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16.10.2013

09:30 Uhr

Rohstoffe

Ölkontrakte liegen im Minus

In Washington DC ist noch kein Ende des US-Haushaltsstreit in Sicht. Auch die Händler warten auf eine Einigung: Die Notierungen am Rohölmarkt schwächeln, der Goldpreis kann dafür leicht zulegen.

Der Kontrakt auf Öl der in Europa gängigen Sorte Brent wurde mit 109,83 Dollar je Barrel gehandelt. dpa

Der Kontrakt auf Öl der in Europa gängigen Sorte Brent wurde mit 109,83 Dollar je Barrel gehandelt.

SingapurAm Rohölmarkt haben die Notierungen am Mittwochmorgen geschwächelt, Händler sprachen wegen des Haushaltschaos in den USA von einer wachsenden Nervosität am Markt. Der November- Kontrakt für die US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) sank um 0,1 Prozent auf 101,16 Dollar je Barrel. Der Kontrakt auf Öl der in Europa gängigen Sorte Brent wurde mit 109,83 Dollar je Barrel 0,1 Prozent leichter gehandelt.

Der US-Haushaltsstreit scheint auf eine Entscheidung in letzter Minute zuzusteuern. Obwohl dem Land ab 17. Oktober die Zahlungsunfähigkeit droht, sollte bis dahin keine Anhebung der Schuldenobergrenze erfolgt sein, halten die Gespräche im Senat an. Sollte keine Einigung erfolgte, könnte die US-Konjunktur und damit die Nachfrage nach Öl beeinträchtigt werden.

„Es könnte zu verstärkter Volatilität kommen”, sagte David Lennox, Rohstoffanalyst der Fat Prophets in Sydney. „Der Markt wird zudem ein Auge auf die Verhandlungen mit dem Iran haben, aber ich gehe davon aus, dass die Anleger ihre Risiken bereits verringert haben.” Analysten gehen bei einem Erfolg der Gespräche und entsprechenden Auswirkungen auf die Sanktionen gegen den Iran davon aus, dass der Preis von Brent unter 100 Dollar fallen könnte.

Was passiert, wenn der Supermacht USA das Geld ausgeht?

Wie wahrscheinlich ist ein Zahlungsausfall der Supermacht?

Experten sind zunehmend besorgt. „Genauso, wie in den fünfziger Jahren ein Nuklearkrieg im Bereich des Möglichen lag, ist auch ein Zahlungsausfall der USA nicht mehr ausgeschlossen“, sagt Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank.

Holger Schmieding, Chefökonom der Berenberg Bank und normalerweise eher als Optimist bekannt, sieht ebenfalls „ernsthafte Risiken“. Robert Halver, Leiter der Aktienanalyse bei der Baader Bank, demonstriert hingegen Zuversicht: „Ich bin mir sicher, sie bekommen das hin.“ Doch fest steht: Die Gelassenheit schwindet. Die politischen Fronten in den USA scheinen verhärteter denn je.

Was passiert am Tag X?

Laut US-Finanzminister Jack Lew muss bis zum 17. Oktober eine Einigung erfolgen, ansonsten kommt die Pleite. Dennoch wird am Tag X zunächst kein Zahlungsausfall bei US-Staatsanleihen eintreten. Nach Einschätzung der Ratingagentur Moody's könnten sich die USA mit Haushaltstricks noch bis Mitte November über Wasser halten. Dann läuft die Zeit aus. Für viele Analysten wäre dies der größte anzunehmende Unfall.

Sollte es im November zu einem Zahlungsausfall der USA kommen, könnten Anleger in Panik verfallen. „Vor allem bei US-Staatsleihen würde es starke Verwerfungen geben“, sagt Asoka Wöhrmann, oberster Fondsmanager der Deutsche-Bank-Tochter DWS.

Nehmen die Märkte die Unsicherheit klaglos hin?

Nein. „Je länger sich die US-Streitigkeiten hinziehen, desto bedrohlicher wird die Situation auch für die internationalen Aktienmärkte und den nationalen Rentenmarkt“, warnt Analyst Jan Bopp vom Bankhaus Metzler. Zwar sind herbe Verluste oder größere Verwerfungen an den Aktienmärkten bislang ausgeblieben.

Zum Wochenstart zeigten die Kurven an den Kurstafeln an den meisten Börsenplätzen allerdings bereits nach unten - sowohl in Asien als auch in Europa. Die Angst vor einem Zahlungsausfall macht sich auch am US-Anleihemarkt bemerkbar: Die Versicherungsprämien auf amerikanische Staatsanleihen haben am Freitag den höchsten Stand in diesem Jahr erreicht.

Warum ist die Schuldenobergrenze überhaupt so wichtig?

Die USA können nur etwa 80 Prozent ihrer staatlichen Ausgaben aus Einnahmen wie beispielsweise Steuern finanzieren. Deshalb muss viel Geld in Form von Krediten an den Finanzmärkten aufgetrieben werden. Das ist grundsätzlich kein Problem. US-Staatsanleihen gelten traditionell als sicher.

Ein Grund: Die USA verschulden sich in der globalen Leitwährung Dollar, die ihre Notenbank Fed theoretisch in unbegrenzter Menge drucken kann. Allerdings hat sich das Land bereits im Ersten Weltkrieg selbst ein Schulden-Limit verordnet.

Das könnte nun zum Verhängnis werden. Das Debakel ist aber vor allem ein Ergebnis politischer Grabenkämpfe - die USA schieben zwar einen enormen Schuldenberg vor sich her, doch das hat ihre Gläubiger bislang noch nie wirklich gestört.

Der Goldpreis stieg am Kassamarkt mit 1283,90 Dollar je Unze um 0,1 Prozent zu. Damit präsentierte sich das Edelmetall, das am Vortag bis auf 1.251,85 Dollar gefallen war, weiterhin volatil. Sollte sich eine Einigung wegen der US- Schuldenobergrenze ergeben, dürfte die Nachfrage nach Anlagen zur Absicherung wie Gold nachlassen.

„Die Geschichte lehrt uns, dass Politiker vor dem Abgrund zurückschrecken”, schrieb Ric Spooner, Analyst bei CMC Markets in Sydney, in einem Kommentar. „Die Anleger scheinen angesichts der derzeitigen Situation eine abwartende Haltung einzunehmen.”

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