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16.06.2014

08:55 Uhr

Rohstoffe

Konflikt im Irak treibt Ölpreis

Sunnitische Terroristen sorgen für Unruhen im Irak – und auf dem Ölmarkt. Die Preise steigen immer weiter an. Experten warnen: Sollte sich der Konflikt bis in den Süden des Landes verschieben, drohen Lieferengpässe.

Sunnitische Kämpfer heben ihre Waffen im Irak. Sie sorgen für Unruhen im Land. Experten befürchten, dass die terroristischen Akte der Sunniten für Öllieferengpässe sorgen könnten. ap

Sunnitische Kämpfer heben ihre Waffen im Irak. Sie sorgen für Unruhen im Land. Experten befürchten, dass die terroristischen Akte der Sunniten für Öllieferengpässe sorgen könnten.

SingapurDie andauernden Kämpfe im Irak halten die Ölpreise auf erhöhtem Niveau. Am Montagmorgen kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im August 113,08 US-Dollar. Das waren 62 Cent mehr als am Freitag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte WTI zur Lieferung im Juli stieg um 55 Cent auf 107,46 Dollar.

Sowohl Rohöl aus den USA als auch aus Europa kostet derzeit so viel wie zuletzt vor neun Monaten. Ausschlaggebend ist der Konflikt zwischen dem irakischen Militär und der sunnitischen Terrorgruppe Isis, die Teile des Landes besetzt hält. Irak ist der zweitgrößte Produzent innerhalb des großen Ölkartells Opec.

Die Städte Mossul und Tikrit

Mossul

Die Handels- und Wirtschaftsmetropole rund 400 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Bagdad am Ufer des Tigris hat nach unterschiedlichen Angaben 1,5 bis 2,8 Millionen Einwohner. Neben großen Erdölraffinerien ist auch die Textilverarbeitung von Bedeutung. Schon in seiner frühen Geschichte war das bedeutende Zentrum auf der Handelsroute zwischen Indien, Persien und dem Mittelmeer bekannt für feine Baumwollstoffe und Lederprodukte - der Stoff Musselin ist nach Mossul benannt. Heute ist Mossul ein wichtiger Handelsort zwischen der Türkei und dem Irak.
In der multiethnischen Hauptstadt der Provinz Ninive leben Araber, Kurden, Turkmenen und Assyrer. Viele Angehörige der früher bedeutenden christlichen Minderheit sind nach dem Sturz Saddam Husseins 2003 vor Krieg und Terror aus Mossul geflohen. Einst war die Stadt nahe der bis zu 3500 Jahre alten Ruinen des assyrischen Ninive ein Zentrum des irakischen Tourismus. Neben Palästen, Kirchen und Klöstern zeugt das erhaltene Minarett der 640 gebauten Umayyaden-Moschee von der reichen Geschichte Mossuls.

Tikrit

Die Geburtsstadt Saddam Husseins liegt etwa 175 Kilometer nördlich von Bagdad. Der vorher bescheiden von Ackerbau und Handel lebende Ort wurde unter dem früheren Machthaber zur modernen Hauptstadt der Provinz Salah ad-Din mit 260.000 Einwohnern (2003) ausgebaut. Heute leben Schätzungen zufolge noch 100.000 Menschen in Tikrit.
In den vergangenen Jahren war die Stadt mehrfach Schauplatz verheerender Terroranschläge. 2011 wurden bei einer Geiselnahme im Provinzparlament und der anschließenden Befreiungsaktion 65 Menschen getötet, darunter Dutzende Abgeordnete. Für die muslimische Welt hat Tikrit große Bedeutung als Geburtsort von Sultan Saladin im 12. Jahrhundert, der die Kreuzritter besiegte und Jerusalem eroberte.

Die Ölfelder im Süden Iraks sind bislang von den Kämpfen verschont geblieben. Sollten sie in Mitleidenschaft gezogen werden, dürfte der Ausfall kurzfristig nicht durch die restlichen Opec-Länder aufzufangen sein, warnen Experten.

Von

dpa

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