geldentwertung anheizen“, glaubt Eugen Weinberg von der Commerzbank. Die Gefahr: Wenn es mächtigen Förderländern gelingt, das Fracking in den USA aus dem Markt zu drängen, könnte das Angebot knapp werden und die Kosten hochkatapultieren. Für Flüssigtreibstoffe ermittelte die französische Bank Société Générale von 2005 bis 2015 einen Rückgang der Preise um fast 30 Prozent. Die Internationale Energieagentur (IEA) sieht aber allerspätestens 2021 deutliche Erhöhungen. „Für Verbraucher ist es einfach, sich durch niedrige Preise einlullen zu lassen, aber sie sollten die Signale nicht überhören“, warnte IEA-Chef Fatih Birol.

Zwar ist vor allem die kühlere Konjunktur in China ein Grund; dort gab es 2015 mit 6,9 Prozent das schwächste Wachstum seit 25 Jahren. Aber auch unklare Ziele des Opec-Kartells spielen eine Rolle. Der Iran will nach dem Ende der Sanktionen Öl exportieren, die Saudis und das Nicht-Opec-Mitglied Russland peilen eine Deckelung der Produktion an. Wenn mehr US-Quellen dicht machen, könnten am Ende Engpässe - so fürchtet Birol - zu „nach oben schießenden Ölpreisen“ führen.

3. Das Billigöl würgt den Börsen-Boom endgültig ab

Weltweit haben Aktienbesitzer nach dem Jahreswechsel herbe Verluste einstecken müssen. Ein Grund, der neben der befürchteten schwächeren Weltkonjunktur oft genannt wird: das Ölpreis-Tief. Dauerhaft billige Rohstoffe werten die Märkte als Zeichen schrumpfender Nachfrage.

Chinas Schwäche sorgt weiter für Zweifel - zusammen mit den dortigen Finanzmarkt-Turbulenzen und Exporten, die im Februar um ein Fünftel einbrachen. Und wie lange können Förderer Kredite voll bedienen? „Wir erwarten, dass Banken in ölexportierenden Regionen ein höheres Gläubiger-Risiko haben“, warnt die Ratingagentur Moody's. Sie prüft eine Abstufung von zwölf Förderländern, darunter Russland und Saudi-Arabien. Das Preistief werde wohl noch „mehrere Jahre“ dauern.

4. Das Klima verliert, denn günstiges Öl blockiert die Energiewende

Beim Pariser Klimagipfel Ende 2015 einigte sich die Weltgemeinschaft auf einen Verzicht auf fossile Brennstoffe bis Ende des Jahrhunderts. Solange die Abkehr von Öl, Gas und Kohle nicht klappt, verschleppt das Ölpreis-Tief die Energiewende zusätzlich, sagte Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung im Deutschlandfunk: „Ein niedriger Ölpreis behindert den Umstieg Richtung Energiesparen.“ Prognosen zum Welt-Energiebedarf gibt es viele. So erwartet BP, dass die Fossilen auch 2035 den Löwenanteil (60 Prozent) zur globalen Versorgung beitragen, obwohl erneuerbare Quellen parallel zulegen.

Die Schwellenländer wollen jedoch mehr Wohlstand - und brauchen dafür mehr Energie. Andererseits entlasten niedrige Ölpreise sie nur dann, wenn rückläufige Verkäufe sie nicht treffen. IWF-Chefin Christine Lagarde bot Hilfe an: „Der IWF steht offen für alle Mitglieder.“

5. „Die Elektroauto-Industrie wird unter niedrigen Ölpreisen leiden“

Dies sagt nicht irgendwer - sondern der schillernde Gründer des US-Elektroautobauers Tesla, Elon Musk. Über seine bei CNN geäußerte Einschätzung kann man streiten: Es gibt viele Faktoren, die eine „Verkehrswende“ erschweren. Elektroautos sind gegenüber Benzinern meist teuer, die Reichweite ist gering. Laut Kraftfahrt-Bundesamt kamen 2015 in Deutschland gerade 12 363 reine E-Autos zusätzlich auf die Straße, verglichen mit der Gesamtzahl von 3,2 Millionen Pkw. Die Bundesregierung hat zu möglichen Subventionen noch keine klare Linie.

In der Auto-Nation USA jedenfalls schiebt das billige Öl den Absatz von Spritschluckern an. Nach Zahlen der Deutschen Bank stieg der Verkaufsanteil leichter Trucks dort zwischen 2000 und 2015 von 50 auf über 60 Prozent, während normale Pkw zuletzt 40 Prozent erzielten. Ursache: „das enorme Abrutschen der Öl- und damit der Benzinpreise“.

Eigentlich könne man bei den aktuellen Marktpreisen davon ausgehen, dass die Ölflut abebbe und die Nachfrage steige. „Doch das Gegenteil scheint der Fall“, heißt es in dem Report. „Die Nachfrage sinkt, das Angebot steigt.“ In der Folge seien die Ölvorräte der OECD-Länder so gut gefüllt wie nie zuvor. Allein in den OECD-Ländern seien die Lagerbestände auf einen Rekordwert von 3,1 Milliarden Barrel gestiegen. Damit ließe sich gemessen am heutigen Verbrauch die Welt 32 Tage lang versorgen.

Und nach den IEA-Zahlen bricht auf der anderen Seite die Nachfrage regelrecht ein. Stieg der Bedarf im zweiten Quartal 2016 noch um 1,4 Millionen Barrel pro Tag, verlangsamte sich der Anstieg im dritten Quartal auf nur noch 0,8 Millionen Barrel pro Tag – den niedrigsten Wert seit zwei Jahren.

Die Nachfrage werde 2017 wohl nur noch um 1,3 Millionen Barrel pro Tag steigen und damit knapp sieben Prozent weniger als bislang angenommen. Hintergrund sind ökonomische Unsicherheiten: Der Bedarf in China und Indien schwankt und nach einem Jahr billigen Öls hat sich die Weltkonjunktur offenbar an Preise um die 50 Dollar gewöhnt. Der Wirtschaftsstimulus aufgrund niedrigerer Ölpreise nehme ab.

Selbst die Organisation erdölexportierender Staaten, die OPEC, rechnet mit weiterem Druck auf den Ölpreis wegen der schwächeren Nachfrage. Das Kartell geht auch davon aus, dass Nicht-Opec-Länder mehr Öl fördern werden als bislang angenommen, hieß es in einem Bericht vom Montag. Auch die IEA rechnet damit, dass das Nicht-Opec-Angebot 2017 steigen wird, um knapp 400.000 Barrel. Allerdings war deren Produktion in diesem Jahr um rund 800.000 Barrel gefallen, nicht zuletzt wegen des starken Rückgangs der US-Förderung.

Diese war dank reicher Schieferöl-Quellen in den vergangenen Jahren erstarkt und maßgeblich für den Ölpreisverfall zwischen Juni 2014 und Februar 2016 verantwortlich. Der Ölpreis war von über 110 Dollar je Barrel (159 Liter) auf unter 30 Dollar gefallen. Zuletzt hatte er sich wieder auf knapp 47 Dollar für ein Fass der Nordseesorte Brent erholt – Produktionsausfällen und der Aussicht auf einen Ausgleich von Angebot und Nachfrage auf dem Ölmarkt in naher Zukunft sei Dank.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

13.09.2016, 15:34 Uhr

Warum sollte da eine Ende der Schwemme in Sicht sein...wir haben beim Oel gerade mal an Oberfläche gekratzt...es gibt noch für viele Jahrhunderte genug und im Überfluss an Oelförderstellen auf unseren Planeten.

Account gelöscht!

13.09.2016, 17:55 Uhr

ROHSTOFFE
Kein Ende der Ölschwemme in Sicht
von:
Matthias Streit
Datum:
13.09.2016 15:45 Uhr
Die Internationale Energieagentur hat zuletzt 2017 einen ausgeglichenen Ölmarkt erwartet, zieht diese Prognose aber wieder zurück. Ein entscheidender Faktor für den Ölpreis dürfte der Ausgang der Wahlen in den USA sein.
...............

REALITÄT GENAU ANSEHEN !

Russland braucht devisen !

VENEZUELA braucht Devisen !

IRAN braucht Devisen !

Und der IS-STAAT finanziert sich zum Teil auch so !

WER glaubt da an eine besserung ?


:-))))))))))))))))))))))


Die EU ? :-)))))))))))))))))))))))))


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