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26.01.2010

07:42 Uhr

Rohstoffe

Ölpreise geben Gewinne wieder ab

VonRegine Palm

Trotz eines nur verhaltenen Nachfragewachstums rechnen Experten für dieses Jahr mit einem erneuten Sprung über die 80-Dollar-Marke.

HB DÜSSELDORF/SINGAPUR. Die Ölpreise haben am Dienstag ihre Kursgewinne vom Vortag vollständig wieder eingebüßt. Im frühen Handel kostete ein Barrel (159 Liter) der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Auslieferung im März 74,42 Dollar. Das waren 84 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Fass der Nordseesorte Brent sank um 80 Cent auf 72,89 Dollar. Noch Anfang des Monats war Rohöl erheblich teurer; zeitweise war der Preis deutlich über die Marke von 80 Dollar gestiegen. Experten erwarten, dass diese Marke im Laufe des Jahres erneut fallen wird.

Der kurze Höhenflug des Ölpreises war zum einen durch die kalten Temperaturen auf der Nordhalbkugel ausgelöst worden. Zum anderen trieben die Hoffnungen auf eine rasche Erholung der Weltwirtschaft und eine damit wieder wachsende Ölnachfrage die Preise nach oben. Doch inzwischen haben die Zweifel an einer schnellen wirtschaftlichen Erholung wieder zugenommen. „Die Preise werden wegen der wiederentfachten makroökonomischen Sorgen unter Druck bleiben“, prognostiziert daher Amrita Sen von Barclays Capital.

Nachfrage soll weltweit nur mäßig zulegen

Sowohl die amerikanische Energiebehörde EIA als auch die Internationale Energieagentur IEA hatten Mitte des Monats zu große Nachfrage-Hoffnungen gedämpft. Die US-Behörde hatte zwar weltweit eine Zunahme des Ölbedarfs prognostiziert, allerdings mit geringeren Steigerungsraten als in den Vorjahren. Auch die Internationale Energieagentur erwartet nur einen mäßigen Anstieg der Weltölnachfrage. Diese werde sich 2010 voraussichtlich nur um 1,7 Prozent auf 86,3 Mio. Barrel am Tag erhöhen.

Nach Einschätzung der Commerzbank haben vor allem „die reichliche Liquiditätsausstattung und der Risikoappetit der Finanzanleger“ die Rohölpreise in den vergangenen Monaten immer weiter nach oben getrieben. Die Fundamentaldaten am Ölmarkt hätten sich aber nicht verbessert. Spekuliert wird an den Märkten vor allem auf eine starke Ölnachfrage aus China. Diese hatte die Rohölpreise bis Mitte 2008 auf das Rekordhoch von fast 150 Dollar getrieben. Dann waren die Preise nahezu ungebremst bis auf gut 30 Dollar abgestürzt, nachdem die Ölnachfrage im Zuge der Wirtschaftskrise versiegt war.

Opec produziert mehr als abgesprochen

Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec), die für gut 40 Prozent des weltweiten Ölangebots steht, hatte damals ihre Förderung in mehreren Schritten um mehr als vier Mio. Barrel am Tag gekürzt. Bis heute hat das Ölkartell zwar seine Produktion offiziell nicht wieder ausgeweitet, doch hat die sogenannte Quotendisziplin erheblich nachgelassen. Mit anderen Worten: Die Kartellmitglieder fördern mehr als untereinander abgesprochen.

Die Opec müsse die Einhaltung der Förderquoten verbessern, mahnte daher Shokri Ghanem, Vorsitzender der staatlichen libyschen Ölgesellschaft Libya National Oil gegenüber Bloomberg News an. Ghanem rechnet für dieses Jahr mit Ölpreisen zwischen 75 und 85 Dollar je Barrel. „Die Schwankungen am Markt werden aber nicht durch Angebot und Nachfrage begründet sein, sondern durch Spekulation“, sagte Ghanem weiter. Etwas optimistischer ist Morgan Stanley. Die US-Bank rechnet bis zum Jahresende mit 95 Dollar je Barrel.

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