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24.02.2011

18:10 Uhr

Rohstoffe

Ölpreis-Explosion bedroht die Weltwirtschaft

VonRalf Drescher, Dietmar Neuerer

Der Ölpreisanstieg nimmt bedrohliche Formen an. Produktionsausfälle in Libyen treiben Brentöl auf knapp 120 Dollar. Die Investmentbank Nomura warnt bereits vor einem Anstieg über 200 Dollar. Knickt die Konjunktur ein?

Ein Fass Öl kostet mehr als 110 Dollar.

Ein Fass Öl kostet mehr als 110 Dollar.

DüsseldorfDie anhaltende Furcht vor Versorgungsengpässen als Folge der Unruhen in der arabischen Welt hat den Ölpreis am Donnerstag erneut drastisch in die Höhe getrieben. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Ölsorte Brent schoss am Donnerstag um bis zu 7,7 Prozent auf ein Zweieinhalb-Jahres-Hoch von 119,79 Dollar nach oben. Er blieb damit nur eine Handbreit unter der wichtigen Marke von 120 Dollar. Am Nachmittag ging der Preis auf rund 114 Dollar pro Fass zurück, nachdem die „Financial Times“ berichtet hatte, dass der weltgrößte Exporteur Saudi-Arabien über eine Ausweitung seiner Öllieferungen verhandelt. Die Aktienmärkte drückt die plötzliche Öl-Hausse den dritten Tag in Folge ins Minus. Der Deutsche Aktienindex verlor rund ein Prozent auf 7.125 Punkte. Zwischenzeitlich war der Index erstmals seit Ende Januar unter 7.100 Punkte gerutscht.

Experten der Deutschen Bank schlagen jetzt Alarm. Nach ihrer Einschätzung nähert sich der Ölpreis einer Marke, ab der er eine Gefahr für die Weltwirtschaft besteht. Sollte ein Barrel mehr als 120 Dollar kosten, wäre ein konjunktureller Wendepunkt erreicht, teilte das Kreditinstitut am Donnerstag mit. Bei dieser Marke mache der Ölmarkt dann mehr als 5,5 Prozent der gesamten weltweiten Wirtschaftsleistung aus. „Das war historisch ein Umfeld, in dem das globale Wachstum unter Druck kam“, schrieben die Experten. Allerdings müsste die Versorgung mit Öl aus Saudi-Arabien deutlich eingeschränkt sein oder es müsse zu anderen größere Störungen kommen, damit dieses Preisniveau erreicht werde, schränkten die Analysten ein.

Nach Reuters-Berechnungen ist die libysche Ölförderung als Folge der Proteste gegen die Regierung von Muammar al-Gaddafi um rund ein Viertel eingebrochen. Und das könnte erst der Anfang sein: Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet von Schätzungen, wonach zwei Drittel der libyschen Ölproduktion ausfallen könnten. Libyen ist das ölreichste Land Afrikas und weltweit der zwölftgrößte Exporteur des Rohstoffs.

Ein Übergreifen der Unruhen auf Saudi-Arabien gilt bei Investoren und Volkswirten als Schreckensszenario für Ölmarkt und Weltwirtschaft. Das Land fördert nicht nur zehn Prozent des weltweit verbrauchten Erdöls, sondern verfügt auch als einziges Ölland über nennenswerte Produktionsreserven, mit dem Ausfälle in anderen Staaten ausgeglichen werden können.

Kommentare (2)

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Mahnes

24.02.2011, 10:02 Uhr

Ja und das "witzige" ist nur das wir damals bei dem historischen Höchststand von 150 Dollar / Barrel einen Spritpreis von ca. 1,50 Euro zu zahlen hatten. Den haben wir heute längst erreicht bei unter 120 Dollar / Barrel!
Wo wollen uns die Geldgeilen Preistreiber und Politgeier noch hinbringen bei einem Lohnzuwachs von gerademal 2,7 % (Bei ebenfalls steigenden Versicherungs und Lebenshaltungspreisen)?
Gute Nacht Deutschland schlaft weiter.

Worldwatch

25.02.2011, 09:44 Uhr

Wenn die Tyrannen in Erdoelfoerderlaendern das Blut ihrer unterdrueckten Bevoelkerung fliessen lassen, leidet die Wirtschaft im Westen unter "Anaemie".

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