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11.09.2014

14:19 Uhr

Rohstoffe

Nordseeöl wird immer billiger

Und die Preise fallen weiter: Mittlerweile ist Nordseeöl so billig wie seit fast zwei Jahren nicht mehr. Grund: Während das Angebot weiter steigt, bröckelt die Nachfrage weltweit immer mehr.

Pump-Einheiten auf einem Ölfeld bei Los Angeles: Die Preise fallen auch am Donnerstag. dpa

Pump-Einheiten auf einem Ölfeld bei Los Angeles: Die Preise fallen auch am Donnerstag.

Frankfurt/LondonDer Fall der Ölpreise an den Terminmärkten hat sich am Donnerstag mit unverminderter Schnelligkeit fortgesetzt. Sowohl Nordseeöl der Sorte Brent als auch US-Leichtöl der Sorte WTI rutschten bis zum frühen Nachmittag immer tiefer in den Keller und kosteten mit 96,72 Dollar und 90,43 Dollar je Fass (159 Liter) so wenig wie zuletzt im Juni 2012 und Mai vorigen Jahres. Noch im Juni hatte Brent über 115 Dollar notiert.

Nach Einschätzung der Internationalen Energiebehörde (IEA) stößt eine aufgrund der schleppenden Weltkonjunktur bröckelnde Nachfrage auf ein Überangebot an Öl, das vor allem aus Nordamerika auf den Markt fließt. Der jüngste Rückgang der Nachfrage sei bemerkenswert. Die Prognosen wurden entsprechend gesenkt. Zugleich rechnet die IEA zugleich damit, dass die Nicht-Opec-Länder ihre Förderung 2014 um 1,6 Millionen Barrel täglich und 2015 um 1,3 Millionen Barrel täglich erhöhen. Dies sei vor allem auf das Fracking in den USA zurückzuführen. Dabei wird Öl und Gas mittels Druck und Chemikalien aus dem Gestein gepresst. Daher werde der Bedarf an Öl aus den Opec-Ländern sinken, stellte die IEA weiter fest.

Meilensteine der Ölpreisentwicklung

Beginne der Ölförderung

Die ersten gewinnbringenden Erdölbohrungen finden Mitte des 19. Jahrhunderts statt. In dieser Zeit entstehen auch die ersten Raffinerien. Bis 1864 steigt der Ölpreis auf den Höchststand von 8,06 Dollar pro Barrel (159 Liter); inflationsbereinigt müssen damals im Jahresdurchschnitt 128,17 US-Dollar gezahlt werden. In den folgenden Jahrzehnten bleibt der Preis auf einem vergleichsweise niedrigen Level, fällt mitunter sogar, bedingt etwa durch den Erfolg der elektrischen Glühlampe, durch die Öl im privaten Haushalt nicht mehr zur Beleuchtung nötig ist.

Vollgas mit Benzin

Mit dem Erfolg des Automobils zu Beginn des 19. Jahrhunderts steigt die Öl-Nachfrage rasant; speziell in den USA, wo der Ford Modell T zum Massenprodukt wird. 1929 fahren insgesamt 23 Millionen Kraftfahrzeuge auf den Straßen. Der Verbrauch liegt 1929 in den Staaten bei 2,58 Millionen Fass pro Tag, 85 Prozent davon für Benzin und Heizöl. Die Preise bleiben allerdings weiter unter fünf Dollar pro Fass (nicht inflationsbereinigt), da auch mehr gefördert wird.

Negative Folgen der Weltwirtschaftskrise

In den 30er Jahren kommt die Große Depression, die Unternehmenszusammenbrüche, Massenarbeitslosigkeit, Deflation und einen massiven Rückgang des Handels durch protektionistische Maßnahmen zur Folge hat. Während der Weltwirtschaftskrise verringert sich die Nachfrage nach Erdöl und der Preis sinkt auf ein historisches Tief. 1931 müssen bloß noch 0,65 Dollar pro Barrel gezahlt werden (inflationsbereinigt etwa zehn US-Dollar). So billig sollte das schwarze Gold nie wieder sei.

Goldene Zeitalter des billigen Öls

Nachdem sich die Weltkonjunktur erholt hat, steigt der Preise für Öl wieder, bleibt aber konstant unter fünf Dollar pro Barrel. Für die Jahre zwischen dem Ersten Weltkrieg und der Ölkrise im Herbst 1973 spricht man deshalb vom „goldenen Zeitalter“ des billigen Öls.

Erste Ölkrise

In den 70er und 80er Jahren kommt der Ölpreis in Bewegung. Als die Organisation der erdölexportierenden Länder (Opec) nach dem Krieg zwischen Israel und den arabischen Nachbarn im Herbst 1973 die Fördermengen drosselt, um politischen Druck auszuüben, vervierfacht sich der Weltölpreis binnen kürzester Zeit. Zum Ende des Jahres 1974 kostet ein Barrel über elf Dollar (inflationsbereinigt fast 55 US-Dollar). Dies bekommen auch Otto-Normal-Bürger zu spüren: In Deutschland bleiben sonntags die Autobahnen leer, in den USA bilden sich Schlangen vor den Tankstellen.

Preisexplosion während des Golfkriegs

Während der zweiten Ölkrise in den Jahren 1979/1980 zieht der Ölpreis nach einem kurzfristigen Rückgang weiter an. Ausgelöst wird dies im Wesentlichen durch Förderungsausfälle und Verunsicherung nach der Islamischen Revolution. Nach dem Angriff Iraks auf Iran und dem Beginn des Ersten Golfkrieg explodieren die Preise regelrecht. Auf dem Höhepunkt im April 1980 kostet ein Barrel 39,50 Dollar (inflationsbereinigt 116 Dollar).

Niedrigpreise in den 80er und 90er Jahren

Die 80er und 90er Jahre sind – abgesehen von dem kurzzeitigen Anstieg verursacht durch den Zweiten Golfkrieg – eine Phase niedriger Ölpreise. Die Industriestaaten befinden sich in einer Rezession und suchten aufgrund vorhergehenden Ölkrisen mit besonders hohen Preisen nach alternativen Energiequellen. Weltweit gibt es Überkapazitäten. Während der Asienkrise 1997/1998 sinkt die Nachfrage weiter. Ende des Jahres 1998 werden 10,65 Dollar pro Barrel verlangt.

Ein rasanter Anstieg

Nach Überwindung der Krise wachsen die Weltwirtschaft und damit auch der Ölbedarf schnell. Selbst die Anschläge auf das World Trade Center 2001 sorgen nur für einen kurzen Rücksetzer. Anfang 2008 steigt der Ölpreis erstmals über 100 US-Dollar je Barrel, Mitte des Jahres sogar fast auf 150 Dollar. Ein Grund für den Preisanstieg war der Boom des rohstoffhungrigen China, mittlerweile zweitgrößter Verbraucher der Welt. Die Finanzkrise ließ den Preis Ende 2008 allerdings wieder abstürzen.

Ölpreis heute

Ein weltweites Überangebot hält die Preise weiterhin auf niedrigem Niveau. Aktuell kostet ein Barrel Brent rund 30 US-Dollar.

„Ob die OPEC immer noch der Ansicht ist, dass der Ölpreis für Produzenten 'gut' ist und 'alle glücklich sind', wie es noch im Juni beim OPEC-Treffen in Wien hieß, darf angezweifelt werden“, schrieben die Analysten der Commerzbank.

Auch für Russland dürfte der Preisverfall Folgen haben, denn wie die arabischen Golfländer ist der Ölpreis für den russischen Haushalt entscheidend. Rund 40 Prozent der Einnahmen des russischen Staates stammen aus dem Export von Rohöl. Im Haushaltsplan für 2014 rechnet die Regierung in Moskau mit einem durchschnittlichen Preis von 104 Dollar je Fass.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Herr Hans Maiser

11.09.2014, 09:08 Uhr

Das ist wegen dem Fracking.
Hoffentlich wird das bei uns verboten, wir wollen Putin ja nicht provozieren.
Sogas das linksgrün durchzogene Panorama der öffentlich rechtlichen musste zugeben, dass deren Anti-Fracking Berichterstattung nur Propaganda war.

https://www.youtube.com/watch?v=EZMhB9NdeNQ

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