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11.01.2016

18:14 Uhr

Rohstoffe

Öl bald bei 20 Dollar?

Der Ölpreis eilt von einem Tief zum nächsten. Nach Goldman Sachs wähnt nun auch Morgan Stanley die 20-Dollar-Marke in Reichweite. Hauptgrund sei aber nicht das Überangebot auf dem Weltmarkt.

Die Öl-Lagerbestände nehmen weiter zu. dpa

Fass um Fass um Fass

Die Öl-Lagerbestände nehmen weiter zu.

DüsseldorfÖlhändler dürften mittlerweile ziemlich abgehärtet sein. Der Öl-Preis hat seit Juni 2014 mehr als zwei Drittel seines Werts verloren. Doch was nun die größten Investmentbanken vorhersagen, dürfte den Ölhändlern dennoch einen Schock verpassen.

Nach Goldman Sachs prognostiziert nun auch die Investmentbank Morgan Stanley der Sorte Brent einen Kursrutsch auf 20 Dollar je Barrel (159 Liter). Das hat zwar auch mit dem anhaltenden Überangebot zu tun – im dritten Quartal 2015 wurden laut Energieministerium der USA täglich noch 1,8 Millionen Barrel pro Tag mehr gefördert, als der Weltmarkt benötigte - der nun wichtigste Preisdrücker sei aber ein ganz anderer.

Denn laut Morgan Stanley schlägt sich der US-Dollar in den aktuell niedrigen Preisregionen stark im Ölpreis nieder. Der Grund: Die beiden wichtigsten Sorten am Weltmarkt, Brent und WTI, werden hauptsächlich in Dollar gehandelt. Sie sind also stark abhängig vom Kurs der US-Währung. Die Morgan Stanley Banker rechnen vor, welche Konsequenzen das hat: Klettert die Währung um fünf Prozent, sinkt der Preis für ein Barrel um zehn bis 25 Prozent. Schließlich verteuert sich mit dem US-Dollar auch das Öl für Länder mit anderen Währungen.

Die Chronik des Ölpreisverfalls

Der Verfall

Ein weltweites Überangebot bei schwächelnder Nachfrage setzt dem Ölpreis immer stärker zu. Noch im Juni 2014 kostete ein Barrel (Fass zu je 159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent 115,7 Dollar. Derzeit kostet ein Fass Öl aus der Nordsee weniger als 33 Dollar.

Die Gründe

Ein Grund für das Überangebot ist der Schieferölboom in den USA. Ein anderer ist die Förderpolitik der Opec, die anders als in früheren Jahren den Preis nicht durch die Senkung von Fördermengen stützen will oder kann. Stattdessen kämpfen die Kartellmitglieder mit Rabatten um ihre Marktanteile. Diese Preis-Meilensteine durchschritt die Ölsorte Brent seit Anfang 2015:

7. Januar 2015

Der Brent-Preis fällt zum ersten Mal seit Mai 2009 unter 50 Dollar je Fass.

13. Januar 2015

Mit 45,19 Dollar erreicht Brent den niedrigsten Stand seit März 2009.

3. Februar 2015

Spekulationen auf einen deutlichen Rückgang des Überangebots treiben den Preis für Brent wieder über 55 Dollar.

6. Mai 2015

Export-Ausfälle in Libyen schüren Spekulationen auf einen Versorgungsengpass: Der Ölpreis steigt bis auf 69,63 Dollar.

3. August 2015

Erstmals seit Januar rutscht Brent wieder unter die 50-Dollar-Marke. Auslöser ist ein Rekordanstieg der Ölproduktion der Opec-Länder im Juli.

24. August 2015

Aus Sorgen vor einer deutlichen Abkühlung der chinesischen Wirtschaft machen Anleger einen großen Bogen um Öl. Brent verbilligt sich um bis zu 6,5 Prozent auf 42,51 Dollar. Damit kostet das Nordsee-Öl so wenig wie zuletzt im März 2009.

8. Dezember 2015

Nachdem die Opec ihre Förderpolitik bestätigt hat und in der Abschlusserklärung nicht einmal mehr eine Zahl für die Obergrenze der Produktion auftaucht, gehen die Notierungen erneut in die Knie: Brent fällt auf bis zu 39,81 Dollar und ist damit so billig wie zuletzt im Februar 2009.

21. Dezember 2015

Brent kostet mit rund 36 Dollar so wenig wie zuletzt im Juli 2004.

4. Januar 2016

Nach der Hinrichtung eines schiitischen Geistlichen im sunnitischen Saudi-Arabien eskaliert der seit langem schwelende Konflikt zwischen dem Iran und dem Königreich. Dies macht eine gemeinsame Linie der beiden Opec-Mitglieder in der Ölpolitik unwahrscheinlich. Die Preise nehmen ihre Talfahrt wieder auf.

7. Januar 2016

Brent stürzt um sechs Prozent auf 32,16 Dollar ab und notiert damit so niedrig wie zuletzt im April 2004. Damals hatte der Preis zuletzt die 30-Dollar-Marke unterschritten.

Die Ölschwemme mag den Preis unter die 60-Dollar-Marke gedrückt haben, schlussfolgern die Morgan Stanley-Analysten. Den Unterschied zwischen 35 und 55 Dollar je Barrel mache allen voran jedoch der Dollar aus, argumentieren sie. „Wenn wir uns die derzeitige Aufwertung des US-Dollars anschauen, scheint ein Ölpreis zwischen 20 und 25 Dollar durchaus wahrscheinlich.“

Damit schließt sich die Bank den Einschätzungen von Goldman Sachs an. Die hatten schon im September 2015 einen Fall unter die 20-Dollar-Marke prognostiziert. Die Ursache sahen sie jedoch in einem anderen Punkt: Schon bald würden die Kapazität der Öllager erreicht sein. Das wiederum könnte einen heftigen Einbruch erzwingen. Damit die Produktion an den Förderbrunnen weitergehen kann, müssten dann Vorräte zu Schleuderpreisen verkauft werden.

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