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12.06.2013

09:59 Uhr

Rohstoffe

Ölpreise weiter im Abwärtstrend

Die Ölpreise setzen am Mittwoch ihren Abwärtstrend fort. Grund scheinen neue Lagerdaten des American Petroleum Institute und die geringe Nachfrage zu sein. Seit Montag haben die Preise um etwa zwei Dollar nachgegeben.

Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) notierte am Mittwoch bei 94,49 Dollar. dpa

Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) notierte am Mittwoch bei 94,49 Dollar.

SingapurDie Ölpreise haben am Mittwoch ihren seit Wochenbeginn andauernden Abwärtstrend fortgesetzt. Händler nannten neue Lagerdaten des American Petroleum Institute (API) als Grund. Der Ölpreis der US-Sorte WTI zur Lieferung im Juli kostete zuletzt 94,62 Dollar, ein Abschlag von 0,8 Prozent. Öl der Sorte Brent wurde bei 102,37 Dollar gehandelt, 0,6 Prozent weniger als am Vortag.

Seit Montag haben die Ölpreise um etwa zwei Dollar nachgegeben. Treibender Faktor bleibt das Überangebot, wie auch neue Zahlen vom Dienstagabend zeigten. Laut API sind die Rohölvorräte der USA in der vergangenen Woche um knapp neun Millionen Barrel gestiegen. Das ist der größte Zuwachs seit über vier Jahren. Die US-Vorräte liegen derzeit in der Nähe historischer Rekordstände. Zugleich bleibt die globale Ölnachfrage konjunkturbedingt verhalten. Das drückt die Preise.

Meilensteine der Ölpreisentwicklung

Beginne der Ölförderung

Die ersten gewinnbringenden Erdölbohrungen finden Mitte des 19. Jahrhunderts statt. In dieser Zeit entstehen auch die ersten Raffinerien. Bis 1864 steigt der Ölpreis auf den Höchststand von 8,06 Dollar pro Barrel (159 Liter); inflationsbereinigt müssen damals im Jahresdurchschnitt 128,17 US-Dollar gezahlt werden. In den folgenden Jahrzehnten bleibt der Preis auf einem vergleichsweise niedrigen Level, fällt mitunter sogar, bedingt etwa durch den Erfolg der elektrischen Glühlampe, durch die Öl im privaten Haushalt nicht mehr zur Beleuchtung nötig ist.

Vollgas mit Benzin

Mit dem Erfolg des Automobils zu Beginn des 19. Jahrhunderts steigt die Öl-Nachfrage rasant; speziell in den USA, wo der Ford Modell T zum Massenprodukt wird. 1929 fahren insgesamt 23 Millionen Kraftfahrzeuge auf den Straßen. Der Verbrauch liegt 1929 in den Staaten bei 2,58 Millionen Fass pro Tag, 85 Prozent davon für Benzin und Heizöl. Die Preise bleiben allerdings weiter unter fünf Dollar pro Fass (nicht inflationsbereinigt), da auch mehr gefördert wird.

Negative Folgen der Weltwirtschaftskrise

In den 30er Jahren kommt die Große Depression, die Unternehmenszusammenbrüche, Massenarbeitslosigkeit, Deflation und einen massiven Rückgang des Handels durch protektionistische Maßnahmen zur Folge hat. Während der Weltwirtschaftskrise verringert sich die Nachfrage nach Erdöl und der Preis sinkt auf ein historisches Tief. 1931 müssen bloß noch 0,65 Dollar pro Barrel gezahlt werden (inflationsbereinigt etwa zehn US-Dollar). So billig sollte das schwarze Gold nie wieder sei.

Goldene Zeitalter des billigen Öls

Nachdem sich die Weltkonjunktur erholt hat, steigt der Preise für Öl wieder, bleibt aber konstant unter fünf Dollar pro Barrel. Für die Jahre zwischen dem Ersten Weltkrieg und der Ölkrise im Herbst 1973 spricht man deshalb vom „goldenen Zeitalter“ des billigen Öls.

Erste Ölkrise

In den 70er und 80er Jahren kommt der Ölpreis in Bewegung. Als die Organisation der erdölexportierenden Länder (Opec) nach dem Krieg zwischen Israel und den arabischen Nachbarn im Herbst 1973 die Fördermengen drosselt, um politischen Druck auszuüben, vervierfacht sich der Weltölpreis binnen kürzester Zeit. Zum Ende des Jahres 1974 kostet ein Barrel über elf Dollar (inflationsbereinigt fast 55 US-Dollar). Dies bekommen auch Otto-Normal-Bürger zu spüren: In Deutschland bleiben sonntags die Autobahnen leer, in den USA bilden sich Schlangen vor den Tankstellen.

Preisexplosion während des Golfkriegs

Während der zweiten Ölkrise in den Jahren 1979/1980 zieht der Ölpreis nach einem kurzfristigen Rückgang weiter an. Ausgelöst wird dies im Wesentlichen durch Förderungsausfälle und Verunsicherung nach der Islamischen Revolution. Nach dem Angriff Iraks auf Iran und dem Beginn des Ersten Golfkrieg explodieren die Preise regelrecht. Auf dem Höhepunkt im April 1980 kostet ein Barrel 39,50 Dollar (inflationsbereinigt 116 Dollar).

Niedrigpreise in den 80er und 90er Jahren

Die 80er und 90er Jahre sind – abgesehen von dem kurzzeitigen Anstieg verursacht durch den Zweiten Golfkrieg – eine Phase niedriger Ölpreise. Die Industriestaaten befinden sich in einer Rezession und suchten aufgrund vorhergehenden Ölkrisen mit besonders hohen Preisen nach alternativen Energiequellen. Weltweit gibt es Überkapazitäten. Während der Asienkrise 1997/1998 sinkt die Nachfrage weiter. Ende des Jahres 1998 werden 10,65 Dollar pro Barrel verlangt.

Ein rasanter Anstieg

Nach Überwindung der Krise wachsen die Weltwirtschaft und damit auch der Ölbedarf schnell. Selbst die Anschläge auf das World Trade Center 2001 sorgen nur für einen kurzen Rücksetzer. Anfang 2008 steigt der Ölpreis erstmals über 100 US-Dollar je Barrel, Mitte des Jahres sogar fast auf 150 Dollar. Ein Grund für den Preisanstieg war der Boom des rohstoffhungrigen China, mittlerweile zweitgrößter Verbraucher der Welt. Die Finanzkrise ließ den Preis Ende 2008 allerdings wieder abstürzen.

Ölpreis heute

Ein weltweites Überangebot hält die Preise weiterhin auf niedrigem Niveau. Aktuell kostet ein Barrel Brent rund 30 US-Dollar.

Gold notierte bei 1375,58 Dollar je Unze um 0,2 Prozent im Minus. Gold bewegte sich damit auf dem tiefsten Stand in knapp zwei Wochen. Die Erwartung, Notenbanken weltweit würden von weiteren Maßnahmen zur geldpolitischen Lockerung Abstand nehmen, setzten das Edelmetall unter Druck.

„Es sind die Erwartungen eines begrenzten Zeithorizonts bei den QE-Programmen“, sagte David Lennox, Analyst beim Prognosehaus Fat Prophets in Syndey. „Der Markt ist auf die Fed fixiert.“

Drei-Monats-Kontrakte auf Kupfer an der London Metal Exchange waren ebenfalls 0,2 Prozent im Minus und notierten bei 7050,75 Dollar je Tonne.

Die jüngste Aufwertung des Yen und der Kursverfall am japanischen Aktienmarkt macht Kautschuk-Investoren nervös. Der in Tokio gehandelte Terminkontrakt fiel am Mittwoch um bis zu 4,5 Prozent und war mit 237,40 Yen (1,85 Euro) je Kilogramm so billig wie zuletzt im September 2012. In ihrem Sog markierten die Futures in Singapur mit 2,31 Dollar (1,74 Euro) je Kilogramm ein Zwei-Monats-Tief. Die chinesischen Börsen blieben wegen eines Feiertages geschlossen. Angesichts eines steigenden Angebots bei gleichzeitig schwächelnder Nachfrage müsse mit einem weiteren Kursverlust gerechnet werden, sagte Analyst Toshitaka Tazawa vom Brokerhaus Fujitomi. Er halte einen Rückgang auf bis zu 216,50 Yen - das Tief von Anfang September 2012 - für möglich.




Kommentare (2)

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Soapi

12.06.2013, 12:35 Uhr

Ein fallender Ölpreis ist doch positiv für unsere Wirtschaft und Verbraucher. Wenn man sich die Steigerungen über die letzten 15 Jahre ansieht, so kann es nicht schaden wenn er mal um 20 bis 30 $ absackt. In dem Artikel wird der Eindruck erweckt -2 $ ist schon ein Problem.

LornaDoone

12.06.2013, 14:01 Uhr

soll jemand erst einmal nachweisen, dass die Rohölpreise nicht genauso wie LIBOR, Forex, Edelmetalle, Staatsanleihen, Aktienindexfutures (Liste beliebig fortsetzen) bis zum geht nicht mehr manipuliert sind. Ich habe bis heute keine schlüssige Erklärung für den Preisabsturz von 150 auf 30$ 2008-09 gesehen, nachdem Goldman Sachs einen Preis von 200$ damals prognostizierte.

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