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21.09.2013

12:29 Uhr

Rohstoffe

Krisenwährung Gold wieder gefragter

Keine Zinsen, keine Dividenden – die Nachteile einer Anlage in Edelmetall. Dennoch ist die Krisenwährung Gold derzeit wieder gefragt. Die anhaltende Geldflut der Notenbanken könnte für noch mehr Auftrieb sorgen.

Der langfristige Werterhalt, die langfristige Anlageperspektive und der unmittelbare Besitz – gute Gründe, um Geld zu Gold zu machen. dpa

Der langfristige Werterhalt, die langfristige Anlageperspektive und der unmittelbare Besitz – gute Gründe, um Geld zu Gold zu machen.

Frankfurt/MainFast 8000 Tonnen Gold horten deutsche Privathaushalte – Tendenz steigend. Die jüngsten Weichenstellungen der US-Notenbank Fed könnte dem Run auf das Edelmetall einen neuen Schub verleihen. Denn Gold gilt als Krisenwährung – zumal in Zeiten, in denen die Geldschwemme der Notenbanken Inflationsängste schürt.

„Gold kauft man nicht, um reich zu werden. Gold kauft man, um Risiken abzusichern“, sagt Eugen Weinberg, Rohstoffanalyst bei der Commerzbank. Und die Bereitschaft, für eine solche Versicherung zu zahlen, nehme tendenziell wieder zu. „Eigentlich würde ich mir wünschen, dass der Goldpreis in den nächsten Jahren fällt. Denn das würde bedeuten, dass die Welt wieder in Ordnung kommt.“ Doch den derzeitigen Kurs der Federal Reserve wertet Weinberg eher als Signal für eine Goldpreis-Hausse.

Was Sie über Gold wissen sollten

Was ist Gold?

Gold ist ein seltenes Metall mit einem Schmelzpunkt von 1064 Grad Celsius. Der Siedepunkt liegt bei 2856 Grad. Die chemische Abkürzung für Gold ist „Au“ und stammt vom lateinischen Wort „Aurum“ ab. Es hat mehrere Eigenschaften, die es für die Menschheit über die Jahre nützlich gemacht hat. Gold leitet extrem gut. Außerdem reagiert es nicht mit Wasser oder Sauerstoff.

Wie viel Gold wurde in der Geschichte gefördert?

Nach Schätzungen wurden in der gesamten Menschheitsgeschichte bis heute um die 166.600 Tonnen Gold aus Minen geholt. Ein Großteil davon – etwa zwei Drittel – seit 1950.

Wie viel Gold gibt es noch auf der Erde?

Die letzten Zahlen der US Geological Society gingen im Januar 2011 von weltweit 51.000 Tonnen aus.

Wie viel Gold wird pro Jahr abgebaut?

In den vergangenen Jahren waren es etwa 2.500 Tonnen pro Jahr.

Wo wird weltweit am meisten Gold abgebaut?

Überall auf der Welt wird Gold gewonnen. Aber beinahe ein Drittel des Goldes wird in nur drei Ländern abgebaut. An der Spitze liegt China mit 13,1 Prozent, darauf folgen die USA und Australien mit jeweils 9,1 Prozent.

Was passiert mit dem Gold?

29 Prozent des abgebauten Goldes kommt im Investmentbereich zum Einsatz, also in Form von Münzen und Barren. Aus 59 Prozent wird Schmuck gemacht. 12 Prozent wird von der Industrie verarbeitet.

Wo sind die größten Absatzmärkte für Gold?

Mit 1059 Tonnen ist Indien der mit Abstand größte Absatzmarkt für physisches Gold (Münzen, Barren, Schmuck). Dahinter liegt China mit 770 Tonnen. Im Vergleich dazu abgeschlagen sind die USA mit 213 Tonnen und Deutschland mit 154 Tonnen.

Quelle: World Gold Council

Wer sind die größten Goldbesitzer?

Größte Goldbesitzer sind die Notenbanken. Die Vereinigten Staaten sitzen auf rund 8.100 Tonnen, gefolgt von Deutschland mit 3.400 Tonnen und dem Internationalen Währungsfonds mit 2.800 Tonnen. Die Notenbanken waren über Jahre Netto-Verkäufer. Seit dem vergangenen Jahr sind sie jedoch wieder Netto-Käufer. Das Interesse kommt vor allem aus den Schwellenländern.

Statt wie erwartet die Geldschleusen langsam zu schließen, hatte die Fed am Mittwochabend angekündigt, ihre milliardenschweren Anleihenkäufe unverändert beizubehalten. Die überraschende Wende sorgte für Feierlaune an den Aktien- und Rohstoffmärkten: Der Dax schoss auf ein neues Rekordhoch, der Goldpreis verbuchte das größte prozentuale Tagesplus seit mehr als 15 Monaten und kletterte zwischenzeitlich auf über 1370 US-Dollar je Feinunze (31 Gramm).

Nach dem Ausverkauf am Goldmarkt im April und Juni sehen Experten nun eine Stabilisierung. Der Goldpreis habe sich auch dank einer hohen Nachfrage aus Asien erholt, konstatiert die Dekabank. Anfang April 2013 stand der Preis noch bei 1600 Dollar. Einen Monat später warfen institutionelle Anleger nach Verkaufsempfehlungen führender Investmentbanken und Hedgefonds-Manager das gelbe Edelmetall in großem Stil auf den Markt.

Ende Juni war der Preis für eine Feinunze schließlich auf 1180 US-Dollar abgesackt – der tiefste Stand seit Sommer 2010. Schon war von einem „Gold-Crash“ die Rede. Experten-Berechnungen zufolge brach der Goldpreis im zweiten Quartal 2013 insgesamt so stark ein wie seit 1920 nicht mehr.

„Mit einem Ende der ultra-expansiven Geldpolitik der großen Notenbanken würde der Goldpreis unserer Einschätzung nach deutlich nachgeben“, prognostiziert die Dekabank. Doch nach dem Rückzieher der Fed und dem Versprechen der Europäischen Zentralbank (EZB), die Zinsen auf absehbare Zeit niedrig zu halten, bleibt Gold zunächst ein glänzendes Investment.

Kommentare (9)

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Account gelöscht!

21.09.2013, 14:17 Uhr

Wie völlig richtig geschrieben kauft man Gold nicht, um damit zu spekulieren. Völlig im Gegensatz zu den Computer-Giralspielgeld-Zockern, die ja i.d.R. für Investmentbanken arbeiten und sich ihr Giralspielgeld selber auf Knopfdruck erschaffen können, (fast) in beliebiger Höhe - auch völlig ohne Kunden oder Kundeneinlage - und damit in Derivate gehen, bei denen jede physische Goldunze diese Planeten einhundertfach virtuell überzeichnet in der Zukunft versprochen, ver- oder geliehen, ge- oder verkauft wird. Nichts außer Computerbits wird bewegt, und sogar die nicht wirklich. Sogar der Terminus "Papiergold" ist unzutreffend.

Dieses System ist nicht nachhaltig und pysisches Gold kauft man, um nach dem zwingenden Zusammbenruch des Systems nicht ohne Vermögen dazustehen.

Die Fieberwertkurve des Goldes gemessen in Comutergiralspielgeld bis dahin ist irrelevant, vielleicht noch eher aussagefähig ist der Straßenpreis in indischen Großstädten. Letztlich werden beide explodieren, wenn das Ende absehbar wird. Erreicht die Weltwirtschaft vorher noch den Status Hyperinflation wird es langsam genug gehen, dabei noch zuschauen zu können.

Brieffuergstar

21.09.2013, 18:40 Uhr

Ich finde es zum schießen.
Überall fehlt Geld in den Kassen!
95 % aller Probleme sind auf das Geld zurückzuführen!
5 % der Menschen haben das Geld, was fehlt.
Kein Wähler, kein Moderator stellt den Politikern die Frage:
Müssen wir das jetzige Geldsystem, was auf Schulden basiert ist nicht mal abschaffen. Spätestens bei der nächsten Währungsreform, werden den Wählern die Augen aufgehen und feststellen, das unsere Politiker uns wieder und wieder belogen haben. Aber dann ist es zu spät und in 70 bis 80 Jahre geht das Spiel von vorne los.

Cassandra

21.09.2013, 19:40 Uhr

Ja im Gegensatz zu Papiergold ist reales Gold gefragt wie noch nie.

Zentralbanken und große Investoren wie Paulson und Sorros ziehen ihre realen Goldbestände aus den Hedgefonds ab und lagern sie lieber sicher in ihren eigenen Lagern für die kommenden weltweiten Unruhen.

Damit kommen die zig-fach gehebelten Papiergoldwettmärkte und das Goldleasing Ponzi-Schema der Bullionbankster unter Druck und die Papiergoldhedgefonds werden gezwungen ihr zunehmen wertlos werdenden Papiergold auf den Markt zu werfen, da ihnen das reale Gold zu Hinterlegung fehlt.

Und wenn sie dann ihre Lieferversprechungen an realen Gold nicht mehr einhalten können und die Gold Leasing Märkte einen der gewaltigsten jemals dagewesenen Short Squeeze erlebt, setzt der große Run ein.

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