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18.01.2016

11:16 Uhr

Rohstoffe

Öl kostet so wenig wie seit 2003 nicht mehr

Nach dem angekündigten Ende der Iran-Sanktionen fällt der Preis für ein Barrel Brent zeitweise unter 28 Dollar. Beim Fall des Ölpreises ist kein Ende in Sicht. Einer bleibt trotzdem gelassen.

Atomabkommen

Aufhebung der Iran-Sanktionen setzt Ölpreis massiv unter Druck

Atomabkommen: Aufhebung der Iran-Sanktionen setzt Ölpreis massiv unter Druck

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New York/WienNach der Aufhebung der Wirtschaftssanktionen gegen das wichtige Förderland Iran hat sich die Talfahrt der Ölpreise fortgesetzt. In der Nacht zum Montag erreichten der Preis für Nordsee-Öl bei 27,70 US-Dollar je Barrel (159 Liter) und der Preis für US-Öl bei 28,36 Dollar je Fass den tiefsten Stand seit mehr als zwölf Jahren. Damit sind die beiden wichtigen Ölpreise für die Weltwirtschaft seit Jahresbeginn um etwa ein Viertel eingebrochen.

Im Vormittagshandel wurde zwar ein kleiner Teil der frühen Verluste wieder ausgleichen. Zuletzt kostete ein Fass Nordsee-Öl der Sorte Brent mit Lieferung im März aber nur 28,52 Dollar und damit 42 Cent weniger als am Freitag. Ein Fass der US-Sorte WTI zur Lieferung im Februar verbilligte sich um 38 Cent auf 29,04 Dollar.

Zum Wochenauftakt kommt der entscheidende Impuls für den Handel am Ölmarkt durch das Ende der Wirtschaftssanktionen gegen den Iran. Wegen der deutlichen Verringerung seines Atomprogramms hat das wichtige Mitgliedsland der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) den Weg für ein Ende der Wirtschaftssanktionen frei gemacht. Mit der Aufhebung der Sanktionen darf das islamische Land wieder Öl und Gas in die EU exportieren. Für den Markt hat das Ende der Sanktionen gegen den Iran eine große Bedeutung, weil das ölreiche Land bereits angekündigt hat, seine Rohölausfuhren um etwa 500.000 Barrel pro Tag hochzufahren.

Die Chronik des Ölpreisverfalls

Der Verfall

Ein weltweites Überangebot bei schwächelnder Nachfrage setzt dem Ölpreis immer stärker zu. Noch im Juni 2014 kostete ein Barrel (Fass zu je 159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent 115,7 Dollar. Derzeit kostet ein Fass Öl aus der Nordsee weniger als 33 Dollar.

Die Gründe

Ein Grund für das Überangebot ist der Schieferölboom in den USA. Ein anderer ist die Förderpolitik der Opec, die anders als in früheren Jahren den Preis nicht durch die Senkung von Fördermengen stützen will oder kann. Stattdessen kämpfen die Kartellmitglieder mit Rabatten um ihre Marktanteile. Diese Preis-Meilensteine durchschritt die Ölsorte Brent seit Anfang 2015:

7. Januar 2015

Der Brent-Preis fällt zum ersten Mal seit Mai 2009 unter 50 Dollar je Fass.

13. Januar 2015

Mit 45,19 Dollar erreicht Brent den niedrigsten Stand seit März 2009.

3. Februar 2015

Spekulationen auf einen deutlichen Rückgang des Überangebots treiben den Preis für Brent wieder über 55 Dollar.

6. Mai 2015

Export-Ausfälle in Libyen schüren Spekulationen auf einen Versorgungsengpass: Der Ölpreis steigt bis auf 69,63 Dollar.

3. August 2015

Erstmals seit Januar rutscht Brent wieder unter die 50-Dollar-Marke. Auslöser ist ein Rekordanstieg der Ölproduktion der Opec-Länder im Juli.

24. August 2015

Aus Sorgen vor einer deutlichen Abkühlung der chinesischen Wirtschaft machen Anleger einen großen Bogen um Öl. Brent verbilligt sich um bis zu 6,5 Prozent auf 42,51 Dollar. Damit kostet das Nordsee-Öl so wenig wie zuletzt im März 2009.

8. Dezember 2015

Nachdem die Opec ihre Förderpolitik bestätigt hat und in der Abschlusserklärung nicht einmal mehr eine Zahl für die Obergrenze der Produktion auftaucht, gehen die Notierungen erneut in die Knie: Brent fällt auf bis zu 39,81 Dollar und ist damit so billig wie zuletzt im Februar 2009.

21. Dezember 2015

Brent kostet mit rund 36 Dollar so wenig wie zuletzt im Juli 2004.

4. Januar 2016

Nach der Hinrichtung eines schiitischen Geistlichen im sunnitischen Saudi-Arabien eskaliert der seit langem schwelende Konflikt zwischen dem Iran und dem Königreich. Dies macht eine gemeinsame Linie der beiden Opec-Mitglieder in der Ölpolitik unwahrscheinlich. Die Preise nehmen ihre Talfahrt wieder auf.

7. Januar 2016

Brent stürzt um sechs Prozent auf 32,16 Dollar ab und notiert damit so niedrig wie zuletzt im April 2004. Damals hatte der Preis zuletzt die 30-Dollar-Marke unterschritten.

Schon jetzt lastet ein zu hohes Angebot auf den Ölpreisen. Vor allem die Opec hat zur Talfahrt der Notierungen beigetragen. Saudi-Arabien verfolgt als führendes Mitglied des Kartells die Strategie, Marktanteile zu verteidigen und Konkurrenten in den USA und Russland durch immer niedrigere Ölpreise aus dem Markt zu drängen.

„Momentan fördert die Opec gut eine Million Barrel pro Tag mehr Rohöl als vom Markt benötigt wird“, schätzte Rohstoffexperte Eugen Weinberg von der Commerzbank. Außerdem verschärfen sowohl die Schieferölproduktion in den USA als auch eine Ausweitung der russischen Fördermengen auf das höchste Niveau seit dem Ende der Sowjetunion die Lage auf dem Ölmarkt.

Zuletzt hatte auch die Furcht der Anleger vor einem Abflauen der Konjunktur in China die Ölpreise belastet. Nach einer Reihe von schwachen Wirtschaftsdaten und heftigen Turbulenzen an den chinesischen Finanzmärkten habe sich die Sorge vor einer schwächeren Rohöl-Nachfrage in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt verstärkt, sagte Weinberg. „China war in den vergangenen Jahren immerhin für etwa ein Drittel des Anstiegs der weltweiten Ölnachfrage verantwortlich“, so der Commerzbank-Experte.

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Der Preis für Opec-Rohöl fällt ebenfalls immer weiter. Am Montag teilte das Opec-Sekretariat mit, dass der Korbpreis am Freitag 24,74 US-Dollar pro Barrel betragen habe. Das waren 26 Cent weniger als am Vortag. Opec-Rohöl ist damit ebenfalls so günstig wie seit mehr als zwölf Jahren nicht mehr. Die Opec berechnet ihren Korbpreis auf Basis der zwölf wichtigsten Sorten des Kartells.
Der Ölminister Saudi-Arabiens, Ali al-Naimi, zeigte sich indes stoisch ruhig über die Entwicklung des Ölpreises: „Ich bin optimistisch, was die Zukunft angeht – die globalen Ölmärkte werden sich stabilisieren, Preise anziehen und die größten Ölförderländer miteinander kooperieren“, sagte al-Naimi der Nachrichtenagentur Bloomberg. Er räumte jedoch ein: „Das wird allerdings einige Zeit dauern“.

Von

dpa

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