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07.06.2017

18:15 Uhr

Rohstoffe

Ölpreis fällt deutlich nach Lagerdaten

In den USA sind die Vorräte an Öl und Benzin überraschend gestiegen. Das lässt den Ölpreis einbrechen. Selbst die Meldung, dass das größte libysche Ölfeld vorübergehend nicht produziert, kann den Fall nicht stoppen.

Der Kurs für ein Barrel Öl fiel deutlich. dpa

Ölpreis

Der Kurs für ein Barrel Öl fiel deutlich.

Frankfurt, SingapurWährend die von Saudi-Arabien angeschobene Isolation Katars – dem drittkleinsten Mitglied des Ölkartells Opec – den Ölpreis nicht beeinflussen konnte, lassen neue Daten aus Nordamerika ihn einbrechen. Laut offiziellen Zahlen der amerikanischen Energiestatistikbehörde EIA sind die Ölvorräte in der vergangenen Woche um 3,3 Millionen Barrel gestiegen. Genauso stark nahmen die Vorräte von Benzin zu. Marktbeobachter waren indes von fallenden Lagerbeständen ausgegangen, nicht zuletzt weil dies typischerweise zu dieser Zeit im Jahr wegen der angebrochenen Ferienzeit passiert. Ein Barrel (159 Liter) des Nordseeöls Brent verbilligte sich daraufhin um vier Prozent auf knapp 48 Dollar. Nordamerikanisches Leichtöl fiel ähnlich stark auf 46 Dollar.

Weiterer Preisdruck ist in dieser Woche ebenfalls von der EIA gekommen. Die Behörde rechnet damit, dass die USA – nicht zuletzt dank verstärkter Schieferölförderung – im nächsten Jahr erstmals in seiner Geschichte mehr als zehn Millionen Barrel Öl pro Tag fördern.

Fragen und Antworten zur Entwicklung des Ölpreises

Warum fallen die Preise, obwohl die Opec weniger fördert?

Im Vorfeld der Entscheidung der Opec und ihrer Partnerländer wie Russland waren die Anleger schon auf die Verlängerung der seit Januar geltenden Förderbremse bis März 2018 vorbereitet worden. Einige hatten aber auf eine deutlichere Verlängerung und stärkere Kürzungen spekuliert.

Was bezweckt die Opec mit der niedrigeren Förderung?

Das Kartell und seine Partner, darunter Russland, wollen das Überangebot auf dem Weltmarkt schmälern und damit die Preise stützen. Erklärtes Ziel ist es, die Ölvorräte von einem aktuellen Rekordhoch von drei Milliarden Fässern auf 2,7 Milliarden Fässer zu senken - dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre. Das für die Finanzmärkte richtungsweisende Nordseeöl Brent kostet derzeit gut 50 Dollar - im Sommer 2014 war der Preis mit 115 Dollar noch mehr als doppelt so hoch.

Wie wird sich der Preis jetzt entwickeln?

Das hängt davon ab, wie viel Öl tatsächlich vom Weltmarkt verschwindet. Und genau das ist der Haken. Die US-Ölindustrie dürfte in die Bresche springen und die Lücke schließen, die durch den Opec-Beschluss von Donnerstag entsteht.

Gibt es besondere Preis-Marken?

Ja. Umkämpft ist fast jede runde Marke - auch aus psychologischen Gründen. Doch in der Vergangenheit waren stets zwei Preis-Marken wichtig: die 30-Dollar-Marke und die 50-Dollar-Marke. Die erstere wurde Anfang 2016 erstmals seit 2003 wieder unterschritten, was letztlich die Opec auf den Plan rief. Nachdem das Kartell im November erstmals wieder eine Förderkürzung beschloss, kletterte der Preis wieder über 50 Dollar und hat sich seither mehr oder weniger darüber behauptet.

Welche Rolle spielen die US-Ölkonzerne

Die USA machen bei der Förderkürzung nicht mit - dürften sie aus rechtlichen Gründe vermutlich auch gar nicht. In den USA ist die Ölindustrie zudem nicht staatlich organisiert wie in vielen anderen Förderländern. Von Texas bis in die Dakotas feiert das Fracking seit Mitte 2016 ein Comeback. Die US-Ölindustrie pumpt derzeit wieder so viel Öl an die Oberfläche, wie vor einigen Jahren, als die Ölschwemme erstmals die Preise ins Rutschen brachte.

Ist Fracking nicht ein sehr kostspieliges Verfahren?

Ja und nein. Denn während des Preisverfalls der vergangenen beiden Jahre hat die Branche nicht geschlafen. In Texas und anderen US-Regionen sind die Förderkosten inzwischen teilweise so niedrig wie in Nahost. Der technische Fortschritt macht Fracking wieder profitabel. Machten US-Firmen vor einigen Jahren erst ab einem Ölpreis von 60 Dollar Profit, reichen ihnen inzwischen schon 30 Dollar.

Was macht die Opec denn jetzt?

Bis März 2018 kürzt die Opec die Produktion um 1,8 Millionen Barrel täglich. Am 30. November kommen die Mitglieder erneut in Wien zusammen, um die Lage zu beraten. Außerdem wollen sie enger mit den Nicht-Opec-Partnern – sprich Russland – zusammenarbeiten. Saudi-Arabien will zudem seine Exporte in die USA verringern. Doch das ist nicht ohne Risko: Die Opec-Länder und Russland drohen Marktanteile an die US-Ölkonzerne zu verlieren.

Wer sind die größten Ölförderer der Welt?

Die Opec steht für rund ein Drittel des weltweiten Rohöl-Angebots. Neben dem Kartell-Mitglied Saudi-Arabien sind Russland und die USA mit großem Abstand und einer Förderung von je etwa neun bis zehn Millionen Fässern Öl am Tag die größten Ölproduzenten der Welt.

Welche Folgen hätte ein neuerlicher Ölpreisverfall für die Weltwirtschaft?

Wenn der wichtigste Schmierstoff für die Produktion nicht viel kostet, ist das generell gut für die Konjunktur und den Geldbeutel des Verbrauchers, der beim Benzin spart. Aber es gibt auch Kehrseiten - beispielsweise für die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Denn sie kämpft seit Jahren gegen eine zu geringe Inflation, was auf Dauer für die Konjunktur schädlich ist. Erwarten Verbraucher und Firmen fallende Preise, halten sie sich mit Käufen und Investitionen zurück. Der niedrige Ölpreis dämpft zudem in einigen Förderländern die wirtschaftliche Dynamik. Vielerorts werden Investitionen zurückgestellt.

Belastend wirkt zudem die Produktion aus Nigeria. Das Land ist zwar Mitglied der Opec, ist aber wie Libyen von der Förderkürzung ausgeschlossen. Die Maßnahme soll es den Ländern ermöglichen, Einnahmen aus den Ölverkäufen zu generieren und die Lage in den von Unruhen geplagten Ländern zu stabilisieren. In Nigeria hat Shell am Mittwoch nach über einem Jahr den Verladeterminal Forcados wieder eröffnet. Damit werden die Exporte des Landes Expertenschätzungen zufolge auf den höchsten Stand seit einem Jahr steigen. Die Rückkehr von Forcados an den Markt steigert die Produktion Nigerias voraussichtlich um zehn Prozent in Richtung zwei Millionen Barrel pro Tag. Im April förderte Nigeria noch 1,5 Millionen Barrel Öl pro Tag.

Die Meldung, dass am Mittwoch das größte libysche Ölfeld wegen Arbeiterprotesten geschlossen wurde, verhalf dem Ölpreis jedoch nicht zur Erholung. Bloomberg zufolge werden aus dem Feld Sharara normalerweise täglich 250.000 Barrel gefördert.

Stattdessen zeigt sich die skeptische Stimmung am Ölmarkt resistent. Denn die nigerianischen Fördersteigerungen untergraben die Förderkürzung der Opec. Das Kartell verzichtet täglich auf 1,2 Millionen Barrel seiner Förderung. Zehn weitere Nicht-Opec-Staaten, darunter Russland, verzichten ihrerseits auf 600.000 Barrel ihrer Förderung.

Anfang diese Woche kamen zudem Zweifel ob der Beständigkeit des Abkommens auf, nachdem zahlreiche arabische Staaten die diplomatischen Beziehungen zu dem Förderland Katar abgebrochen haben. Dem Land wird eine Verbindung zum internationalen Terrorismus nachgesagt. Bei der Rohöltagesproduktion von aktuell 619.000 Barrel pro Tag gehört Katar allerdings zu den kleineren Förderländern der Opec.

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