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13.12.2016

15:14 Uhr

Rohstoffe

Preise für Benzin und Heizöl auf höchstem Stand seit Juli 2015

Gut 1,6 Millionen Fässer Öl pro Tag wollen die Opec-Mitglieder und andere Produzenten künftig weniger fördern. Das treibt die Preise – auch die Verbraucher spüren es. Doch mittelfristig gesehen ist der Anstieg moderat.

Mittlerweile wachsen am Markt die Zweifel, ob die Opec-Mitglieder und wichtige Nicht-Mitglieder wie Russland ihre Absprachen zur Förderbegrenzung wirksam umsetzen. dpa

Ölpreis

Mittlerweile wachsen am Markt die Zweifel, ob die Opec-Mitglieder und wichtige Nicht-Mitglieder wie Russland ihre Absprachen zur Förderbegrenzung wirksam umsetzen.

Hamburg/ParisNach der Einigung des Ölkartells Opec auf Förderkürzungen kosten Benzin und Heizöl so viel wie zuletzt im Juli 2015. Allerdings gaben die Preise am Dienstag wieder leicht nach.

So kostete ein Liter Superbenzin E10 im bundesweiten Durchschnitt nach den Daten der Markttransparenzstelle ungefähr 1,32 Euro, nachdem zuvor ein Jahreshoch von 1,34 Euro erreicht worden war. Diesel war für etwa 1,15 Euro je Liter zu haben, der Höchstpreis hatte vor zwei Tagen bei 1,17 Euro gelegen.

Auch der Preis für Heizöl erreichte nicht ganz die Schwelle von 60 Euro für 100 Liter (bei Abnahme von 3000 Litern, inkl. MwSt.), sondern drehte kurz zuvor wieder in die andere Richtung und lag am Dienstag nach Daten des Technik-Unternehmens Tecson bei 59,30 Euro.

Im mittelfristigen Vergleich sind die Ölpreise jedoch moderat. Noch vor zweieinhalb Jahren lag der Preis für Rohöl bei mehr als 100 Dollar je Barrel mit entsprechend hohen Benzin- und Heizölpreisen. Am Dienstag betrug er für ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent knapp 56 Dollar und damit etwa einen Dollar weniger als am Vortag, als ein Jahreshoch erreicht worden war.

Die Folgen des Billigöls

1. Billiges Erdöl treibt die Wirtschaft an

Tatsache ist: Europas Verbrauchern nutzen die Niedrigpreise sehr. Im Februar war Energie im Euroraum dem Statistikamt Eurostat zufolge 8,0 Prozent günstiger als vor einem Jahr, bei Haushaltsenergie und Sprit in Deutschland nach Angaben des Statistischen Bundesamts 8,5 Prozent. Von Mitte 2014 bis Ende 2015 verbilligte sich das „schwarze Gold“ um zwei Drittel, das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut meldete beim Rohstoffpreis-Index den tiefsten Stand seit 2004. Die Deutschen gaben 2015 laut Mineralölverband 13,5 Milliarden Euro weniger für Sprit und Heizöl aus. Auch große Teile der Industrie freuen sich: Je billiger der Schmierstoff der Weltwirtschaft, umso mehr Entlastung im Einkauf.

Wahr ist aber auch: Die Chemie zum Beispiel muss bessere Konditionen oft mit niedrigeren Preisen für Kunst- oder Farbstoffe an ihre Kunden weitergeben. Beim Branchenriesen BASF etwa sank der Überschuss 2015 auch deshalb um fast ein Viertel auf rund 4 Milliarden Euro.

2. Bald steigen die Ölpreise stark, dann kommt das böse Erwachen

„Langfristig dürfte ein steigender (Öl-)Preis die Geldentwertung anheizen“, glaubt Eugen Weinberg von der Commerzbank. Die Gefahr: Wenn es mächtigen Förderländern gelingt, das Fracking in den USA aus dem Markt zu drängen, könnte das Angebot knapp werden und die Kosten hochkatapultieren. Für Flüssigtreibstoffe ermittelte die französische Bank Société Générale von 2005 bis 2015 einen Rückgang der Preise um fast 30 Prozent. Die Internationale Energieagentur (IEA) sieht aber allerspätestens 2021 deutliche Erhöhungen. „Für Verbraucher ist es einfach, sich durch niedrige Preise einlullen zu lassen, aber sie sollten die Signale nicht überhören“, warnte IEA-Chef Fatih Birol.

Zwar ist vor allem die kühlere Konjunktur in China ein Grund; dort gab es 2015 mit 6,9 Prozent das schwächste Wachstum seit 25 Jahren. Aber auch unklare Ziele des Opec-Kartells spielen eine Rolle. Der Iran will nach dem Ende der Sanktionen Öl exportieren, die Saudis und das Nicht-Opec-Mitglied Russland peilen eine Deckelung der Produktion an. Wenn mehr US-Quellen dicht machen, könnten am Ende Engpässe - so fürchtet Birol - zu „nach oben schießenden Ölpreisen“ führen.

3. Das Billigöl würgt den Börsen-Boom endgültig ab

Weltweit haben Aktienbesitzer nach dem Jahreswechsel herbe Verluste einstecken müssen. Ein Grund, der neben der befürchteten schwächeren Weltkonjunktur oft genannt wird: das Ölpreis-Tief. Dauerhaft billige Rohstoffe werten die Märkte als Zeichen schrumpfender Nachfrage.

Chinas Schwäche sorgt weiter für Zweifel - zusammen mit den dortigen Finanzmarkt-Turbulenzen und Exporten, die im Februar um ein Fünftel einbrachen. Und wie lange können Förderer Kredite voll bedienen? „Wir erwarten, dass Banken in ölexportierenden Regionen ein höheres Gläubiger-Risiko haben“, warnt die Ratingagentur Moody's. Sie prüft eine Abstufung von zwölf Förderländern, darunter Russland und Saudi-Arabien. Das Preistief werde wohl noch „mehrere Jahre“ dauern.

4. Das Klima verliert, denn günstiges Öl blockiert die Energiewende

Beim Pariser Klimagipfel Ende 2015 einigte sich die Weltgemeinschaft auf einen Verzicht auf fossile Brennstoffe bis Ende des Jahrhunderts. Solange die Abkehr von Öl, Gas und Kohle nicht klappt, verschleppt das Ölpreis-Tief die Energiewende zusätzlich, sagte Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung im Deutschlandfunk: „Ein niedriger Ölpreis behindert den Umstieg Richtung Energiesparen.“ Prognosen zum Welt-Energiebedarf gibt es viele. So erwartet BP, dass die Fossilen auch 2035 den Löwenanteil (60 Prozent) zur globalen Versorgung beitragen, obwohl erneuerbare Quellen parallel zulegen.

Die Schwellenländer wollen jedoch mehr Wohlstand - und brauchen dafür mehr Energie. Andererseits entlasten niedrige Ölpreise sie nur dann, wenn rückläufige Verkäufe sie nicht treffen. IWF-Chefin Christine Lagarde bot Hilfe an: „Der IWF steht offen für alle Mitglieder.“

5. „Die Elektroauto-Industrie wird unter niedrigen Ölpreisen leiden“

Dies sagt nicht irgendwer - sondern der schillernde Gründer des US-Elektroautobauers Tesla, Elon Musk. Über seine bei CNN geäußerte Einschätzung kann man streiten: Es gibt viele Faktoren, die eine „Verkehrswende“ erschweren. Elektroautos sind gegenüber Benzinern meist teuer, die Reichweite ist gering. Laut Kraftfahrt-Bundesamt kamen 2015 in Deutschland gerade 12 363 reine E-Autos zusätzlich auf die Straße, verglichen mit der Gesamtzahl von 3,2 Millionen Pkw. Die Bundesregierung hat zu möglichen Subventionen noch keine klare Linie.

In der Auto-Nation USA jedenfalls schiebt das billige Öl den Absatz von Spritschluckern an. Nach Zahlen der Deutschen Bank stieg der Verkaufsanteil leichter Trucks dort zwischen 2000 und 2015 von 50 auf über 60 Prozent, während normale Pkw zuletzt 40 Prozent erzielten. Ursache: „das enorme Abrutschen der Öl- und damit der Benzinpreise“.

Mittlerweile wachsen jedoch am Markt die Zweifel, ob die Opec-Mitglieder und wichtige Nicht-Mitglieder wie Russland ihre Absprachen zur Förderbegrenzung wirksam umsetzen. Zudem führen steigende Ölpreise regelmäßig auch zu einer höheren Ölförderung in den USA, was dann wieder dämpfend auf die Preise wirkt.

Nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) könnte die Einigung aber schnelle Auswirkungen auf das weltweite Angebot an Rohöl haben - sie erwartet, dass das vorherrschende Überangebot bald der Vergangenheit angehört. Außerdem geht die IEA davon aus, dass die Lagerbestände in den kommenden sechs Monaten spürbar sinken werden. Bisher nahm die Organisation, in der sich führende Industriestaaten als Interessenvertretung zusammengeschlossen haben, an, dass die weltweiten Ölreserven bis Ende 2017 ihr Niveau halten.

Die Kürzung, auf die sich 13 Opec-Länder und 12 weitere Förderstaaten am Wochenende geeinigt hatten, soll ab Januar 2017 für ein halbes Jahr gelten. Die Kooperation knüpft an eine Förderkürzung der Opec von Ende November an. Das Kartell will seine Tagesproduktion um 1,2 Millionen auf 32,5 Millionen Barrel reduzieren. Die Nicht-Opec-Länder wollen ihre Förderung um insgesamt 558.000 Barrel täglich drosseln. Allein Russland plant, 300.000 Barrel weniger zu produzieren.

Die Ölpreise waren seit Mitte 2014 vor allem wegen Überproduktion um bis zu 70 Prozent eingebrochen.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

13.12.2016, 14:59 Uhr

"Herr Fritz Porters - 18.11.2016, 11:43 Uhr

@ Herr Hoffmann

ich habe nicht diesen enormen politischen Sachverstand wie Sie, aber die von Ihnen beschriebene "Grünen-Sozialistischen Vernichtungspolitik".... ist das sowas wie ein "Gemüseauflauf"? :-D
Herrlich, die Kommentare sind echt Comedy... einige Artikel im HB sind echt besorgniserregend, aber die Kommentare können einem das Lachen zurückzaubern. Danke ...muss weiter arbeiten...aber nachher schaue ich noch mal in die Kommentare...will doch auch später noch was zu schmunzeln haben..."

@Porters

VIELEN DANK Herr Porters,
es ist wirklich ein immenser Zeitaufwand, von morgens bis abends zu jedem Artikel so witzige Kommentare zu schreiben.
Bei manchen Artikeln sogar mehrere.
Schön das Sie das zu schätzen wissen.

Aber die Ehre gebührt nicht mir alleine. An den Comedy-Kommentaren sind noch weitere Leute beteiligt die auch gewürdigt sein wollen:
Paff, von Horn, Vinci Queri, Delli, Bollmohr, Caruso, Mücke, Ebsel, Dirnberger....

ohne sie wäre ich hier sehr einsam !

Aber besonders erwähnen möchte einen, der wirklich den ganzen Tag, und damit meine ich von morgens bis abends, aber auch wirklich jeden Artikel kommentiert (er ist fleisiger als ich), und auch die meisten Artikel mehrmals kommentiert.....

das ist unser geliebter

TRAUTMANN

Danke

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