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04.02.2016

09:53 Uhr

Rohstoffe

Ölpreis bleibt auf Erholungskurs

Die Anleger setzen auf eine mögliche Förderkürzung und ein Krisentreffen der Ölförderstaaten. Dem Ölpreis verhilft das nach oben. Die Sorten Brent und WTI verteuern sich um jeweils zwei Prozent.

Anleger setzen auf Marktstabilisierung. dpa

Ölpreis

Anleger setzen auf Marktstabilisierung.

FrankfurtSpekulationen auf eine mögliche Förderkürzung haben den Ölpreis am Donnerstag erneut nach oben getrieben. Brent und WTI verteuerten sich in der Spitze um rund zwei Prozent auf 35,73 und 32,96 Dollar je Fass. Am Mittwoch waren die Preise bereits um sieben und acht Prozent nach oben geschnellt. Unter dem Druck des monatelangen Ölpreisverfalls sind einem Bericht aus dem Iran zufolge mehrere Rohölproduzenten zu einem Krisentreffen bereit. Darunter sollen sowohl Opec-Länder wie der Iran sein als auch Staaten, die nicht dem Kartell angehören. Auch Russland befürwortet demnach eine Zusammenkunft.

Die Chronik des Ölpreisverfalls

Der Verfall

Ein weltweites Überangebot bei schwächelnder Nachfrage setzt dem Ölpreis immer stärker zu. Noch im Juni 2014 kostete ein Barrel (Fass zu je 159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent 115,7 Dollar. Derzeit kostet ein Fass Öl aus der Nordsee weniger als 33 Dollar.

Die Gründe

Ein Grund für das Überangebot ist der Schieferölboom in den USA. Ein anderer ist die Förderpolitik der Opec, die anders als in früheren Jahren den Preis nicht durch die Senkung von Fördermengen stützen will oder kann. Stattdessen kämpfen die Kartellmitglieder mit Rabatten um ihre Marktanteile. Diese Preis-Meilensteine durchschritt die Ölsorte Brent seit Anfang 2015:

7. Januar 2015

Der Brent-Preis fällt zum ersten Mal seit Mai 2009 unter 50 Dollar je Fass.

13. Januar 2015

Mit 45,19 Dollar erreicht Brent den niedrigsten Stand seit März 2009.

3. Februar 2015

Spekulationen auf einen deutlichen Rückgang des Überangebots treiben den Preis für Brent wieder über 55 Dollar.

6. Mai 2015

Export-Ausfälle in Libyen schüren Spekulationen auf einen Versorgungsengpass: Der Ölpreis steigt bis auf 69,63 Dollar.

3. August 2015

Erstmals seit Januar rutscht Brent wieder unter die 50-Dollar-Marke. Auslöser ist ein Rekordanstieg der Ölproduktion der Opec-Länder im Juli.

24. August 2015

Aus Sorgen vor einer deutlichen Abkühlung der chinesischen Wirtschaft machen Anleger einen großen Bogen um Öl. Brent verbilligt sich um bis zu 6,5 Prozent auf 42,51 Dollar. Damit kostet das Nordsee-Öl so wenig wie zuletzt im März 2009.

8. Dezember 2015

Nachdem die Opec ihre Förderpolitik bestätigt hat und in der Abschlusserklärung nicht einmal mehr eine Zahl für die Obergrenze der Produktion auftaucht, gehen die Notierungen erneut in die Knie: Brent fällt auf bis zu 39,81 Dollar und ist damit so billig wie zuletzt im Februar 2009.

21. Dezember 2015

Brent kostet mit rund 36 Dollar so wenig wie zuletzt im Juli 2004.

4. Januar 2016

Nach der Hinrichtung eines schiitischen Geistlichen im sunnitischen Saudi-Arabien eskaliert der seit langem schwelende Konflikt zwischen dem Iran und dem Königreich. Dies macht eine gemeinsame Linie der beiden Opec-Mitglieder in der Ölpolitik unwahrscheinlich. Die Preise nehmen ihre Talfahrt wieder auf.

7. Januar 2016

Brent stürzt um sechs Prozent auf 32,16 Dollar ab und notiert damit so niedrig wie zuletzt im April 2004. Damals hatte der Preis zuletzt die 30-Dollar-Marke unterschritten.

Bisher haben sich die Förderländer nicht auf eine Drosselung ihrer Produktion verständigen können, die die Ölmärkte stabilisieren könnte. Der Preis für Rohöl ist in den vergangenen 18 Monaten um etwa 70 Prozent eingebrochen, weil der schwächelnden Nachfrage ein Überangebot gegenüber steht.
Unterstützt ist der Ölpreis auch von den zuletzt heftigen Verlusten der US-Währung, wodurch Rohstoffe für Anleger außerhalb des Dollar-Raumes billiger werden. Der schwächere Dollar habe sicherlich seinen Anteil an der jüngsten Preisrally beim Öl, aber die Schwankungen dürften hoch bleiben, erklärten Börsianer. Die steigenden US-Öllagerbestände könnten den Preisauftrieb bremsen. Morgan Stanley senkte die Preisprognose für das Nordsee-Öl Brent auf 30 Dollar von zuvor 49 Dollar je Fass.

Von

rtr

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