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01.12.2014

08:33 Uhr

Rohstoffe

Ölpreis stürzt noch tiefer

Der Ölpreis setzt seine Talfahrt ungebremst fort. Ein Barrel der Sorte Brent kostet weniger als 70 Dollar. Die Analysten der Deutschen Bank rechnen damit, dass die Talfahrt noch länger andauert.

Ungebremste Förderung

Preisverfall: Die Welt schwimmt in billigem Erdöl

Ungebremste Förderung: Preisverfall: Die Welt schwimmt in billigem Erdöl

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FrankfurtDas Nordsee-Öl Brent verlor am Montag in der Spitze um drei Prozent auf 67,06 Dollar je Barrel und notierte damit auf dem tiefsten Stand seit mehr als fünf Jahren. Auch das US-Öl WTI lag mit 64,10 Dollar je Fass auf dem niedrigsten Stand seit dem Sommer 2009.

Die Opec hatte am Donnerstag entschieden, ihre Fördermenge trotz des rasanten Preisverfalls unverändert zu lassen. Seit Jahresanfang ist der Brentpreis wegen der Wirtschaftsflaute in Europa und China um fast 40 Prozent eingebrochen. Gleichzeitig stieg die US-Ölproduktion auf den höchsten Wert in Jahrzehnten.

Zusätzlich genährt wurden die Konjunktursorgen am Montag durch enttäuschende Wirtschaftsdaten aus China: Das Wachstum der Industrie hat sich verlangsamt, der amtliche Einkaufsmanagerindex für die Branche sank im November auf 50,3 Punkte von 50,8 Zählern im Oktober. Analysten hatten nur einen Rückgang auf 50,6 Zähler erwartet.

Meilensteine der Ölpreisentwicklung

Beginne der Ölförderung

Die ersten gewinnbringenden Erdölbohrungen finden Mitte des 19. Jahrhunderts statt. In dieser Zeit entstehen auch die ersten Raffinerien. Bis 1864 steigt der Ölpreis auf den Höchststand von 8,06 Dollar pro Barrel (159 Liter); inflationsbereinigt müssen damals im Jahresdurchschnitt 128,17 US-Dollar gezahlt werden. In den folgenden Jahrzehnten bleibt der Preis auf einem vergleichsweise niedrigen Level, fällt mitunter sogar, bedingt etwa durch den Erfolg der elektrischen Glühlampe, durch die Öl im privaten Haushalt nicht mehr zur Beleuchtung nötig ist.

Vollgas mit Benzin

Mit dem Erfolg des Automobils zu Beginn des 19. Jahrhunderts steigt die Öl-Nachfrage rasant; speziell in den USA, wo der Ford Modell T zum Massenprodukt wird. 1929 fahren insgesamt 23 Millionen Kraftfahrzeuge auf den Straßen. Der Verbrauch liegt 1929 in den Staaten bei 2,58 Millionen Fass pro Tag, 85 Prozent davon für Benzin und Heizöl. Die Preise bleiben allerdings weiter unter fünf Dollar pro Fass (nicht inflationsbereinigt), da auch mehr gefördert wird.

Negative Folgen der Weltwirtschaftskrise

In den 30er Jahren kommt die Große Depression, die Unternehmenszusammenbrüche, Massenarbeitslosigkeit, Deflation und einen massiven Rückgang des Handels durch protektionistische Maßnahmen zur Folge hat. Während der Weltwirtschaftskrise verringert sich die Nachfrage nach Erdöl und der Preis sinkt auf ein historisches Tief. 1931 müssen bloß noch 0,65 Dollar pro Barrel gezahlt werden (inflationsbereinigt etwa zehn US-Dollar). So billig sollte das schwarze Gold nie wieder sei.

Goldene Zeitalter des billigen Öls

Nachdem sich die Weltkonjunktur erholt hat, steigt der Preise für Öl wieder, bleibt aber konstant unter fünf Dollar pro Barrel. Für die Jahre zwischen dem Ersten Weltkrieg und der Ölkrise im Herbst 1973 spricht man deshalb vom „goldenen Zeitalter“ des billigen Öls.

Erste Ölkrise

In den 70er und 80er Jahren kommt der Ölpreis in Bewegung. Als die Organisation der erdölexportierenden Länder (Opec) nach dem Krieg zwischen Israel und den arabischen Nachbarn im Herbst 1973 die Fördermengen drosselt, um politischen Druck auszuüben, vervierfacht sich der Weltölpreis binnen kürzester Zeit. Zum Ende des Jahres 1974 kostet ein Barrel über elf Dollar (inflationsbereinigt fast 55 US-Dollar). Dies bekommen auch Otto-Normal-Bürger zu spüren: In Deutschland bleiben sonntags die Autobahnen leer, in den USA bilden sich Schlangen vor den Tankstellen.

Preisexplosion während des Golfkriegs

Während der zweiten Ölkrise in den Jahren 1979/1980 zieht der Ölpreis nach einem kurzfristigen Rückgang weiter an. Ausgelöst wird dies im Wesentlichen durch Förderungsausfälle und Verunsicherung nach der Islamischen Revolution. Nach dem Angriff Iraks auf Iran und dem Beginn des Ersten Golfkrieg explodieren die Preise regelrecht. Auf dem Höhepunkt im April 1980 kostet ein Barrel 39,50 Dollar (inflationsbereinigt 116 Dollar).

Niedrigpreise in den 80er und 90er Jahren

Die 80er und 90er Jahre sind – abgesehen von dem kurzzeitigen Anstieg verursacht durch den Zweiten Golfkrieg – eine Phase niedriger Ölpreise. Die Industriestaaten befinden sich in einer Rezession und suchten aufgrund vorhergehenden Ölkrisen mit besonders hohen Preisen nach alternativen Energiequellen. Weltweit gibt es Überkapazitäten. Während der Asienkrise 1997/1998 sinkt die Nachfrage weiter. Ende des Jahres 1998 werden 10,65 Dollar pro Barrel verlangt.

Ein rasanter Anstieg

Nach Überwindung der Krise wachsen die Weltwirtschaft und damit auch der Ölbedarf schnell. Selbst die Anschläge auf das World Trade Center 2001 sorgen nur für einen kurzen Rücksetzer. Anfang 2008 steigt der Ölpreis erstmals über 100 US-Dollar je Barrel, Mitte des Jahres sogar fast auf 150 Dollar. Ein Grund für den Preisanstieg war der Boom des rohstoffhungrigen China, mittlerweile zweitgrößter Verbraucher der Welt. Die Finanzkrise ließ den Preis Ende 2008 allerdings wieder abstürzen.

Ölpreis heute

Ein weltweites Überangebot hält die Preise weiterhin auf niedrigem Niveau. Aktuell kostet ein Barrel Brent rund 30 US-Dollar.

Die Analysten von Nomura und Deutsche Bank rechnen damit, dass der Ölpreis weiter fallen wird. Der Boden befinde sich jetzt bei rund 60 Dollar je Fass oder sogar noch darunter, prognostizieren die Experten.

Von

rtr

Kommentare (17)

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Herr Kurt Siegel

01.12.2014, 09:09 Uhr

Es bleibt zu hoffen, dass der Ölpreis noch unter $ 50 fällt, was aus heutiger Sicht realistisch erscheint, damit alle Despoten dieser Welt endgültig ihre Lehren daraus ziehen, Rohstoffe niemals als politisches Druckmittel zu verwenden.

Herr Fred Meisenkaiser

01.12.2014, 09:34 Uhr

"damit alle Despoten dieser Welt endgültig ihre Lehren daraus ziehen, Rohstoffe niemals als politisches Druckmittel zu verwenden."
Die Despoten der Welt verwenden dies nicht als Druckmittel! Vielmehr sind es die Machthaber in den USA, die versuchen, mittels Erpresung die EU an sich zu binden, um jemand zu haben, den sie weiterhin aussaugen können!

Herr Fred Meisenkaiser

01.12.2014, 09:35 Uhr

Im Übrigen: Die Rohstoffvorräte der Welt sind endlich.

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