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25.02.2011

07:04 Uhr

Rohstoffe

Ölpreise geben trotz Libyen-Krise nach

Erstmals seit neun Tagen sind die Ölpreise auf dem Rückzug. Produktionsausfälle in Libyen hatten zuvor für Rekordstände gesorgt. Jetzt beruhigte die Internationale Energieagentur die Märkte in punkto Versorgungs-Engpässe.

Öllager im Hafen von Rotterdam: Unruhen in Libyen haben den Ölpreis in den vergangenen Tagen kräftig ansteigen lassen. Quelle: dpa

Öllager im Hafen von Rotterdam: Unruhen in Libyen haben den Ölpreis in den vergangenen Tagen kräftig ansteigen lassen.

Der Ölpreis ist am Donnerstag im späten Handel erstmals seit neun Tagen wieder gefallen. Damit reagierten die Märkte auf eine Einschätzung der Internationalen Energieagentur (IEA), derzufolge trotz der blutigen Unruhen in Libyen keine Engpässe in der Versorgung zu befürchten seien. Die bisherigen Produktionsausfälle machen demnach nur rund einen Prozent des täglichen globalen Verbrauchs aus. Ausbleibende Lieferungen könnten die Mitgliedsstaaten - zu denen die USA, Deutschland, Großbritannien und Frankreich gehören - ohne weiteres durch eigene Vorräte ausgleichen.
Saudi-Arabien erwägt mehr Ölexporte

Die IEA steht eigenen Angaben zufolge außerdem in engem Kontakt mit der Organisation der Erdöl exportierenden Länder (OPEC). Deren wichtigstes Mitglied Saudi-Arabien habe versichert, dass jeder durch die Unruhen in Libyen bedingte Ausfall, falls notwendig, durch eine Erhöhung der eigenen Produktion wettgemacht werden könne.

Der Preis für ein Barrel (159 Liter) Rohöl der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel an der New Yorker Terminbörse NYMEX um 82 Cent auf 97,28 Dollar. Auch die Aktienmärkte nahmen die Nachricht mit Erleichterung auf: Die Börse in Tokio tendierte angesichts der Entspannung beim Ölpreis freundlich. Der Nikkei-Index notierte im späten Handel am Freitag einen leichten Gewinn von 0,54 Prozent. Der Dow-Jones-Index hatte zuvor zwar den dritten Tag in Folge mit Abschlägen geschlossen. Die Börsen hatten sich aber im Nachmittagshandel nach der IEA-Ankündigung erholt.

Gespräche mit europäischen Raffinerien
Saudi-Arabien befinde sich in "aktiven Gesprächen" mit europäischen Raffinerien, sagten führende Vertreter der saudiarabischen Ölindustrie am Donnerstag. Das Königreich habe die Firmen gefragt, wie viel Öl sie benötigten und in welcher Qualität. Zu den Ölkonzernen, die in Libyen arbeiten, zählen die spanische Repsol und die italienische Eni. Die beiden Konzerne mussten wegen der Gewalt in dem nordafrikanischen Land ihre Produktion verringern oder stoppen.
In den vergangenen Tagen hatten Opec-Vertreter mehrmals betont, Saudi-Arabien würde bei Lieferengpässen in die Bresche springen. Analysten sind aber skeptisch, ob das Land schnell genug auf Ausfälle reagieren kann. Libyen ist der drittgrößte
Ölförderer Afrikas. Raffinerien in Europa importieren rund 80 Prozent der libyschen Ölausführen von 1,3 Millionen Barrel am Tag. Nach Reuters-Berechnungen haben die Unruhen in Libyen bislang zu einem 25-prozentigen Einbruch der dortigen Produktion geführt. Zudem verunsicherten Spekulationen auf ein mögliches Übergreifen der Proteste auf andere Ölförder-Staaten der arabischen Welt die Investoren.

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