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08.09.2014

12:16 Uhr

Rohstoffe

Ölpreis fällt unter 100 Dollar

Der Ölpreis fällt unter die Marke von 100 Dollar je Barrel - zum ersten Mal seit mehr als einem Jahr. Und das, obwohl wichtige Ölförderländer von Krisen erschüttert werden. Doch die Anleger schauen auf die USA und China.

Förderanlagen für Rohöl in Venezuela: Der Preis für Brent lag am Morgen bei 96,75 Dollar. ap

Förderanlagen für Rohöl in Venezuela: Der Preis für Brent lag am Morgen bei 96,75 Dollar.

FrankfurtAus Furcht vor einem weiteren Nachfragerückgang haben sich Anleger am Montag aus dem Rohöl-Markt zurückgezogen. Der Preis für Brent fiel um bis zu 1,1 Prozent unter die psychologisch wichtige Marke von 100 Dollar je Barrel. Mit 99,76 Dollar war die richtungsweisende Rohöl-Sorte aus der Nordsee so billig wie zuletzt im Juni 2013. US-Sorte WTI fiel um ein Prozent auf ein Acht-Monats-Tief von 92,37 Dollar.

Genährt würden die Spekulationen von enttäuschenden Konjunkturdaten aus den USA und China. Die rückläufigen chinesischen Importe deuteten auf eine schwächelnde Inlandsnachfrage hin, sagte Victor Shum, Partner bei der Öl-Beratungsfirma Purvin & Gertz. „Das schürt weitere Sorgen über die Erholung der chinesischen Wirtschaft.“ Auch in den USA wuchs die Furcht vor einer Abkühlung der Konjunktur, nachdem der am Freitag bekanntgegeben Jobaufbau im August hinter den Erwartungen zurückgeblieben war.

In Rohstoffe investieren: Grundlagen

Natürliche Ressourcen

Rohstoffe sind natürliche Ressourcen. Sie kommen in der Natur vor und wachsen teilweise nach. Beispiele sind Öl, Kohle, Stahl, Gold, Getreide oder Fleisch. Darüber hinaus gibt es neuerdings auch Rohstoffe, die künstlich hergestellt werden. Ein Beispiel ist Plastik.

Marktdaten verfolgen

Reales Angebot und Nachfrage sind die Basis der Rohstoffpreise. Infos zu Lagerbeständen und Bedarf von Industriemetallen kann man direkt beim Londoner Metal Exchange (www.lme.com) verfolgen. Hilfreich für Agrarrohstoffe ist der Wasde-Bericht (World Agricultural Supply and Demand Estimates; www.usda.gov).

Wetterbericht im Auge behalten

Sinkt die Temperatur in Florida – einem der wichtigsten Orangenanbauer der Welt – unter zwei Grad minus, steigt der Preis für Orangensaft. Frost, Dürre, Überschwemmungen – was die Ernte beeinträchtigt, lässt Agrarrohstoffe haussieren. Rohstoffbörsen wie die CME (www.cme.com) bieten detaillierte Wetterprognosen sowie eine Übersicht zu Rohstoffpreisen.

Psychologie zählt

Ölpreis und Metalle ziehen mit der Konjunktur. Bei Problemen in großen Förderländern steigen die Preise in der Regel auch bei flauer Wirtschaft. Bei Gold sind Angstkäufe der wichtigste Preistreiber.

Exoten meiden

Rohstoffmärkte gelten als enge Märkte. Das heißt: Bei Erzeugnissen mit geringem Umsatzvolumen drohen heftige Kursausschläge. Emittenten wälzen das über Kauf-Verkaufs-Spannen auf Anleger ab. Wer sicher anlegen möchte, sollte deshalb lieber auf führende Rohstoffe setzen: Kupfer statt Zink, Baumwolle statt Bauholz.

Kurve beachten

Sind langlaufende Kontrakte teurer als kurze, steigt die Terminkurve (Contango), Zertifikate verlieren an Wert. Sinkt die Terminkurve (Backwardation), gibt es einen Extragewinn.

Banken checken

Rohstoffzertifikate sind Schuldverschreibungen. Geht die ausgebende Bank pleite, ist das Geld futsch. Vor dem Kauf Emittenten checken, etwa deren Kreditausfallprämien. In Deutschland geht das etwa über den Derivateverband (www.derivateverband.de).

Einsatz begrenzen

Einzelne Rohstoffe können sehr volatil sein. Rohstoffe sollten nicht mehr als zehn Prozent eines Depots ausmachen. Neben einzelnen Futures lässt sich auch in passive Portfolios investieren, etwa den S&P GSCI (die Abkürzung steht für Standard & Poors Goldman Sachs Commodity Index) oder den RICI (Rogers International Commodity Index).

Derzeit trifft ein starkes Angebot auf eine vergleichsweise niedrige Nachfrage. Zwar stecken wichtige Ölländer wie der Irak in politischen Krisen, doch auf die Produktion hatte das bisher kaum Einfluss. Die Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS), die in Syrien und im Irak kämpft, sind bislang nicht im Süden des Iraks aktiv, wo 90 Prozent des für den Export vorgesehenen Öls gefördert wird.

Auch die russischen Ölexporte sind trotz der Spannungen mit dem Westen wegen der Ukraine-Krise bislang auf dem üblichen Niveau. In Libyen ist die Erdölproduktion vor kurzem wieder angelaufen.

Zugleich fördern die USA mit der umstrittenen Fracking-Methode laut Experten zunehmend mehr Öl selbst, sodass sie weniger auf Importe angewiesen sind. In der Folge sinkt der Preis für Rohöl auch in Europa. Hinzu kommt, dass der vergleichsweise starke Dollar Öl für Abnehmer, die in anderen Währungen zahlen, teurer macht und so deren Nachfrage bremst.

Von

rtr

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