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06.06.2017

15:34 Uhr

Rohstoffe

Ölpreis reagiert kaum auf Spannungen am Golf

Der Streit zwischen Katar und den arabischen Nachbarländern belastet die Börse des kleinen Golfstaats. Die Ölpreise hingegen reagieren bisher kaum auf die diplomatische Krise. Doch Analysten sehen Gefahren.

Die Preise für Öl schwankten am Dienstag stark. dpa

Ölförderung

Die Preise für Öl schwankten am Dienstag stark.

New York/LondonDie Eskalation der diplomatischen Beziehungen unter den Golfstaaten hat die Ölpreise am Dienstag kaum bewegt. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent fiel bis zum Mittag leicht auf 49,27 US-Dollar. Das waren 20 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) sank um 17 Cent auf 47,23 Dollar. Die Ölpreise blieben so auf dem niedrigen Niveau, das sie Ende vergangener Woche nach dem Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaschutzabkommen erreicht hatten.

Saudi-Arabien, Ägypten, die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain hatten am Montag die diplomatischen Beziehungen zu Katar abgebrochen. Katar wird eine Verbindung zum internationalen Terrorismus unterstellt. Es ist die schwerste diplomatische Krise in der Region seit Jahren.

„Ob und in welchem Ausmaß auch Energielieferungen von der gestrigen Entscheidung betroffen sind, lässt sich noch nicht abschätzen“, schreiben Analysten der Commerzbank. Katar sei zwar ein wichtiger Lieferant von verflüssigtem Erdgas, aber bei Erdöl ein vergleichsweise kleiner Akteur.

Fragen und Antworten zur Entwicklung des Ölpreises

Warum fallen die Preise, obwohl die Opec weniger fördert?

Im Vorfeld der Entscheidung der Opec und ihrer Partnerländer wie Russland waren die Anleger schon auf die Verlängerung der seit Januar geltenden Förderbremse bis März 2018 vorbereitet worden. Einige hatten aber auf eine deutlichere Verlängerung und stärkere Kürzungen spekuliert.

Was bezweckt die Opec mit der niedrigeren Förderung?

Das Kartell und seine Partner, darunter Russland, wollen das Überangebot auf dem Weltmarkt schmälern und damit die Preise stützen. Erklärtes Ziel ist es, die Ölvorräte von einem aktuellen Rekordhoch von drei Milliarden Fässern auf 2,7 Milliarden Fässer zu senken - dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre. Das für die Finanzmärkte richtungsweisende Nordseeöl Brent kostet derzeit gut 50 Dollar - im Sommer 2014 war der Preis mit 115 Dollar noch mehr als doppelt so hoch.

Wie wird sich der Preis jetzt entwickeln?

Das hängt davon ab, wie viel Öl tatsächlich vom Weltmarkt verschwindet. Und genau das ist der Haken. Die US-Ölindustrie dürfte in die Bresche springen und die Lücke schließen, die durch den Opec-Beschluss von Donnerstag entsteht.

Gibt es besondere Preis-Marken?

Ja. Umkämpft ist fast jede runde Marke - auch aus psychologischen Gründen. Doch in der Vergangenheit waren stets zwei Preis-Marken wichtig: die 30-Dollar-Marke und die 50-Dollar-Marke. Die erstere wurde Anfang 2016 erstmals seit 2003 wieder unterschritten, was letztlich die Opec auf den Plan rief. Nachdem das Kartell im November erstmals wieder eine Förderkürzung beschloss, kletterte der Preis wieder über 50 Dollar und hat sich seither mehr oder weniger darüber behauptet.

Welche Rolle spielen die US-Ölkonzerne

Die USA machen bei der Förderkürzung nicht mit - dürften sie aus rechtlichen Gründe vermutlich auch gar nicht. In den USA ist die Ölindustrie zudem nicht staatlich organisiert wie in vielen anderen Förderländern. Von Texas bis in die Dakotas feiert das Fracking seit Mitte 2016 ein Comeback. Die US-Ölindustrie pumpt derzeit wieder so viel Öl an die Oberfläche, wie vor einigen Jahren, als die Ölschwemme erstmals die Preise ins Rutschen brachte.

Ist Fracking nicht ein sehr kostspieliges Verfahren?

Ja und nein. Denn während des Preisverfalls der vergangenen beiden Jahre hat die Branche nicht geschlafen. In Texas und anderen US-Regionen sind die Förderkosten inzwischen teilweise so niedrig wie in Nahost. Der technische Fortschritt macht Fracking wieder profitabel. Machten US-Firmen vor einigen Jahren erst ab einem Ölpreis von 60 Dollar Profit, reichen ihnen inzwischen schon 30 Dollar.

Was macht die Opec denn jetzt?

Bis März 2018 kürzt die Opec die Produktion um 1,8 Millionen Barrel täglich. Am 30. November kommen die Mitglieder erneut in Wien zusammen, um die Lage zu beraten. Außerdem wollen sie enger mit den Nicht-Opec-Partnern – sprich Russland – zusammenarbeiten. Saudi-Arabien will zudem seine Exporte in die USA verringern. Doch das ist nicht ohne Risko: Die Opec-Länder und Russland drohen Marktanteile an die US-Ölkonzerne zu verlieren.

Wer sind die größten Ölförderer der Welt?

Die Opec steht für rund ein Drittel des weltweiten Rohöl-Angebots. Neben dem Kartell-Mitglied Saudi-Arabien sind Russland und die USA mit großem Abstand und einer Förderung von je etwa neun bis zehn Millionen Fässern Öl am Tag die größten Ölproduzenten der Welt.

Welche Folgen hätte ein neuerlicher Ölpreisverfall für die Weltwirtschaft?

Wenn der wichtigste Schmierstoff für die Produktion nicht viel kostet, ist das generell gut für die Konjunktur und den Geldbeutel des Verbrauchers, der beim Benzin spart. Aber es gibt auch Kehrseiten - beispielsweise für die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Denn sie kämpft seit Jahren gegen eine zu geringe Inflation, was auf Dauer für die Konjunktur schädlich ist. Erwarten Verbraucher und Firmen fallende Preise, halten sie sich mit Käufen und Investitionen zurück. Der niedrige Ölpreis dämpft zudem in einigen Förderländern die wirtschaftliche Dynamik. Vielerorts werden Investitionen zurückgestellt.

So ist Katar für über 30 Prozent der weltweiten Exporte von Flüssigerdgas verantwortlich. Bei einer Rohöltagesproduktion von aktuell 620 000 Barrel gehört das Land aber zu den kleinsten Opec-Ländern. Insgesamt fördert die Opec 32,2 Millionen Barrel pro Tag. Katar trägt also weniger als zwei Prozent zur Förderung des Kartells bei. Selbst das durch einen Bürgerkrieg gebeutelte Libyen fördert mehr als Katar. Sollte das Land indes die jüngst verlängerte Förderbegrenzung der Opec nicht mehr mittragen, könnten auch andere Länder diesem Beispiel folgen, schreiben die Commerzbank-Analysten.

Der kuwaitische Ölminister Issam Almarzooq machte jedoch am Dienstag deutlich, dass sein Land die Förderbeschränkungen einhalten will. Das Kartell versucht derzeit mit einer eingeschränkten Produktion die global relativ niedrigen Ölpreise wieder höher zu treiben.

Tatsächlich sehen viele Experten die Opec durch den Konflikt nicht in Gefahr. So hat es immer wieder politische Auseinandersetzungen und Kriege zwischen den 14 Mitgliedsländern gegeben, ohne dass die Arbeit und die Abkommen der Organisation in Frage gestellt wurden. So hatte das Kartell während des achtjährigen Krieges zwischen Iran und Irak in den achtziger Jahren die ersten Förderquoten überhaupt durchgesetzt. Auch der jüngste Streit zwischen dem Iran und Saudi-Arabien im Jemen hat die Arbeit der Opec nicht beeinflusst.

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Unterdessen hat sich die Aktienbörse in Katar stabilisiert. Der Konflikt um das Emirat hatte den Qatar Exchange Index (DSM) am Montag so stark abstürzen lassen wie zuletzt vor rund acht Jahren. Nachdem der Leitindex den Handel mit einem Verlust von 7,27 Prozent auf 9202,62 Punkte beendet hatte, zeigte er sich am Dienstag unverändert.

Die Kurse von Katars Staatsanleihen standen hingegen weiter unter Druck. Im Gegenzug stiegen die Renditen der Papiere. Ein im Jahr 2020 fälliger, auf US-Dollar lautender Staatstitel rentierte mit 2,4 Prozent, nach gut zwei Prozent vor der diplomatischen Eskalation.

Auch die Landeswährung Katar-Riyal war schwach. Sie ist an den Dollar gebunden und kann nicht so einfach abwerten. Versicherungen, mit denen sich Investoren gegen einen Ausfall katarischer Staatsanleihen absichern können, wurden seit Ausbruch der diplomatischen Krise deutlich teurer, allerdings von niedrigem Niveau aus.

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