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15.01.2016

19:32 Uhr

Rohstoffe

Ölpreis fällt unter 29 Dollar

Die mögliche Rückkehr des Iran an den Ölmarkt drückt die Preise. Für die beiden maßgeblichen Sorten, WTI und Brent, geht es steil bergab. Norwegen ruft die Krise in seiner Ölindustrie aus.

Tag an den Börsen

Ölpreis im freien Fall: Wann kehrt der Iran an den Markt zurück?

Tag an den Börsen: Ölpreis im freien Fall: Wann kehrt der Iran an den Markt zurück?

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Frankfurt/DüsseldorfDer Verfall der Ölpreise nimmt immer mehr Tempo auf: Am Freitagabend stürzte die richtungsweisende Sorte Brent aus der Nordsee um 6,7 Prozent auf 28,82 Dollar ab und notierte damit so niedrig wie zuletzt im Februar 2004. US-Leichtöl der Sorte WTI verbilligte sich um 6,6 Prozent auf 29,13 Dollar. Das ist der niedrigste Stand seit November 2003. Maßgeblich für den erneuten Negativtrend ist die Aussicht auf ein steigendes Ölangebot. Schon am 18. Januar könnten die Sanktionen gegen den Iran aufgehoben werden, lauten die Spekulationen. Damit könnten sie ihr Öl an den Weltmärkten anbieten.

Seit Jahresbeginn sind die Preise bereits um jeweils fast ein Fünftel Prozent eingebrochen. Händlern zufolge spekulieren die Anleger darauf, dass die Internationale Atombehörde dem Iran in ihrem Abschlussbericht bescheinigen dürfte, die Bedingungen des Atomabkommens vom Sommer letzten Jahres erfüllt zu haben. Eine Aufhebung der Sanktionen gegen den Iran dürfte dann schon bald folgen – die Strafmaßnahmen des Westens hatten die iranischen Ölexporte mehr als halbiert. Der Iran hat bereits angekündigt, seine Ölexporte rasch und deutlich ausweiten zu wollen.

„Die Aufhebung der Sanktionen kommt für den Ölmarkt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt und hat somit das Potenzial, die Preise weiter nach unten zu drücken“, kommentiert Eugen Weinberg, Analyst bei der Commerzbank. Indes kündigte Russland an, unvermindert weiter Öl zu fördern. 2015 hatte das Land mit 534 Millionen Tonnen so viel Öl aus den Böden gepumpt, wie seit dem Zerfall der Sowjetunion nicht mehr.

Einige Opec-Länder fordern nun schon eine Sondersitzung der Vereinigung erdölexportierender Länder im März. Der Wunsch bleibt ihnen bislang verwehrt. Die nächste Sitzung der Ölförderländer ist erst im Juni angesetzt.

Die Chronik des Ölpreisverfalls

Der Verfall

Ein weltweites Überangebot bei schwächelnder Nachfrage setzt dem Ölpreis immer stärker zu. Noch im Juni 2014 kostete ein Barrel (Fass zu je 159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent 115,7 Dollar. Derzeit kostet ein Fass Öl aus der Nordsee weniger als 33 Dollar.

Die Gründe

Ein Grund für das Überangebot ist der Schieferölboom in den USA. Ein anderer ist die Förderpolitik der Opec, die anders als in früheren Jahren den Preis nicht durch die Senkung von Fördermengen stützen will oder kann. Stattdessen kämpfen die Kartellmitglieder mit Rabatten um ihre Marktanteile. Diese Preis-Meilensteine durchschritt die Ölsorte Brent seit Anfang 2015:

7. Januar 2015

Der Brent-Preis fällt zum ersten Mal seit Mai 2009 unter 50 Dollar je Fass.

13. Januar 2015

Mit 45,19 Dollar erreicht Brent den niedrigsten Stand seit März 2009.

3. Februar 2015

Spekulationen auf einen deutlichen Rückgang des Überangebots treiben den Preis für Brent wieder über 55 Dollar.

6. Mai 2015

Export-Ausfälle in Libyen schüren Spekulationen auf einen Versorgungsengpass: Der Ölpreis steigt bis auf 69,63 Dollar.

3. August 2015

Erstmals seit Januar rutscht Brent wieder unter die 50-Dollar-Marke. Auslöser ist ein Rekordanstieg der Ölproduktion der Opec-Länder im Juli.

24. August 2015

Aus Sorgen vor einer deutlichen Abkühlung der chinesischen Wirtschaft machen Anleger einen großen Bogen um Öl. Brent verbilligt sich um bis zu 6,5 Prozent auf 42,51 Dollar. Damit kostet das Nordsee-Öl so wenig wie zuletzt im März 2009.

8. Dezember 2015

Nachdem die Opec ihre Förderpolitik bestätigt hat und in der Abschlusserklärung nicht einmal mehr eine Zahl für die Obergrenze der Produktion auftaucht, gehen die Notierungen erneut in die Knie: Brent fällt auf bis zu 39,81 Dollar und ist damit so billig wie zuletzt im Februar 2009.

21. Dezember 2015

Brent kostet mit rund 36 Dollar so wenig wie zuletzt im Juli 2004.

4. Januar 2016

Nach der Hinrichtung eines schiitischen Geistlichen im sunnitischen Saudi-Arabien eskaliert der seit langem schwelende Konflikt zwischen dem Iran und dem Königreich. Dies macht eine gemeinsame Linie der beiden Opec-Mitglieder in der Ölpolitik unwahrscheinlich. Die Preise nehmen ihre Talfahrt wieder auf.

7. Januar 2016

Brent stürzt um sechs Prozent auf 32,16 Dollar ab und notiert damit so niedrig wie zuletzt im April 2004. Damals hatte der Preis zuletzt die 30-Dollar-Marke unterschritten.

Längst hat der Preisverfall die großen Ölförderländer unter Druck gesetzt: Saudi-Arabien erwägt wegen der Haushaltslücken einen Börsengang des bislang staatlichen Ölförderers Saudi Aramco. In Russland grassiert die Angst vor einem neuen Staatsbankrott und auch Norwegen bekommt die Folgen der anhaltenden Baisse immer stärker zu spüren.

„Norwegens Ölindustrie befindet sich in einer Krise. Das können wir nicht leugnen“, sagt Bente Nyland, Chef des Norwegischen Öldirektorats, das zum Öl- und Energieministerium des Landes gehört. Die Ölunternehmen tendieren derzeit, kurzfristige Gewinne einzufahren, statt langfristig Werte zu schaffen, erklärt Nyland.

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